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Mittwoch, 28.09.2016
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Paläontologen entdecken den größten flugfähigen Vogel

Mit 6,4 Metern Flügelspannweite war Pelagornis ein guter Gleiter mit leichtem Start-Handicap

Urzeitlicher Überflieger: Paläontologen haben das Fossil des größten Vogels entdeckt, der sich jemals in die Lüfte erhob. Mit rund 6,4 Metern Flügelspannweite überschreitet er sogar das theoretische Maximum. Der Pelagornis sandersi getaufte Riesenvogel war dennoch ein herausragender Segler, hatte allerdings Probleme beim Start, wie die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten.
So könnte der Riesenvogel Pelagornis sandersi ausgesehen haben

So könnte der Riesenvogel Pelagornis sandersi ausgesehen haben

Vom winzigen Zaunkönig bis zum Albatros mit 3,5 Metern Flügelspannweite: Die Evolution hat im Laufe der Zeit die unterschiedlichsten Vogelformen hervorgebracht. Um sich in die Luft erheben zu können, bildeten die Vögel hohle, leichte Knochen, starke Flugmuskeln und aerodynamisch optimierte Flügelformen aus. Schon länger ist bekannt, dass es unter den ausgestorbenen Vögeln Arten gab, die weitaus größer wurden als heutige Vertreter. Ob und wie gut diese aber fliegen konnten, blieb unklar – auch, weil die Fossilien häufig zu unvollständig waren.

Lange Flügel und Schnabel mit Knochenzähnen


Das neue Fossil wurde schon 1983 bei Bauarbeiten zur Erweiterung des Flughafens von Charleston in South Carolina entdeckt. Es war sogar ein Bagger nötig, um das riesige Fossil zu bergen. "Allein der obere Flügelknochen war länger als mein Arm“, sagt Dan Ksepka vom National Evolutionary Synthesis Center in Durham. Neben Flügel- und Beinknochen umfasste der Fund auch den Schädel des Tieres. Am Charleston Museum legten die Paläontologen dann in langwieriger Kleinarbeit das gut erhaltene Fossil frei.

Knochen und Silhouette des Riesenvogels

Knochen und Silhouette des Riesenvogels

Das 25 bis 28 Millionen Jahre alte Fossil entpuppte sich als Angehöriger der Pelagornithiden – einer ausgestorbene Gruppe von Seevögeln, für die ein langer, mit scharfen Knochenzähnen bewehrter Schnabel typisch war. Mit diesem schnappten sie wahrscheinlich Fische aus dem Wasser. Typisch auch: Der Riesenvogel besaß sehr leichte Knochen, lange schmale Flügel und kurze stummelige Beine. An Land war der Pelagornis sandersi getaufte Vogel daher wahrscheinlich ein tollpatschiger Geselle, ähnlich wie die heutigen Albatrosse.


Anhand der Knochen schätzen die Forscher die Flügelspannweite des Riesenvogels auf rund 6,40 Meter – das Doppelte eines Albatros. Damit allerdings liegt Pelargornis über den von Modellen vorhergesagten maximalen Maßen eines flugfähigen Vogels. Nach diesen reicht die Kraft ab etwa 5,1 Metern Spannweite nicht mehr aus, um mit den Flügeln zu schlagen. Um zu prüfen, ob der Urzeit-Vogel trotzdem fliegen konnte, fütterten Ksepka und seine Kollegen eine Computersimulation zur Aerodynamimk des Vogelflugs mit den Daten des Fossils.

Paläontologe Dan Ksepka mit dem Schädel des Pelagornis, der zahnbewehrte Schnabel ist gut zu erkennen.

Paläontologe Dan Ksepka mit dem Schädel des Pelagornis, der zahnbewehrte Schnabel ist gut zu erkennen.

Schlechter Starter, aber guter Gleiter


Das Ergebnis: Pelagornis sandersi war tatsächlich zu groß, um sich aus dem Stand durch Flügelschläge in die Luft zu erheben. Aber mit Anlauf oder vom Hang eines Hügels aus dürfte er keine Probleme gehabt haben, zu starten, so die Forscher. Einmal in der Luft profitierte der Urzeitvogel dann von seinen langen, dünnen Flügeln. Sie sorgten dafür, dass er lange Strecken gleiten konnte, ohne an Höhe oder Geschwindigkeit zu verlieren, wie die Simulation ergab.

Bei günstigen Windlagen über dem Meer konnte der Riesenvogel daher vermutlich viele Kilometer weit segeln, ohne auch nur einmal mit den Flügeln schlagen zu müssen. Erspähte er dabei Beute, schwang er sich zur Oberfläche hinab und schnappte sie sich mit seinem zahnbesetzten Schnabel auf. "Das ist ein Vorteil, wenn die Nahrung im Ozean unregelmäßig verteilt ist", sagt Ksepka. Für die Vertreter der großen Pelagornithidae war diese Strategie offenbar erfolgreich, denn sie dominierten mehrere Millionen Jahre lang den Himmel entlang der Meeresküsten. Erst vor rund drei Millionen Jahren starben sie aus - warum, ist unklar. (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2014; doi: 10.1073/pnas.1320297111)
(National Evolutionary Synthesis Center (NESCent) / PNAS, 08.07.2014 - NPO/MVI)
 
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