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Samstag, 01.10.2016
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Neandertaler: Kot verrät Speiseplan

Versteinerte Kügelchen entpuppen sich als älteste fossile Ausscheidungen der Menschheit

Versteinerte Ausscheidungen: Forschern haben erstmals fossilen Kot von Neandertalern gefunden und analysiert. Die 50.000 Jahre alten Kotkügelchen geben einen wertvollen Einblick in den Speiseplan unserer eiszeitlichen Vettern. Demnach aßen sie tatsächlich vor allem Fleisch, aber ab und zu stand auch Gemüse auf dem Speiseplan. Die versteinerten Kügelchen sind zudem vermutlich die ältesten bekannten Fossilien menschlichen Kots überhaupt, wie die Forscher im Fachmagazin "PLOS ONE" berichten.
Die Neandertaler waren geschickte Jäger, sozial und intelligenter als früher angenommen.

Die Neandertaler waren geschickte Jäger, sozial und intelligenter als früher angenommen.

Die Neandertaler kochten schon vor einer Million Jahren mit Feuer, nutzten gezielt Heilpflanzen und waren geschickte Jäger. Allerdings: Was auf dem Speiseplan der Eiszeitmenschen stand, ließ sich bislang nur indirekt schließen. Vor allem Tierknochen, Speere und andere Jagdwerkzeuge an ihren einstigen Lagerplätzen zeugen davon, dass die Neandertaler große Pflanzenfresser jagten und deren Fleisch aßen. Lange Zeit galten die Neandertaler daher als reine Fleischfresser, deren einseitige Ernährung vielleicht sogar ihr Aussterben vor rund 40.000 Jahren förderte.

In den letzten Jahren deuten Analysen fossiler Zähne aber daraufhin, dass die Neandertaler zumindest an einigen Orten ihren Speiseplan auch mit Pflanzenkost bereicherten. Weil Tierknochen besser erhalten bleiben als Pflanzenreste, könnte unser Bild des Neandertaler-Speiseplans verzerrt sein, so die Vermutung. Jetzt liefern versteinerte Kotreste des Neandertalers erstmals mehr Klarheit darüber, wie vielseitig der Speiseplan der Neandertaler tatsächlich war.

Blick auf die Fundstelle des Neandertaler-Kots in El Salt

Blick auf die Fundstelle des Neandertaler-Kots in El Salt

Mini-Kügelchen im Sediment


Entdeckt haben Ainara Sistiaga von der Universität La Laguna auf Teneriffa und ihre Kollegen die Relikte – winzige Kügelchen, eingebettet ins Sediment – in El Salt nahe der spanischen Stadt Alicante. Dort lagerten vor rund 60.000 bis 45.000 Jahren regelmäßig Neandertalergruppen, davon zeugen die dort gefundenen Steinwerkzeuge und Knochen. Als die Forscher eine Probe aus einer 50.000 Jahre alten Sedimentschicht unter dem Mikroskop untersuchten, fielen ihnen mehrere, nur millimetergroße Kügelchen und Bröckchen auf. Deren Struktur ähnelte stark denen versteinerter Kotreste, wie sie von weitaus jüngeren archäologischen Fundstellen her bekannt waren.


Aber konnte es sich wirklich um die Kotreste der damals hier lebenden Neandertaler handeln? Um dies zu klären, analysierten die Forscher die winzigen Relikte mit Hilfe eines Massenspektrometers und suchten dabei speziell nach einem für Kot typischen Biomarker, dem sogenannten 5ß-Coprostanol. Dieses entsteht, wenn Cholesterine durch Mikroben im Darm abgebaut werden.

Viel Fleisch, aber auch Pflanzen


Wie sich zeigte, enthielten die 50.000 Jahre alten Kügelchen tatsächlich diesen Biomarker, aber auch Reste von Cholesterin und den Abbauprodukten von Pflanzenfetten. Weil der Anteil pflanzlicher und tierischer Nahrung das Verhältnis dieser verschiedenen Verbindungen im Kot beeinflusst, geben sie Aufschluss auf die Ernährung der hier einst lebenden Neandertaler. Und deren Speiseplan war zwar tatsächlich fleischlastig, aber es standen auch Pflanzen darauf.

"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Neandertaler von El Salt sowohl Fleisch als auch Pflanzen aßen", berichten die Forscher. Letzteres allerdings in deutlich geringeren Mengen. Das betätigt einerseits die Ergebnisse der früheren Zahnanalysen, zeigt aber auch, dass bisherige Funde ein weniger verzerrtes Bild der Neandertaler-Ernährung geliefert haben als befürchtet – Fleisch war offensichtlich ihre Hauptnahrung. Die Archäologen hoffen nun, durch weitere Untersuchungen der steinzeitlichen Kotreste noch Genaueres über die Lebensweise und Ernährung der Neandertaler herauszufinden. (PLOS ONE, 2014; doi: 10.1371/journal.pone.0101045)
(PLOS, 26.06.2014 - NPO)
 
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