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Mittwoch, 28.09.2016
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Vulkan überzog komplette Insel mit Glas

Geologen rekonstruieren Vulkankatastrophe auf der Insel Pantelleria vor 45.000 Jahren

Ein Überzug aus glühendem Glas: So sah die Mittelmeerinsel Pantelleria vor etwa 45.000 Jahren aus. Diese durch einen Vulkanausbruch verursachte Glasschicht ist noch heute sichtbar. Britische Geologen haben nun den Verlauf der damaligen Katastrophe rekonstruiert und dabei bislang unbekannte Details aus der Vergangenheit der Vulkaninsel zu Tage gebracht. In ihrer Studie im Fachmagazin "Geology" beschreiben sie auch, wie die Glasinsel zum Verständnis anderer Naturkatastrophen beitragen kann.
Steilküste der Vulkaninsel Pantelleria mit vulkanischen Gesteinsschichten.

Steilküste der Vulkaninsel Pantelleria mit vulkanischen Gesteinsschichten.

Die italienische Insel Pantelleria ist heute ein grün bewachsener Fleck im Mittelmeer zwischen Sizilien und Tunesien, als Urlaubsort bekannt für ihren Wein und ihre heißen Quellen. Die Vulkaninsel war jedoch nicht immer so friedlich: Pantelleria ist im wahrsten Sinne des Wortes überzogen von Spuren vulkanischer Vergangenheit. Auf der ganzen Insel findet sich eine nahezu geschlossene Schicht aus glasigem Tuffstein vulkanischen Ursprungs. Bereits vom Meer aus ist die grünliche Glasschicht sichtbar: Manche der Klippen an Pantellerias Steilküste sehen aus wie mit Kerzenwachs überzogen.

Sterilisiert und versiegelt


Vulkanologen der Universität Leicester in England untersuchen nun die Prozesse, wie Pantelleria diesen Glas-Überzug erhielt. Ursache war ein katastrophaler Vulkanausbruch vor etwa 45.000 Jahren: Dabei breitete sich eine Wolke aus extrem heißem Gas und vulkanischem Staub in alle Richtungen aus. "Glühende Felsstücke in der alles umhüllenden vulkanischen Wolke waren so heiß und zähflüssig, dass sie einfach mit dem Untergrund zu einer Schicht aus Glas verschmolzen," beschreibt Geologe Mike Branney das Inferno. "Das heiße Glas begann dann wie zähflüssige Lava an allen Hängen hinab zu fließen." Nichts konnte diese Katastrophe überleben - die Insel war praktisch sterilisiert und vollständig versiegelt.

Geologin der University of Leicester vor den beeindruckenden vulkanischen Ablagerungen auf Pantelleria.

Geologin der University of Leicester vor den beeindruckenden vulkanischen Ablagerungen auf Pantelleria.

Das Forscherteam hat rekonstruiert, wie die Lavaströme nach und nach die ganze Insel überzogen. Bodenproben von Pantelleria zeigen, wie sich die chemische Zusammensetzung des Glases von Stelle zu Stelle unterscheidet. Daran konnten die Geologen ablesen, dass die heißen Ströme zuerst nur dicht über dem Boden flossen und die niedrig liegenden Gebiete bedeckten. Das geschmolzene Gestein schwoll weiter und weiter an und überströmte schließlich auch sämtliche Hügel der Insel.


Modell für andere Katastrophen


Dann jedoch zeigt sich ein für die Geologen bemerkenswertes Verhalten: Der vulkanische Strom zog sich zum Ende der Eruption offenbar wieder zurück, bis nur noch die tiefliegenden Regionen in der Nähe des Vulkans weiterhin überflutet wurden. Dieses charakteristische Vorrücken und anschließende Zurückweichen könnte ein typisches Strömungsverhalten für ähnliche Naturkatastrophen sein, spekulieren die Forscher. Andere Vulkane mit ähnlichem Eruptionsverhalten, auch größere wie in der amerikanischen Yellowstone-Snake River Region, aber auch von Erdbeben ausgelöste unterseeische Erdrutsche könnten sich mit diesem Modell besser verstehen lassen.

Zunächst müssen die Geologen jedoch klären, wie einzigartig die Glasinsel Pantelleria tatsächlich ist: "Wir versuchen herauszufinden, ob dieser Ausbruch nur ein ungewöhnliches, einmaliges Ereignis war", sagt Branney. "Es zeigt sich, dass auf dieser entzückenden Insel, die Prominenten als ruhiger Urlaubsort dient, mindestens fünf ähnliche katastrophale Eruptionen stattgefunden haben." Die bemerkenswerte vulkanische Aktivität der Insel sei also kein Einzelfall, so die Geologen. Und da der Vulkan unter den heißen Quellen weiter vor sich hin dampft, könnte in ein paar tausend Jahren der nächste zerstörerische Ausbruch folgen.
(Geology, 2014; doi: 10.1130/G34830.1)
(University of Leicester, 22.05.2014 - AKR)
 
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