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Donnerstag, 28.07.2016
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Sind Erstgeborene konservativer?

Geschwisterfolge beeinflusst Wertvorstellungen und Persönlichkeit

Dominant, aber auch konservativ: Wer diese Wesenszüge an sich entdeckt, der könnte sie seiner Geburt verdanken – oder genauer: der Position in der Geschwisterfolge. Eine Studie italienischer Forscher deutet darauf hin, dass Erstgeborene eher dazu neigen, konservativer zu denken und lieber den Status quo aufrechtzuerhalten als zu rebellieren. Ob die Eltern konservativ eingestellt sind oder nicht, spielt dafür allerdings keine Rolle.
Geschwister: Ihre Geburtsfolge prägt auch ihre Persönlichkeit

Geschwister: Ihre Geburtsfolge prägt auch ihre Persönlichkeit

Ob Nesthäkchen oder ältestes Kind: An welcher Position in der Geschwisterfolge wir geboren werden, kann unsere Persönlichkeit beeinflussen. Darauf zumindest deuten einige psychologische Studien hin. Demnach neigen Erstgeborene dazu, dominanter und zielgerichteter zu sein, eher die Führung unter den Geschwistern, aber auch im späteren Leben zu übernehmen. Nesthäkchen dagegen sollen dem Klischee nach eher gewöhnt sein, durch Charme und soziale Talente ihre Ziele zu erreichen. Sie sind zudem offener für neue Erfahrungen. Ob es bei diesen Merkmalen aber tatsächlich um Effekt der Geschwisterfolge handelt oder eher um Klischees, ist umstritten.

Dominant und konservativ?


Eine weitere Theorie zur Geschwisterfolge und ihren Auswirkungen auf die Persönlichkeit stellte der US-Psychologe Frank Sulloway im Jahr 1996 auf. Er ging davon aus, dass Erstgeborene es gewohnt sind, für Ordnung unter den Geschwistern zu sorgen und den Status quo aufrechtzuerhalten. Als Folge sind sie nicht nur dominanter, sondern auch konservativer als ihre jüngeren Geschwister, so die These von Sulloway. Studien, die versuchten, diese Theorie zu prüfen, kamen allerdings bisher zu widersprüchlichen Ergebnissen.

Daniela Barni von der katholischen Universität Mailand und ihre Kollegen haben nun einen erneuten Versuch unternommen, Sulloways These zu testen. An ihrer Studie nahmen 96 italienische Familien mit insgesamt 384 Mitgliedern teil. Die Forscher befragten jeweils beide Eltern und deren erst- und zweitgeborene Kinder anhand eines standardisierten Fragebogens zu ihrer Haltung gegenüber Veränderungen, Ordnung, Tradition und anderen Aspekten, die die Werte und den Konservativismus der Teilnehmer widerspiegelten.


Sichern des Status quo


"Wir testeten dabei zwei Hypothesen von Sulloways Theorie: 1: Erstgeborenen sind konservativer als zweitgeborene und 2: Erstgeborene verinnerlichen die konservativen Werte ihrer Eltern stärker als nachfolgende Geschwister", erklären die Forscher. Das Ergebnis bestätigte tatsächlich die erste Hypothese: Die Erstgeborenen, die an der Studie teilnahmen, zeigten im Mittel konservativere Wertvorstellungen als ihre jüngeren Geschwister.

Nach Ansicht von Barni gibt es dafür eine logische psychologische Erklärung: "Erstgeborene haben die ungeteilte Aufmerksamkeit und Fürsorge ihrer Eltern erlebt und sind stärker und intellektuell weiter entwickelt als ihre Geschwister, sie haben daher eine dominante Position", sagt die Forscherin in livescience. "Daher neigen sie dazu, ihren Statusvorteil zu sichern, indem sie eine konservative Haltung einnehmen, die ihnen hilft, den Status quo aufrechtzuerhalten."

Unabhängig von der Einstellung der Eltern


Die zweite Hypothese von Sulloway bestätigte sich dagegen nicht, wie die Forscher berichten: Wie konservativ die Eltern waren, spielte für diesen Effekt keine Rolle. Triebkraft für die konservativere Haltung der Erstgeborenen ist daher nicht der Wunsch, sich den Eltern anzupassen um sich ihrer Zuneigung zu versichern. Denn selbst bei eher liberalen Eltern zeigten die Erstgeborenen eine konservativere Haltung als ihre nachfolgenden Geschwister.

Natürlich spielen für die Persönlichkeit sehr viel mehr Einflüsse eine prägende Rolle als nur die Geschwisterfolge, das betonen auch Barni und ihre Kollegen. Die Familiensituation – ob harmonisch und liebevoll oder nicht, der Altersabstand zwischen den Geschwistern und deren Anzahl, ganz zu schweigen von Einflüssen in Kindergarten, Schule und Freundeskreis spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Insofern seien noch weitere Studien nötig, um herauszufinden, wie stark die Geschwisterfolge tatsächlich unserer Persönlichkeit prägt. Aber ganz von der Hand zu weisen sind die Ergebnisse dieser und anderer Studien zum Thema eben auch nicht. (Personality and Individual Differences, in press)
(livescience / Barni, 15.05.2014 - NPO)