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Mittwoch, 07.12.2016
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Rätsel um mythischen Südsee-Speer gelöst

880 Jahre alter Holzspeer gehörte tatsächlich dem Ahnherrn der Bewohner eines Südsee-Atolls

Mythos oder echtes Relikt? Ein sagenumwobener Holzspeer soll einst einem Helden der Südsee gehört haben – und dem Ahnherrn der Bewohner des Südsee-Atolls Nanumea. Ob das stimmen kann, haben jetzt deutsche Holzforscher überprüft. Und tatsächlich: Alter und Holzart deuten darauf hin, dass der 880 Jahre alte Speer wirklich einst dem Ahnherrn der Inselbewohner gehörte.
Die Spitze des Speers Kaumaile, der einst dem Ahnherrn der Atollbewohner von Nanumea gehört haben soll.

Die Spitze des Speers Kaumaile, der einst dem Ahnherrn der Atollbewohner von Nanumea gehört haben soll.

Die Bewohner des Südsee-Atolls Nanumea führen ihren Ursprung auf einen sagenhaften Ahnherrn zurück. Dieser seefahrende Held mit dem Namen Tefolaha soll vor rund 23 Generationen dieses viereinhalb Kilometer lange und nur 600 Meter breite Eiland erreicht haben. Zuvor aber besiegte er der Sage nach mit seinem charakteristisch geformten Holzspeer "Kaumaile" zahlreiche Feine auf Samoa und Tonga. Diesen Speer soll er nach Nanumea mitgebracht haben, als er sich auf der Insel niederließ und zum Ahnherrn der Bewohner wurde. Nach seinem Tod wurde der Speer von Nachkommen zu Nachkommen weitergegeben.

Echtes Relikt oder nur ein Mythos?


Aber ist diese Geschichte wahr oder doch nur eine ausgeschmückte Legende? Handelt es sich bei dem heute auf Nanumea aufbewahrten Holzspeer tatsächlich um die Waffe des Insel-Ahnherrn Tefolaha? Die US-Forscherin Heather Lazrus besuchte vor einigen Jahren das Atoll, um dort soziologische und umweltkundliche Studien durchzuführen. Dabei erfuhr sie auch vom Speer Kaumaile und entschloss sich, seiner Herkunft nachzugehen.

Im ersten Schritt stellte Lazrus Kontakte zu einem neuseeländischen Labor her und ließ das Alter des Speers mit Hilfe der Radiocarbon-Methode bestimmen. Das Ergebnis: Das Holz für den Kaumaile wurde vor rund 880 Jahren gefällt – das passte gut zu den Erzählungen der Inselbewohner. Denn nach Angaben eines Dorfältesten sind nach Ankunft Tefolahas rund 23 Generationen vergangen.


Längsschnitt durch die Holzprobe des Speeres

Längsschnitt durch die Holzprobe des Speeres

Holzstruktur verrät Baumart und Herkunft


Doch woher kamen der Speer und der Urvater Tefolaha? Um das zu klären, kam im April 2014 das Thünen-Institut für Holzforschung in Hamburg ins Spiel. Die dortigen Experten sind in der Lage, praktisch jedes Holz in der Welt zu bestimmen, denn sie verfügen über eine über Jahrzehnte aufgebaute Holzsammlung von mehr als 12.000 Arten, die als Referenzmuster dienen.

Lazrus sandte daher einen Holzspan des Kaumaile-Speeres an Gerald Koch vom Thünen-Institut zur näheren Analyse. Dieser untersuchte das winzige Holzstückchen mit Hilfe verschiedener mikroskopischer Methoden. Anhand seiner Feinstruktur identifizierte er das Holz als Eisenholz (Casuarina equisetifolia). Diese Holzart kommt ursprünglich in Indien, Indochina, Australien, Polynesien und den Fidschi-Inseln vor, wurde aber auch in Samoa kultiviert – dort, wo der Held Tefolaha den Speer gebaut und in der Schlacht genutzt haben soll.

Ein echtes Relikt des heldenhaften Ahnen


Zusammen mit der Datierung bestätigen diese Ergebnisse, dass der alte Speer tatsächlich dem Ahnherrn der Bewohner von Nanumea gehört haben könnte. Mit dem Speer Kaumaile halten sie damit eine wertvolle Reliquie aus der Frühzeit der Besiedlung ihrer Insel in Händen. Woher Tefolaha allerdings genau stammte, ist bisher unklar. Theoretisch könnte auch dies an den Holzproben abgelesen werden. Dafür aber benötigen die Experten Holzproben heutiger Eisenholz-Bäume aus den verschiedenen pazifischen Standorten als genetische Referenz. Diese liegen derzeit jedoch noch nicht vor.

Schon jetzt sind die Ergebnisse aber ein spannendes Beispiel dafür, wie die international vernetzte Forschergemeinschaft mit naturwissenschaftlichen Methoden dazu beitragen kann, alte Überlieferungen über die menschlichen Besiedlungen und Wanderungsbewegungen auf ihren tatsächlichen Kern hin zu überprüfen.
(Thünen-Institut für Holzforschung, 14.05.2014 - NPO)
 
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