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Montag, 05.12.2016
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"Killerschwämme" in der Tiefsee entdeckt

Mini-Fanghaken verhelfen fleischfressenden Schwämmen zu ihrer Krebsbeute

Von wegen harmloser Badeschwamm: Im Pazifik haben Forscher vier neue Arten von fleischfressenden Schwämmen entdeckt. Mit winzigen Hakenbündeln fangen sie Kleinkrebse und verleiben sie sich ein. Diese für Schwämme ungewöhnliche Strategie hilft ihnen, in der nährstoffarmen Tiefsee zu überleben, wie die Forscher berichten. Die Neuentdeckungen belegen zudem, dass diese "Killerschwämme" weiter verbreitet sind als bisher gedacht.
Schwämme gelten gemeinhin als eher harmlose Tiere: Ihre von Hohlräumen durchsetzten Körper sitzen fest am Meeresgrund und bilden dort mal klassisch schwammförmige, mal eher toupetartige Gebilde. Auch ihre Ernährung ist eher unspektakulär: Die meisten von ihnen filtern organische Partikel und Mikroorganismen aus dem Wasser. Dafür nutzen sie sogenannte Choanozellen, Zellen mit Geißelanhängen, die ständig Wasser mitsamt dieser Nahrung in das Schwamminnere strudeln.

Dieses Video beschreibt die neu entdeckten Fleischfresser-Schwämme

Fleischfresser-Schwämme – nur eine Ausnahme?


Aber es geht auch anders, wie Meeresbiologen vor rund 20 Jahren entdeckten: Unter den vermeintlich so harmlosen Schwämmen verbergen sich auch einige wenige Fleischfresser: Sie lauern auf größer Beute wie kleine Krebse und Zooplankton, fangen sie ein und ziehen sie dann langsam aber unerbittlich in ihr Inneres, um sie dort zu verdauen. Von diesen "Killerschwämmen" waren bisher nur sieben Arten bekannt, alle aus dem Nordost-Pazifik. Sie galten daher als absolute Ausnahme-Erscheinung.

Jetzt haben Meeresbiologen um Lonny Lundsten vom Monterey Bay Aquarium Institute gleich vier neue Arten solcher fleischfressenden Schwämme entdeckt – verteilt entlang der Pazifikküste von Kalifornien bis hinauf nach Vancouver. Allen neuen Arten ist eines gemeinsam: Sie leben nicht im flachen Küstenbereich, wie die meisten ihrer Verwandten, sondern in der Tiefsee. Dort, wo nur noch wenig Nährstoffe im Wasser zu finden sind. "Nahrung ist in der Tiefsee nicht leicht zu bekommen", sagt Lundsten. "Deshalb fangen diese Schwämme größere Organismen wie Krebse, die eine höhere Nährstoffdichte haben."


Überrest eines Kleinkrebses, der sich in den Fanghaken eines Schwamm verfangen hat.

Überrest eines Kleinkrebses, der sich in den Fanghaken eines Schwamm verfangen hat.

Enterhaken im Mini-Format


Für den Fang haben diese Schwämme eine Art Enterhaken in Miniaturform ausgebildet, wie die Forscher erklären. Diese bilden haarähnliche Bündel, die die verzweigten Körper der Schwämme über und über bedecken. Gerät beispielsweise ein Flohkrebs in Kontakt mit diesen Haken, bleibt er hängen und kann sich nicht mehr befreien. Im Laufe von mehreren Stunden beginnt der Schwamm nun, das gefangene Tier zu umschließen und nach und nach zu verdauen. Nach einigen Tagen bleibt nur noch der leere Panzer übrig.

Tatsächlich fanden die Meeresbiologen an drei der vier neu entdeckten Schwammarten "Krebstiere in verschiedensten Stadien der Zersetzung", wie Lundsten berichtet. Zwei der neuen Arten, Cladorhiza caillieti und Cladorhiza evae, wurden in der Nähe von hydrothermalen Schloten entdeckt. Diese unterseeischen Geysire stoßen nährstoffreiches, warmes Wasser aus, das zahlreiche Bakterien, Muscheln und Krebstiere aus der ansonsten eher kargen Tiefsee-Umgebung anzieht. Für die fleischfressenden Schwämme bedeutet dies einen reich gedeckten Tisch.

Die neue Art Asbestopluma monticola lebt auf einem Untersee-Vulkan.

Die neue Art Asbestopluma monticola lebt auf einem Untersee-Vulkan.

Eine weitere Art, Asbestopluma monticola, fanden die Forscher bei Tauchgängen an einem erloschenen Unterseevulkan. Die vierte neue Art lebt in der Nähe von Methanaustritten weit vor der Küste von Südkalifornien. Auch dort haben sich im Laufe der Zeit Oasen des Lebens gebildet. Lundsten und seine Kollegen sind sich allerdings sicher, dass in den Tiefen der Meere noch weit mehr, bisher unbekannte fleischfressende Schwämme zu finden sind. (Zootaxa, 2014; doi: 10.11646/zootaxa.3786.2.1)
(MBARI, 15.04.2014 - NPO)
 
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