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Sonntag, 25.09.2016
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Grundlagenforschung als Wirtschaftsmotor

Staatliche Gelder für Unis rechnen sich: Sie bringen unmittelbare wirtschaftliche Vorteile

Von wegen teurer Elfenbeinturm: Grundlagenforschung in Universitäten und anderen Einrichtungen bringt nicht nur neue Erkenntnisse, sie hat auch direkte positive Effekte auf die Wirtschaft. Und dies sofort, nicht erst irgendwann in ferner Zukunft, wie Forscher jetzt vorrechnen. Forschung schafft demnach Arbeitsplätze, fördert aber auch direkt lokale und nationale Unternehmen, so die Forscher in "Science".
Grundlagenforschung bringt auch unmittelbare wirtschaftliche Vorteile

Grundlagenforschung bringt auch unmittelbare wirtschaftliche Vorteile

Wenn die Wirtschaft schwächelt und das Geld knapp wird, dann wird zuerst da gespart, wo es vermeintlich kaum weh tut. In Deutschland sind es meist die länderfinanzierten Universitäten, die sich heute steigenden Ausgaben und sinkender staatlicher Förderung gegenüberstehen. In den USA treffen die Budgetkürzungen immer wieder auch die Großen – die NASA, das USGS und andere renommierte Organisationen. Häufig steckt dahinter die Vorstellung, dass Grundlagenforschung eine Art Luxus ist: Etwas, das in vielen Jahren - vielleicht - Früchte trägt, aber kurzfristig nur Kosten verursacht.

Wie produktiv ist die Wissenschaft?


Bruce Weinberg, Wirtschaftswissenschaftler von der Ohio State University in Columbus und Mitglied am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn räumt nun mit diesem Vorurteil auf. Gemeinsam mit seinen Kollegen hat er untersucht, welchen unmittelbaren Einfluss Universitäten auf die Wirtschaft ausüben. "Diese Studie ist der erste Ansatz, den Nutzen staatlicher Investitionen in die Forschung zu beziffern", erklärt Weinberg. Die Produktivität der Wissenschaft sei zwar komplex, aber sie lasse sich zumindest in Teilen durchaus ermitteln.

Für ihre Studie werteten die Forscher Daten von neun staatlichen US-amerikanischen Universitäten aus. Diese erhielten im Jahr 2012 zusammen sieben Milliarden US-Dollar an Förderung für Forschung und Lehre, gut die Hälfte davon staatliche Gelder. Aus den Daten ging zudem hervor, wie viele Arbeitsplätze die Universitäten bereitstellten und auch welche Ausgaben für Geräte, Material und Zubehör sie in diesem Jahr hatten. So benötigen Forscher für ihre Arbeit alles Mögliche – von Reagenzgläsern bis zu Teleskopen und Computern, von Chemikalien bis zu Mäusen. Und dies muss irgendwo produziert und verkauft werden.


Geldsegen für kleine und mittlere Unternehmen


Wie sich zeigte, bringt Forschung auch ganz unabhängig von ihren Ergebnissen positive Effekte mit sich: "Forschung macht die Welt nicht nur durch ihre Erkenntnisse zu einem besseren Ort, sie bringt auch der Gesellschaft einen ganz konkreten Nutzen, wie unsere Daten zeigen", sagt Koautor Roy Weiss von der University of Chicago.

So flossen im Jahr 2012 von den sieben Universitäten immerhin eine Milliarde US-Dollar an US-Unternehmen. Rund 30 Prozent davon kamen dabei Firmen im lokalen und regionalen Umfeld zugute, der Rest wurde landesweit ausgegeben. "Wir waren überrascht, wie viel Geld dabei an kleine und mittlere Nischen-Unternehmen ging", sagen die Forscher. Das unterstreiche die wichtige Rolle, die Forschungseinrichtungen für diesen Bereich spielen.

Arbeitsplätze auf allen Ebenen


Und auch in punkto Arbeitsplätze sei die staatliche Forschungsförderung alles andere als eine Subvention von "Wohlfahrts-Diven in weißen Laborkitteln", wie die Wissenschaftler betonen. Weniger als einer von fünf Menschen, deren Job von staatlichen Geldern abhänge, sind demnach wohlbesoldete Fakultätsmitglieder und Professoren. Stattdessen handelt es sich meist um Doktoranden, Labormitarbeiter und andere hochqualifizierte Fachkräfte. Die Forschung bietet damit Arbeitsplätze in ganz unterschiedlichen Bereichen und für verschiedenste Ebenen des Könnens.

"Wissenschaft ist kompliziert, aber keine Magie. Es ist produktive Arbeit: Forscher beschäftigen Menschen und setzen Kapital um - und das führt unmittelbar zu wirtschaftlicher Aktivität", konstatieren Weinberg und seine Kollegen. Natürlich sei es nicht die Hauptaufgabe der Wissenschaftsförderung, Jobs zu schaffen oder die örtliche und nationale Wirtschaft anzukurbeln. Ihre Studie belege aber, dass die Grundlagenforschung trotzdem unmittelbare positive Effekte auf die Wirtschaft habe. Diese Tatsache sollten politische Entscheider begreifen und berücksichtigen, wenn sie wieder einmal über Budgetkürzungen in diesem vermeintlich wirtschaftlich unwichtigen Bereich diskutieren. (Science, 2014; doi: 10.1126/science.1250055)
(Science, 07.04.2014 - NPO)
 
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