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Sonntag, 25.09.2016
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Erdbeben in Chile: Keine Entwarnung

Entladung war nicht vollständig, weitere Starkbeben sind daher wahrscheinlich

Die Gefahr ist noch nicht vorbei: Nach dem schweren Erdbeben im Chile am 2. April warnen Geoforscher vor weiteren Starkbeben in dieser Region. Denn erste Untersuchungen zeigen, dass sich die Spannungen im Untergrund noch nicht vollständig durch Brüche des Gesteins entladen haben. Zwei Drittel der Risikozone stehen noch immer unter enormem Druck. Weitere Starkbeben der Magnituden 8 und mehr seien daher zu erwarten, warnen die Wissenschaftler.
Chile hat eine lange Geschichte von Beben.

Chile hat eine lange Geschichte von Beben.

Südamerikas Westküste ist eine Hochrisikozone für Erdbeben. Denn hier stößt die pazifische Nazca-Platte mit der Südamerikanischen Platte zusammen. „In einem untermeerischen Graben entlang der Küste taucht der Pazifikboden unter den Kontinent und baut dabei Spannung auf“, erklärt Onno Oncken vom GeoForschungsZentrum Potsdam GFZ. Wird die Spannung durch das miteinander verhakte Gestein zu groß, bricht es und ein Erdbeben ist die Folge: „Im Verlauf von rund 150 Jahren bricht dabei der gesamte Plattenrand vom Süden in Patagonien bis nach Panama im Norden mit großen Erdbeben einmal komplett durch.“

Beben in der seismischen Lücke


Der aktuelle Erdbeben-Zyklus war bis zum 02. April 2014 fast abgeschlossen – mit der entscheidenden Ausnahme: Westlich von Iquique in Nordchile saß das Gestein noch immer fest. Genau in dieser seismischen Lücke – der Zone lange fälliger Beben – ereignete sich am 02. April das stärkste Erdbeben dieser Region seit 1877. Erdstöße der Magnitude 8,1 erschütterten dabei das Küstengebiet, forderten sechs Todesopfer und lösten einen Tsunami aus. Die Wellen entlang der großräumig evakuierten chilenischen Küste waren zweieinhalb Meter hoch, in Japan wurden immerhin noch Wellenhöhen von 20 bis 60 Zentimetern registriert.

An der Plattengrenze staut sich im Laufe der Zeit Spannung auf (oben). Wird sie zu groß, bricht das Gestein und ein Beben ist die Folge.

An der Plattengrenze staut sich im Laufe der Zeit Spannung auf (oben). Wird sie zu groß, bricht das Gestein und ein Beben ist die Folge.

Seit dem Hauptstoß wurden hunderte Nachbeben registriert, das größte am 02. April (MESZ) mit Magnitude 7,6. Dieses Beben ereignete sich rund 100 Kilometer südlich vom Hauptbeben und bildet mit seinen Nachbeben einen zweiten Erdbebenherd.


Weiterhin unter Spannung


Erste Analysen der GFZ-Seismologen zeigen nun, dass trotz heftiger Nachbeben von einem Abbau der Spannung in der Erdkruste an dieser Stelle nicht die Rede sein kann: „Nur das mittlere Stück dieser Spannungszone hat sich entladen“, berichtet Oncken. Durch das Hauptbeben der Stärke 8,1 brach zwar das Mittelstück der seismischen Lücke auf einer Länge von rund 100 Kilometern, zwei große Segmente nördlich und südlich davon blieben aber intakt.

Von diesen nach wie vor unter Spannung stehenden Bereichen der Plattengrenze geht noch immer Gefahr aus, wie die Forscher warnen. Dort können weitere große Beben mit Tsunamigefahr entstehen. Oncken: „Das bedeutet, dass die Gefahr eines oder gar mehrerer Beben mit Magnituden deutlich über 8 nach wie vor noch besteht.“ Auch die Lage und Stärke der Nachbeben deutet auf eine solche Situation hin.

Seismische Lücke bei Iquique in Nordchile: Noch sidn große Teile der Plattengrenze unter Spannung.

Seismische Lücke bei Iquique in Nordchile: Noch sidn große Teile der Plattengrenze unter Spannung.

Feldeinsatz soll Risiko klären


Eine spezielle Einsatzgruppe des GeoForschungsZentrums, das HART (Hazard and Risk Team) wird nun zu weiteren Untersuchungen in das betroffene Gebiet reisen. Ziel des Einsatzes ist, anhand der Nachbeben weitere detaillierte Erkenntnisse des Bruchvorgangs zu gewinnen und die Bruchfläche anhand der Verteilung der Nachbeben genauer zu bestimmen.

Am Anfang der kommenden Woche fliegt das aus acht GFZ-Wissenschaftlern bestehende Team nach Chile. Sie bringen 25 portable Seismometer mit, die bestehende Observatoriumsnetz IPOC (Integrated Plate Boundary Observatory Chile) verdichten sollen. Zusammen mit GPS-Messungen soll dies dabei helfen, den Bebenherd genauer einzugrenzen und auch die Verformungen der Erdkruste in diesem Gebiet zu erfassen. Forscher des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Geomar in Kiel planen zudem, mittels Ozeanbodenseismometern die landgestützten seismischen Daten zu ergänzen.

„Wir gehen davon aus, dass diese Daten uns ermöglichen werden, den gesamten Bebenvorgang – von der Phase des Spannungsaufbaus über den eigentlichen Bruch bis in die postseismische Phase nachzuvollziehen“, erklärt GFZ-Seismologe Günter Asch. Daraus leitet sich Wissen über das Erdbebenrisiko nicht nur in diesem Teil der Welt ab.
(GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ), 04.04.2014 - NPO)
 
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