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Samstag, 21.01.2017
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Antistress-Programm für Atome

Überschüssige Energie wird an Nachbarn weitergegeben

Atome können Stress an andere Atome weitergeben. Im Vergleich zu Atomen, die ihr Dasein alleine fristen, haben Atome, die in einer Flüssigkeit oder einem Cluster vorkommen, einen gleichermaßen effizienten wie erstaunlichen Weg entwickelt, überschüssige Energie los zu werden: Sie reichen diese einfach an ihren Nachbarn weiter. Dies belegen Experimente eines Forscherteams am Bessy Synchrotron in Berlin.
Atome

Atome

Bereits 1997 hatten Wissenschaftler der Universität Heidelberg diesen Mechanismus postuliert, der nur dann auftritt, wenn Atome sich zu Gruppen zusammenschließen. Sobald ein angeregtes Teilchen sich in der Nähe von anderen Atomen befindet, führt der neuartige Abregungsmechanismus - in der Fachsprache als "Interatomic Coulombic Decay" bezeichnet - dazu, dass ein niederenergetisches Elektron von einem der Nachbaratome des ursprünglich angeregten Atoms emittiert wird.

Die Wissenschaftler konnten dies nun im Rahmen der Doktorarbeit von Till Jahnke an einem Neon Dimer, einem Paar durch eine Van-der-Waals-Bindung schwach zusammengehaltener Neonatome nachweisen. Wird ein Elektron eines der beiden Neonatome entfernt, so wird die so entstandene Vakanz durch ein anderes Elektron des gleichen Atoms aufgefüllt. Die hierbei freiwerdende Energie ist allerdings nicht ausreichend, um ein weiteres Elektron aus diesem Atom zu lösen. Stattdessen wird die Energie über eine Entfernung von mehr als sechs Atomradien an einen Nachbarn weitergeben. Dies führt dazu, dass dieser Nachbar eines seiner Elektronen emittiert.

Diese Entdeckung könnte weitreichende Konsequenzen auch für die Chemie und Biologie haben, da der Effekt in Systemen, in denen Wasserstoffbindungen vorherrschen, vermutlich oft auftritt. Außerdem könnte es sich dabei um eine wichtige, bisher unbekannte Quelle für Niederenergie-Elektronen handeln, die - wie kürzlich bekannt wurde- mitverantwortlich für das Auftreten von DNA-Schäden sind.


Die Wissenschaftler berichten über ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Physical Review Letters.
(idw - Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, 15.10.2004 - DLO)
 
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