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Mittwoch, 28.09.2016
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Intuition: Typisch weiblich oder doch männlich?

Privat vertrauen wir auf die weibliche, beruflich eher auf die männliche Intuition

Traditionell gesehen gilt die Intuition als typisch weiblich, die Vernunft eher als männlich. Doch existieren diese Vorurteile nach wie vor? Glauben die Deutschen immer noch, dass Frauen ein besseres Bauchgefühl haben als Männer? Diesen Fragen gingen deutsche Wissenschaftler nach und stellten fest: Im Privatleben vertrauen wir auf die weibliche Intuition, im Berufsleben weitaus weniger.
Was trauen wir unserer Intuition zu?

Was trauen wir unserer Intuition zu?

Ob privat oder beruflich, täglich treffen wir Entscheidungen. Mal ist dies reine Kopfsache und mal entscheiden wir ganz intuitiv aus dem Bauch heraus. Durch die sogenannte weibliche Intuition sollen Frauen ein ganz besonders zuverlässiges Bauchgefühl besitzen. Ist das so? Und wer traut wann eher seiner Intuition? Forscher vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin beleuchten in einer aktuellen Studie die Frage danach, wie die Deutschen die Intuition von Männern und Frauen heute einschätzen.

Von intuitiver Partnerwahl bis intuitiven Führungsqualitäten


Wer hat die bessere Intuition – Frauen, Männer, oder gibt es keinen Unterschied? Diese Frage stellten die Wissenschaftler insgesamt 1.016 deutschen Frauen und Männern. Bei dem Privatleben sind sich Frauen und Männer einig, stellten die Forscher fest: Geht es beispielsweise um die Wahl des richtigen Lebenspartners, so ist die Mehrzahl der Frauen überzeugt, dass sie die besseren Intuitionen haben. Die deutschen Männer stimmen ihnen hierbei zu. Lediglich 14 Prozent der Männer vertrauen ihren eigenen Intuitionen bei der Partnersuche.

Ganz anders sieht es jedoch zum Beispiel beim Aktienkauf an der Börse aus. Nur elf Prozent der Frauen denken, dass sie hier die besseren Intuitionen haben – und noch weniger Männer (neun Prozent) trauen ihnen das zu. Spiegeln diese Stereotype die Wirklichkeit wider? Am Aktienmarkt ist das keineswegs der Fall. Männer verfügen zwar meist über mehr Wissen, aber nicht über ein besseres Bauchgefühl: Vorangegangene Studien zeigten, dass Frauen gleich erfolgreiche oder sogar erfolgreichere Investitionen tätigten als Männern.


Geht es um die soziale Interaktion im Berufsleben, sind sich Frauen und Männer nicht mehr einig. Bei der Mitarbeiterführung etwa glauben die Männer mehr an ihre eigene Intuition als an die weibliche. Umgekehrt vertrauen die Frauen ebenfalls deutlich weniger auf die männliche Intuition und setzen eher auf ihre eigene. Die Mehrheit der Befragten unterscheidet bei diesem Punkt jedoch gar nicht zwischen den Geschlechtern: Im Zweifelsfall gilt einfach das eigene Bauchgefühl.

Aufgeklärter Umgang mit der Intuition steht noch aus


Die Forschergruppe um Gerd Gigerenzer wollte zudem wissen, ob sich die Einschätzungen der Deutschen mit der Zeit geändert haben. So warfen sie einen näheren Blick auf das Alter der Studienteilnehmer. Dass junge und ältere Deutsche die gleichen Vorurteile in Bezug auf die Intuition hatten, erstaunte die Wissenschaftler dabei sehr. „Dies weist darauf hin, dass wir von einem aufgeklärten Umgang mit Intuition noch weit entfernt sind. So gut wie jeder Manager und Arzt trifft ständig Bauchentscheidungen, aber man hat Angst, das öffentlich zu sagen. Intuition wird immer noch mit Willkür, einem sechsten Sinn, oder weiblicher Natur gleichgesetzt“, ordnet Gigerenzer die Ergebnisse ein.

Gibt es die gleichen Stereotype in anderen Ländern? In Kooperation mit der Universität von Granada in Spanien haben die Max-Planck-Forscher einen Ländervergleich angestellt. Die spanischen Frauen und Männer sahen dabei weniger Unterschiede zwischen den Geschlechtern als die Deutschen, insbesondere in Bereichen, die den Beruf betreffen. Und das, obwohl die Gleichstellung der Geschlechter in Deutschland angeblich einen höheren Stellenwert hat. „Die Spanier denken über Intuition weniger stereotyp als die Deutschen. Das hat uns aufgrund der traditionellen, eher konservativen Rolle der Frau in Spanien überrascht, die durch das Franco-Regime bis in die Mitte der 1970er Jahre geprägt wurde“, so Gigerenzer.

Fakt ist: Zwar sind im vermeintlich gleichgestellten Deutschland mehr Frauen berufstätig als in Spanien, jedoch dafür häufiger in Teilzeit. Gleichzeitig sitzen mehr Spanierinnen als deutsche Frauen in Top-Positionen. Stereotype über weibliche Intuition sind möglicherweise eine der Ursachen, warum wir in Deutschland relativ wenige Frauen in den Führungsspitzen der Wirtschaft und Wissenschaft haben, vermuten die Wissenschaftler. (Cross-Cultural Psychology, 2014; doi: 10.1177/0022022113487074)
(Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, 26.02.2014 - KEL)
 
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