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Mittwoch, 07.12.2016
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China: Export sorgt für Dicke Luft

Mit der billigen Produktion von Konsumgütern lagern wir auch Emissionen aus

China gilt weltweit als Feinstaub- und Smog-Produzent Nummer Eins. Aber verantwortlich dafür sind auch wir – die EU, die USA und andere Länder, die ihre Produkte billig in China produzieren lassen. Denn mit der Produktion lagern westliche Industrieländer auch ihre Emissionen aus. Wie Forscher jetzt ermittelten, gehen immerhin rund ein Drittel des Schwefeldioxids und der Stickoxide und fast 20 Prozent des von China emittierten Rußes allein auf Kosten von Exportwaren.
Smog über China

Smog über China

Smog und Staub aus chinesischen Industrieanlagen und Kohlekraftwerken bilden eine Dunstglocke, die nicht nur Ostasien überdeckt, sondern oft auch bis nach Nordamerika geweht wird. An manchen Tagen stammen ein Viertel der an der US-Westküste gemessenen Schwefelgase aus China, wie Jintai Lin von der Universität Peking und seine Kollegen berichten. Erstaunlich ist das nicht: Immerhin hat Chinas Wirtschaft in den letzten gut zehn Jahren einen enormen Aufschwung erlebt. Billige Arbeiter und kaum restriktive Auflagen bescherten vor allem der Produktion von Technik und anderen Gütern für den Export einen Zuwachs um 390 Prozent allein zwischen 200 und 2007.

Für die Umwelt blieb dies nicht ohne Folgen. Weil die Energie für die Industrien vor allem aus veralteten Kohlekraftwerken stammt und Abgase von Fabriken und Kraftwerken bisher kaum genügend gefiltert werden, stieg der Ausstoß von Luftschadstoffen enorm. "Die steigenden Emissionen in China sind der Hauptgrund dafür, dass die Konzentrationen an Luftschadstoffen weltweit auf hohem Niveau geblieben sind, obwohl der Ausstoß in den USA, Europa und Japan gesunken sind", erklären die Forscher.

Anteil der Exportproduktion an den Ruß-Emissionen Chinas - je röter, desto höher.

Anteil der Exportproduktion an den Ruß-Emissionen Chinas - je röter, desto höher.

Ein Drittel geht auf das Konto des Exports


Aber man müsse dabei bedenken, dass der weltweite Handel und die Praxis, die Produktion von Konsumgütern in Schwellenländer wie China auszulagern, Teil des Problems sei. Denn ein Großteil unserer Handys, Fernseher, Kleidungsstücke und anderer Konsumprodukte stammen heute längst aus Ostasien. Wie viele Luftschadstoffe die Produktion unserer Konsumgüter in China verursacht, haben Lin und seine Kollegen nun erstmals genauer aufgeschlüsselt.


Ihr Ergebnis: Rund 36 Prozent des Schwefeldioxids und 27 Prozent der Stickoxide, die allein im Jahr 2006 in China emittiert wurden, gehen auf das Konto von Exportgütern. Und auch 17 Prozent Ruß und Feinstaub sind exportbedingt. "Wenn man alle Emissionen den Ländern zuordnen würde, wo die Güter konsumiert werden, dann hätten einige Handelspartner Chinas deutlich schlechtere Emissions-Bilanzen", konstatieren die Forscher. Allein für die USA würde dies den Ausstoß von Luftschadstoffen um 6 bis 19 Prozent erhöhen. Und auch die EU hätte deutliche Zunahmen zu verzeichnen.

Der Anteil der Exportproduktion an den Schwefeldioxid-Emissionen liegt teilweise bei mehr als einem Drittel.

Der Anteil der Exportproduktion an den Schwefeldioxid-Emissionen liegt teilweise bei mehr als einem Drittel.

Verantwortung übernehmen


"Wir haben einen Großteil unserer Fertigung und unserer Luftverschmutzung ausgelagert", sagt Koautor Steve Davis von der University of California in Irvine. "Wenn wir uns darüber beklagen, dass China die Luft auch anderer Länder verschmutzt, sollten wir sehr genau hinschauen, wer die Schuld trägt." Denn selbst aus China in die USA gewehten Abgase sind zumindest zum Teil indirekt selbstgemacht. So verdankt beispielsweise Los Angeles mindestens einen Smog-Tag pro Jahr allein den Emissionen, die in China durch Güter für den US-Markt erzeugt wurden.

Das müsse auch bei Verhandlungen berücksichtigt werden, in denen darum geht, die überregionale Luftverschmutzung zu verringern. Nach Ansicht der Wissenschaftler stehen auch die Abnehmer der Exportgüter in der Pflicht, China bei Verbesserungen der Umweltstandards und technischen Effizienz ihrer Anlagen zu helfen. "Selbst wenn man solche Maßnahmen nur in den Fabriken durchführen würde, die für den Export produzieren, würde dies die Luftqualität in China und den angrenzenden Regionen signifikant verbessern", so Lin und seine Kollegen. (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2014, doi: 10.1073/pnas.1312860111)
(PNAS, 21.01.2014 - NPO)
 
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