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Donnerstag, 29.09.2016
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Starb Alexander der Große an Pflanzengift?

Forscher halten Vergiftung mit Alkaloid aus dem Weißen Germer für wahrscheinlich

Am 10. Juni 323 vor Christus starb einer der größten Eroberer der Antike an einem geheimnisvollen Fieber – Alexander der Große. Bis heute ist unklar, was den makedonischen König dahinraffte. Neuseeländische Forscher haben nun eine neue Theorie: Sollte er vergiftet worden sein, passen die überlieferten Symptome am ehesten zum Gift des Weißen Germer, einer von den Griechen oft als Brechmittel eingesetzten Pflanze.
Alexander der Große - sein Tod ist noch immer rätselhaft.

Alexander der Große - sein Tod ist noch immer rätselhaft.

Der Tod von Alexander dem Großen mit knapp 33 Jahren gibt bis heute Rätsel auf. Nach einem großen Saufgelage am Vorabend soll er plötzlich Fieber bekommen haben, dass sich im Laufe mehrerer Tage immer weiter verstärkte und ihn schließlich so stark schwächte, dass er nicht mehr laufen konnte. Er soll zudem unter Erbrechen, Bauchschmerzen und Halluzinationen gelitten haben, bis er dann schließlich starb.

Was zu seinem Tod führte, darüber gibt es unzählige Hypothesen – von einer Alkoholvergiftung über Typhus, eine Parasitenerkrankung bis hin zu Malaria, wie Leo Schep von der University of Otago in Neuseeland und seine Kollegen erklären.

So stellte man sich im 19. Jh. den Leichenzug Alexanders des Großen vor.

So stellte man sich im 19. Jh. den Leichenzug Alexanders des Großen vor.

Aufschrei nach einem Becher Wein


Aber auch eine andere Vermutung macht seit gut 2.000 Jahren die Runde: Alexander der Große könnte vergiftet worden sein. Einige Quellen berichten, der König habe nach Genuss eines Bechers Wein aufgeschrien, weil ihm ein stechender Schmerz durch die Eingeweide gefahren sei. Von da an sei es bergab gegangen. Plausibel wäre es, denn Feinde hatte Alexander der Große zu diesem Zeitpunkt genug – auch im eigenen Lager.


Aber wenn es tatsächlich Gift war, dann welches? "Ohne eine Leiche werden wir das nie endgültig klären können", sagt Schep. Man könne daher nur anhand der überlieferten Symptome auf die mögliche Todesursache schließen. Denn Alexanders Grab und Körper sind bis heute nie gefunden worden. Für ihre Studie haben Schep und seine Kollegen systematisch das Vergiftungs-Szenario geprüft. Sie untersuchten, welche Gifte die Symptome ausgelöst haben könnten und welche in Alexanders Umfeld verfügbar waren.

Erst Schmerzen, dann allmähliche Lähmung


Ihr Ergebnis: "Von allen untersuchten chemischen und botanischen Giften glauben wir, dass die Alkaloide aus dem Weißen Germer (Veratrum album) am ehesten dazu fähig waren, Alexander im Laufe der zwölf Tage seiner Krankheit zu töten und dabei die beschrieben Symptome auszulösen", so die Forscher. Denn Strychnin oder Arsen hätten viel schneller gewirkt und nicht ein so tagelanges Siechtum ausgelöst. Das Gift des Weißen Germers löst dagegen sehr schnell heftige Bauchschmerzen aus, gefolgt häufig von Übelkeit und Erbrechen.

Der Weiße Germer (Veratrum album) war in der Antike bereits als Brechmittel bekannt.

Der Weiße Germer (Veratrum album) war in der Antike bereits als Brechmittel bekannt.

Nach dieser ersten Phase setzt dann die Wirkung des Gifts auf die Nerven ein, wie die Forscher erklären: Das Alkaloid blockiert wichtige Ionenkanäle in den Nervenzellen und führt zu zunehmender Muskelschwäche bis hin zu Lähmungen. Auch der Herzmuskel ist betroffen, der Herzschlag verlangsamt sich und der Blutdruck sinkt stark ab. "Alexander litt während seiner Krankheit unter sehr ähnlichen Symptomen", sagen Schep und seine Kollegen. Und auch der längere Zeitraum bis zu seinem Tode passt ins Bild, ähnlich lange würde es dauern, wenn er eine eher geringe Dosis erhalten hätte.

Leicht in den Wein gemischt


Auch die Verabreichung dieses Pflanzengifts wäre verhältnismäßig einfach gewesen: Der Weiße Germer war in der Antike sehr bekannt, bei den Griechen wurde ein stark verdünnter, fermentierter Extrakt dieser Pflanze sogar als Brechmittel eingesetzt. Es sei daher naheliegend, dass diese Pflanze oder ihr Extrakt auch in Alexanders Tross mitgeführt wurde, so die Forscher. Das Gift hätte in bitterem Wein gelöst fermentiert werden können. Der Täter musste dann nur ein wenig davon in den für Alexander bestimmten Becher mit Tafelwein mischen.

"Wenn Alexander der Große vergiftet wurde, dann ist Veratrum album verglichen mit anderen möglichen Toxinen die wahrscheinlichste Ursache", konstatieren Schep und seine Kollegen. Ob das allerdings tatsächlich der Fall war, wird wohl bis auf weiteres eine Theorie bleiben – eine der vielen, die seit gut 2.000 Jahren kursieren. (Clinical Toxicology, 2014; doi: 10.3109/15563650.2013.870341)
(phys.org / Clinical Toxicology, 17.01.2014 - NPO)
 
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