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Sonntag, 11.12.2016
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Klimawandel verlagert Skisaison nach hinten

Nur ein bis zwei Skigebiete der deutschen Alpen werden überleben

Schnee zu Ostern statt an Weihnachten: Die Schneesaison in den Alpen wird sich künftig nach hinten verschieben. Und insgesamt weniger schneien wird es dank Klimawandel auch. Langfristig werden daher nur ein oder zwei Skigebiete in Deutschland übrig bleiben, darunter wohl Garmisch-Partenkirchen. Das haben deutsche Forscher jetzt in einer neuen Studie festgestellt. Die Tourismusmanager in den Wintersportgebieten müssen umdenken.
Skifahren bei reichlich Schnee und blauem himmel - bald die Ausnahme in Deutschland.

Skifahren bei reichlich Schnee und blauem himmel - bald die Ausnahme in Deutschland.

Sonnenschein auf verschneiten Pisten – so sieht für viele ein perfekter Skitag aus. Aber wie häufig wird es solche Tage in Zukunft noch in den Skigebieten Deutschlands geben? Jürgen Schmude von der Ludwig-Maximilians-Universität München und seine Kollegin Anja Berghammer haben dies nun untersucht. Dafür definitierten sie zunächst den "perfekten Skitag" als Parameter, der die Zufriedenheit von Ski-Touristen und damit den wirtschaftlichen Erfolg eines Skigebiets beschreibt.

„An einem optimalen Skitag, gibt es keinen Niederschlag, die Sonne scheint mindestens fünf Stunden und die gefühlte Temperatur liegt zwischen minus fünf und plus fünf Grad, erklärt Schmude. "Wichtig ist auch ein eher psychologischer Aspekt: Dass die Skipiste kein weißes Band in grüner Landschaft ist." Die beiden Wissenschaftler wendeten dann sechs verschiedene Klimamodelle an, um die Häufigkeit solcher Tage und damit auch die Zukunft der deutschen Skigebiete bis zum Jahr 2060 vorherzusagen. Die Modelle variieren bezüglich des vorhergesagten Temperaturanstiegs und der Veränderungen der Niederschläge und bilden so ein breites Spektrum der möglichen zukünftigen Klimaentwicklung ab.

Zukünftig die beste Skizeit: Ostern


Wie die Modellrechnung zeigt, wird es künftig immer weniger ideale Skitage in Deutschland geben und sie werden sich zeitlich verschieben: „Im Augenblick liegt das Maximum der optimalen Skitage im Dezember und Januar. Dies wird sich über die 2020er- bis 2030er-Jahre in Richtung Ostern verschieben", sagt Schmude. "Wir haben das den 'Christmas-Easter-Shift' genannt: Es gibt dann keine weißen Weihnachten mehr, sondern die optimalen Skitage treten eher im März und April auf."


Der Grund für diese Verschiebung ist eine andere Niederschlagsverteilung: Insgesamt wird es trockener und besonders im Dezember wird es künftig eher regnen als schneien. Außerdem kommt auch der Frost später, so dass sich die kalte Saison verschiebt. „Diese Veränderungen bedeuten für touristische Einrichtungen einen Paradigmenwechsel: Man kann nicht mehr weiße Weihnachten vermarkten, sondern man muss sich darum kümmern, dass die Gäste an Ostern noch Lust haben zum Skifahren“, sagt Schmude, „dies erfordert neue Marketingstrategien“.

Nur zwei bleiben übrig


Insgesamt gehen die Wissenschaftler davon aus, dass kleine, niedrig gelegene Skigebiete aus dem Markt ausscheiden werden. „Die meisten deutschen Skigebiete liegen langfristig nicht hoch genug. Wenn wir unsere Modellierungen betrachten, werden wir bis 2050 voraussichtlich noch ein bis zwei deutsche Skigebiete haben", so Schmude. Garmisch-Partenkirchen wird wohl zu diesen gehören. Er geht davon aus, dass die kleinen, niedriger gelegenen Skigebiete nicht in der Lage sein werden, auf Dauer die immensen finanziellen Investitionen zu tragen, die notwendig wären, um für ausreichend Kunstschnee zu sorgen.

Nach Ansicht der Forscher sollten der Skitourismus daher in Zukunft vor allem in solchen Regionen gefördert werden, die bereits jetzt die vorteilhaftesten Bedingungen aufweisen – also vor allem in den hoch gelegenen Gebieten. Der restliche deutsche Alpenraum wird sich dagegen weitgehend vom Wintersport verabschieden müssen. Er sollte schon jetzt damit beginnen, die Abhängigkeit von der Schneelage zurückzufahren, indem alternative Konzepte für den Tourismus entwickelt werden und das Angebot diversifiziert wird. (Tourism Economics, 2014; doi: 10.5367/te.2013.0272)
(Ludwig-Maximilians-Universität München, 10.01.2014 - NPO)
 
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