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Dienstag, 06.12.2016
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Lebensmittel: Wer wirft was weg?

Einkommen, Familienstand und Wohnsituation beeinflussen, welche Lebensmittel im Müll landen

Dass wir zu viele Lebensmittel wegwerfen ist nichts Neues. Jetzt aber haben Forscher genauer untersucht, wer was am häufigsten in den Müll entsorgt. Ihr Ergebnis: Häuslebauer werfen weniger weg als Menschen in Wohnungen, Reiche entsorgen viele Fertigprodukte, Arme eher Obst und Gemüse. Bei allen aber wären die Hälfte der weggeworfenen Lebensmittel noch verzehrfähig gewesen.
Viele verpackte Produkte landen im Müll, obwohl sie noch gut sind.

Viele verpackte Produkte landen im Müll, obwohl sie noch gut sind.

Frische Pfirsiche im Winter? Exotische Gewürze für das Thai-Curry? In einem gut sortierten Supermarkt bleiben in punkto Lebensmittelangebot kaum noch Wünsche offen. Vorteilhafte Beleuchtung, die Frischwaren besonders appetitlich aussehen lässt, ansprechende Verpackungen und Aktionsangebote sollen die Kauflaune des Kunden dabei zusätzlich stimulieren. Doch der konsumorientierte Umgang mit Lebensmitteln hat auch negative Folgen: Viele Produkte landen im Müll, obwohl sie noch genießbar sind - sowohl im Supermarkt als auch beim Verbraucher. Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit ein Drittel der produzierten Lebensmittel entsorgt wird, ohne konsumiert zu werden – vor allem in den reichen Industrieländern.

Doch warum landen eigentlich so viele Lebensmittel im Müll? Forscher der Fraunhofer-Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS in Alzenau und der Universität Gießen haben sich auf der Suche nach einer Antwort buchstäblich im Müll gewühlt: "In einer Studie haben wir insgesamt fünf Tonnen Restmüll auf seine tierischen oder pflanzlichen Anteile untersucht, um herauszufinden, welche Produkte besonders häufig entsorgt werden", erläutert Projektleiterin Frances Vaak von der Projektgruppe IWKS. Die Ergebnisse sollen als Basis dienen, um mögliche Ursachen für diese Lebensmittelverschwendung ausfindig zu machen.

Die meisten Abfälle wären noch verzehrfähig


Bei einer ersten Sortierung des Restmülls entfielen 30 Gewichtsprozent auf biogenes Material – dazu zählen jedoch nicht nur Lebensmittel, sondern auch Grünschnitt. Die Hälfte dieser Abfälle jedoch waren Nahrungsmittel, die zum Zeitpunkt der Entsorgung noch verzehrfähig waren - sie hätten noch aufbewahrt und verarbeitet werden können. Wie sich zeigte, wird mit einem Anteil von 28 Gewichtsprozent am häufigsten Obst- und Gemüse weggeworfen, gefolgt von Backwaren mit 20 Prozent. Eine naheliegende Erklärung dafür ist die relativ kurze Haltbarkeit dieser Produktgruppen.


Ebenfalls leicht verderbliche Fleisch und Wurstwaren sowie Milchprodukte jeweils rund zehn Gewichtsprozent aus. 14 Gewichtsprozent entfallen auf zubereitete Speisen und Tellerreste. Der übrige Anteil verteilt sich auf Süßwaren, Getränke und sonstige, nicht eindeutig klassifizierbare Bestandteile.

Reiche entsorgen mehr Fertigprodukte, Arme eher Obst


Die Forscher machten aber noch eine weitere interessante Entdeckung: Wie sich der Müll zusammensetzt, hängt stark von der Wohn- und Lebenssituation ab. So werden etwa in Einfamilienhäusern grundsätzlich weniger Lebensmittel über den Restmüll entsorgt als beispielsweise in Mehrfamilienhäusern oder Wohnblöcken. Dies deutet auf einen bewussteren Umgang mit Nahrungsmitteln sowie ein besseres Sortierungsverhalten hin, so die Vermutung der Forscher.

Und während in Wohngegenden mit überwiegend gut situiertem Publikum eher teurere Fertigprodukte im Müll landen, ist in ärmeren Haushalten der Anteil an Obst oder Gemüse höher. Nicht zuletzt die Lebensform beeinflusst das Wegwerf-Verhalten: Familien entsorgen tendenziell eher Obst und Gemüse, bei Single-Haushalten ist der Anteil an Fertiggerichten höher. Quer durch alle untersuchten Haushalte fanden sich zudem auffällig viele noch geschlossene Produkte im Restmüll.

Ansatzpunkte, um den Lebensmittelanteil im Müll einzudämmen, sehen die Forscher vor allem in einer besseren Verbraucherinformation zu richtiger Lagerung von Frischprodukten und zur Bedeutung des Mindesthaltbarkeitsdatums. Ihrer Ansicht nach können aber auch Hersteller können einen wesentlichen Beitrag leisten, um Lebensmittelabfälle zu minimieren, beispielsweise indem sie Herstellungs- und Wertschöpfungskette optimieren.
(Fraunhofer-Gesellschaft, 07.01.2014 - NPO)
 
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