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Dienstag, 17.10.2017
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Kinder haben Gift im Blut

Familienstudie: Chemikalienkonzentration höher als bei den Eltern

Eine Studie der Umweltschutzorganisation WWF zeigt erstmals, dass Kinder oft mehr Chemikalien oder eine höhere Konzentration bestimmter, neuerer Chemikalien wie bromierte Flammschutzmittel und perfluorierte Chemikalien im Blut haben als ihre Eltern und Großmütter. Dies ist nach Ansicht des WWF vor allem deshalb beunruhigend, weil es sich dabei um Chemikalien handelt, die im Körper und in der Umwelt äußerst langsam abgebaut werden und sich daher im Laufe eines Lebens stetig im Organismus zu höheren Konzentrationen anreichern.
Baby

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Die Studie wirft die Frage auf, ob Kinder sowie künftige Generationen während ihres Lebens um ein Vielfaches mit potenziell krebserregenden, das Hormonsystem beeinflussenden oder die Gehirnleistung beeinträchtigenden Chemikalien belastet sein werden als die heute über 30 Jährigen.

Die nach Meinung des WWF alarmierenden Ergebnisse der Bluttests, bei denen 33 Menschen zwischen neun und 88 Jahren aus sieben Familien in England, Schottland und Wales auf 104 künstlich erzeugte Chemikalien untersucht wurden, finden sich in dem Report: "Contaminated: the next generation." Von den untersuchten Substanzen wurden 80 in den Blutproben der Probanden gefunden. Insgesamt 75 verschiedene Chemikalien fanden sich im Blut der Kinder, 75 bei deren Eltern und 56 bei den Großmüttern.

Aus der Generationen übergreifenden Studie geht zudem hervor, dass Kinder schon im Alter von neun Jahren nicht nur einen Cocktail bedenklicher Chemikalien im Blut haben, sondern dies bereits auch in höheren Konzentrationen als ältere Generationen. Darunter befinden sich Substanzen wie Perfluoroktansäure (PFOA), die im Juli in Deutschland für Schlagzeilen gesorgt hat, weil der US- Herstellerfirma DuPont wegen verheimlichter Daten zu diesem Stoff ein Bußgeld von bis zu 250 Millionen Dollar droht.


Zeit für eine neue Chemikalienpolitik?


"Diese Resultate sind erschreckender Beweis dafür, dass es höchste Zeit wird für eine starke EU-Chemikalienreform", sagt Ninja Reineke, WWF-Chemikalienexpertin. "Chemikalien wie bromierte Flammschutzmittel, die immer noch in Alltagsprodukten wie Möbeln und Fernsehern vorkommen, sowie perfluorierte Chemikalien, die beispielsweise in Antihaft-Pfannen stecken, müssen durch sicherere Alternativen ersetzt und aus dem Verkehr gezogen werden."

82 Prozent der untersuchten Menschen hatten mindestens eine perfluorierte Chemikalie im Blut. DEHP, ein Weichmacher, wurde in über drei Viertel der Testpersonen gefunden, darunter auch bei Kindern. Es steht unter Verdacht, das Hormonsystem zu stören und findet in PVC-Böden, Lebensmittelverpackungen, Kosmetika und Hygieneartikeln Verwendung. Chemikalien wie PCB und DDE, ein Spaltprodukt von DDT, wurde im Blut aller Studienteilnehmer gefunden, obwohl diese Substanzen in Großbritannien (und Deutschland) bereits mindestens ein Jahrzehnt vor der Geburt der Kinder verboten worden sind. Deca-BDE, ein bromiertes Flammschutzmittel, wurde bei sieben Personen gefunden, in der Mehrheit handelte es sich um Kinder.
(ots, WWF, 11.10.2004 - DLO)
 
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