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Dienstag, 28.06.2016
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Rohstoff Antimon könnte bald knapp werden

Deutsche Experten warnen vor kommenden Lieferengpässsen

Das Halbmetall Antimon ist weltweit begehrt. Es wird für Legierungen und Zukunftstechnologien gebraucht. Doch das Angebot ist knapp: Wie die Deutsche Rohstoffagentur berichtet, könnte die Versorgung mit Antimon schon in wenigen Jahren knapp und teuer werden. Das Problem: Deutschland ist bei diesem Rohstoff komplett auf Importe angewiesen.
Begehrter Rohstoff Antimon

Begehrter Rohstoff Antimon

Das Halbmetall Antimon wurde schon vor Jahrtausenden von den Chinesen und Babyloniern gewonnen und eingesetzt. Sie nutzten beispielsweise einige Antimon-Verbindungen als Beimischung zu Kupfer bei der Bronzeherstellung. Heute wird Antimon meist als Bestandteil von Legierungen verwendet. Es dient als Härtungsmittel in Blei und Zinnlegierungen, kommt aber auch in Halbleitern, Flammschutzmitteln und als Katalysator in der Produktion von PET-Kunststoffen vor.

Weil Antimon für viele wichtige Prozesse und Produkte benötigt wird, zählt das Halbmetall seit dem Jahr 2010 zu den 14 von der EU als kritisch eingestuften Rohstoffen. Die Nachfrage steigt weltweit stark an. Allein zwischen 2001 und 2011 stieg der Gesamtverbrauch von Antimon von etwa 136.200 Tonnen um rund 52 Prozent auf 206.600 Tonne an. Auch die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) stuft das Halbmetall als potenziell kritischen Rohstoff ein. Denn Deutschland ist bei Antimonkonzentraten, Antimonmetallen und Antimontrioxid vollständig auf Importe angewiesen.

Das Monopol hat China


Antimon wird nicht an der Börse gehandelt, vielmehr werden die Preise zwischen Produzenten, Händlern und Endverbrauchern ausgehandelt. Größter Lieferant weltweit ist China: 74 Prozent des Antimons stammen von dort. China ist zudem auch weltgrößter Produzent von Antimonmetall und Antimontrioxid, den beiden wichtigsten Ausgangsprodukten der weiterverarbeitenden Industrie. Obwohl Antimontrioxid auch in Europa und den USA hergestellt wird, sind diese Produzenten zu großen Teilen auf Metallimporte aus China angewiesen.


Das Problem: China hat zwar fast das Monopol, wird seine Lieferungen aber trotz steigender Nachfrage vermutlich kaum erhöhen. Nach offiziellen chinesischen Angaben wird unter anderem die Förderung im größten chinesischen Bergwerk in den nächsten Jahren aufgrund schwindender Ressourcen kontinuierlich sinken. Zudem verbraucht das Land selbst zunehmend mehr von diesem Rohstoff, so dass weniger für den Export übrig bleibt.

Die Rückgewinnung von Antimon kann nur einen sehr geringen Teil des Bedarfs decken. 2011 wurden weltweit rund 38.000 Tonnen des Rohstoffs aus Recycling gehandelt. Das Recycling beschränkt sich dabei auf die Rückgewinnung antimonhaltiger Bleilegierungen beispielsweise aus Blei-Säure-Batterien. Eine Rückgewinnung aus Kunststoffen oder Flammschutzmitteln ist derzeit nicht wirtschaftlich, wie die Rohstoffexperten erklären.

Ab 2017 könnten Versorgungs-Engpässe drohen


Experten der Deutschen Rohstoff-Agentur haben die aktuelle Versorgungslage sowie Risiken der zukünftigen Versorgung mit Antimon für den Zeitraum bis 2016 in einer Studie untersucht. Das Ergebnis: Der Antimonmarkt wird demnach auch in den nächsten fünf Jahren angespannt bleiben. Die berechneten Szenarien zeigen, dass bis 2017 mit einem Angebotsdefizit zu rechnen ist und damit akute Preis- und Lieferrisiken bei diesem Rohstoff bestehen. "Unsere Risikostudie zeigt deutlich, dass eine kurzfristige Entspannung auf dem Antimonmarkt nicht in Sicht ist“, sagt der Leiter der Deutschen Rohstoffagentur, Peter Buchholz.

„Aufgrund der kritischen Marktlage sollten deutsche Unternehmen, die Antimon verarbeiten oder auf antimonhaltige Produkte angewiesen sind, den Markt intensiv beobachten und geeignete Ausweichstrategien gegen eventuelle Lieferengpässe und Preissteigerungen entwickeln", empfiehlt Buchholz. Eine gute Kooperation mit chinesischen Anbietern bleibe dabei unausweichlich. Gleichzeitig sei es aber notwendig, auf möglichst unterschiedliche Lieferquellen zurückzugreifen und neue Lieferantenbeziehungen aufzubauen.
(Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), 15.11.2013 - NPO)