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Donnerstag, 08.12.2016
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Satellit GOCE ist verglüht

Nach vier Jahren stürzte der Satellit heute Nacht planmäßig und folgenlos ab

Entwarnung: Nachdem wochenlang nicht klar war, wo der ESA-Satellit GOCE abstürzen wird, ist dies in der Nacht zum Montag, 11. November, nun geschehen. Er trat in die Atmosphäre ein und verglühte, während seine Reste über Sibirien, den Pazifik, den Indischen Ozean und schließlich die Antarktis hinwegrasten. Es wurden keine Schäden durch Trümmerteile gemeldet, teilte die ESA heute früh mit.
GOCE

GOCE

Die ESA-Mission GOCE hat in den letzten vier Jahren hochgenaue Daten über das Gravitationsfeld der Erde geliefert. Dafür umkreiste der Satellit die Erde in einer vergleichsweise niedrigen Bahnhöhe von nur 260 Kilometern – das ist die mit Abstand niedrigste Umlaufbahn, auf der ein Forschungssatellit bisher operativ war. Der Grund für die Nähe zur Erde ist einfach: Mit zunehmendem Abstand von der Erde nimmt nicht nur die Gravitation ab, sondern es verblassen auch die Details des Gravitationsfeldes, die GOCE aber so exakt wie möglich messen sollte.

Das aber bringt Nachteile mit sich: In dieser Bahnhöhe spürte GOCE trotz seiner aerodynamischen Form noch immer einen geringen Luftwiderstand. Dies bremste den Satelliten ab und ließ in allmählich absinken. Um den Erderkundungs-Satelliten in seiner Bahn zu halten, musste er mit seinem Ionenstrahlantrieb in regelmäßigen Abständen angeschoben werden.

Ein Viertel der Trümmer erreichte den Boden


Nach knapp vierjähriger Betriebszeit ging dem GOCE-Satelliten dann am 21. Oktober dann der Treibstoff aus. Seither sank die rund eine Tonne schwere Sonde allmählich immer tiefer und trat heute Nacht gegen Mitternacht endgültig in die Erdatmosphäre ein. Wie die ESA meldet, brach der Satellit bereits in der oberen Atmosphäre auseinander, ein Großteil seiner Komponenten verglühte dabei. Rund ein Viertel der Trümmerteile aber erreichte die Erdoberfläche.


Dichte von größerem Weltraumschrott im erdnahen Orbit

Dichte von größerem Weltraumschrott im erdnahen Orbit

Der Absturz der gut 200 Kilogramm verbleibender Satellitentrümmer blieb folgenlos. Denn seine Flugbahn führte GOCE fast nur über unbesiedeltes Gebiet: Er raste in nordöstliche Richtung zunächst über Sibirien und den Westpazifik hinweg. Dann weiter über den östlichen Indischen Ozean bis über die Antarktis, so die ESA. Weltraumschrott-Überwachungseinrichtungen der ESA und internationaler Kooperationspartner verfolgten den Wiedereintritt und Absturz des Satelliten auf das Genaueste.

"Der eine Tonn schwere Satellit GOCE ist nur ein winziger Bruchteil der rund 100 bis 150 Tonnen an menschengemachten Weltraumobjekten, die jedes Jahr in die Atmosphäre der Erde stürzen", erklärt Heiner Klinkrad, Leiter des Büros für Weltraumschrott der ESA. "In den 56 Jahren der Raumfahrt sind rund 15.000 Tonnen solcher Objekte in die Atmosphäre wiedereingetreten ohne dass auch nur ein einziger Mensch verletzt wurde." Weltraumschrott ist jedoch eine Gefahr vor allem für die noch im Orbit kreisenden Satelliten und Sonden. Unter anderem deshalb werden größere Trümmerteile und ihre FLugbahn ständig überwacht.

Der "Ferrari im All": Schwerefeld-Satzellit GOCE im Orbit

Der "Ferrari im All": Schwerefeld-Satzellit GOCE im Orbit

Ende für den "Ferrari des Weltraums"


Vor seinem planmäßigen Absturz hatte GOCE bereits drei Mal länger Daten zum Schwerefeld der Erde geliefert als ursprünglich vorgesehen. „Ferrari des Weltraums“ wurde er wegen seiner für Satelliten ungewöhnlich eleganten, aerodynamischen Form genannt. Mehr als 27.000-mal hat er die Erde umrundet und dabei wertvolle Daten für die genaue Bestimmung des Erdgravitationsfeldes und des „Geoids“ als mathematischer Erdfigur geliefert. An Bord von GOCE befand sich ein Präzisionsinstrument zur Messung des Erdschwerefelds in drei Dimensionen, ein sogenanntes Gravitations-Gradiometer, mit dem hunderte Millionen Messungen des Gravitationsfeldes der Erde mit bisher unerreichter Genauigkeit getätigt werden konnten.

GOCE wurde außerdem völlig unerwartet zum ersten Seismometer im All, als seine hochempfindlichen Sensoren sogar Schallwellen des Tiefseebebens detektiert haben, das Japan am 11. März 2011 schwer getroffen hat. Etwa zwei Wochen nachdem sein Treibstoff zur Neige gegangen war, trat der fünf Meter lange und rund eine Tonne schwere Satellit heute Nacht wieder in die Erdatmosphäre ein und ist dabei zum Großteil verglüht.
(ESA, 11.11.2013 - NPO)
 
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