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Sonntag, 11.12.2016
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Können's Frauen wirklich besser?

Studie untersucht geschlechtsspezifische Unterschiede beim Multitasking

Es ist eine Art moderner Mythos: Frauen, so das Klischee, können besser mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen als Männer. Schließlich mussten sie sich schon in der Steinzeit parallel um Kinder und die Nahrungssuche kümmern. Doch an verlässlichen Studien zu diesem Thema mangelt es. Britische Forscher haben nun in einer Studie zwar eine leichte Überlegenheit der Damenwelt festgestellt. Doch sie betonen: Gut möglich, dass das geschlechtsspezifische Talent zum Multitasking von der Art der Aufgabe abhängt. Die Ergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift "BMC Psychology".
Alles zur selben Zeit.

Alles zur selben Zeit.

In Sachen Multitasking sind Realität und Wahrnehmung zwei verschiedene Paar Schuhe. Bereits im Januar stellten US-Forscher fest: Menschen, die glauben, besonders gut mehrere Dinge gleichzeitig tun zu können, schlagen sich in Versuchen besonders schlecht. Die wahren Multitasking-Talente hingegen nutzten ihre Fähigkeiten im Alltag eher selten.


Fingernägel lackieren und telefonieren


Eine weitere Vorstellung, dass es Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, hält sich hartnäckig. Frauen, so der Volksglaube, sind besser darin, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Fingernägel lackieren und gleichzeitig telefonieren, Kochen und gleichzeitig den Nachwuchs bespaßen – wenn es ums Multitasken geht, sind die Klischees nie fern. Woran es hingegen mangelt, sind belastbare wissenschaftliche Untersuchungen.

In einer Studie versuchten Forscher um Gijsbert Stoet von der Universität in Glasgow nun herauszufinden, ob Frauen den Männern nachweislich etwas voraus haben. Dabei konzentrierten sie sich auf eine spezielle Art des Multitaskings: Ihre Probanden mussten nicht zwei Dinge gleichzeitig erledigen, sondern mehrere schnell aufeinanderfolgende Aufgaben bewältigen. Diese Situation komme im Alltag weitaus häufiger vor, schreiben die Forscher.


Frauen finden schneller die Schlüssel


Die Wissenschaftler führten zwei unterschiedliche Experimente mit verschiedenen Teilnehmergruppen durch, die jeweils zur Hälfte aus Männern und Frauen bestanden. Der erste Versuch fand am Rechner statt. Die Probanden mussten entweder erkennen, ob auf dem Bildschirm ein Quadrat oder eine Raute gezeigt wurde, oder ob im Inneren der geometrischen Formen zwei oder drei Kreise zu sehen waren. In den ersten zwei Durchläufen galt es nur eine der beiden Aufgaben zu lösen; im dritten Durchlauf wechselten sich die Fragen beliebig ab.

Die Forscher maßen, wie viel langsamer Männer und Frauen antworteten, wenn sie zwischen beiden Aufgaben wechseln mussten. Aus dem Vergleich gingen die Damen als Sieger hervor: Sie brauchten 69 Prozent, die Männer 77 Prozent mehr Zeit.

Gesamtwertung: Keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern


Das zweite Experiment lieferte weniger eindeutige Ergebnisse. Hier galt es, drei Aufgaben in acht Minuten zu lösen, während zwischendurch das Telefon klingelte. Die Probanden mussten einen Schlüsselbund in einem unbekannten Raum finden, einfache Rechenaufgaben lösen, Restaurants auf einer Karte entdecken – und Wissensfragen beantworten, falls sie sich entschieden, ans Telefon zu gehen. In welcher Reihenfolge sie die Aufgaben lösten, blieb ihnen selbst überlassen. Die Frauen zeigten sich lediglich bei der Suche nach dem Schlüssel überlegen – in der Gesamtauswertung gab es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

"Wir haben festgestellt, dass Frauen in bestimmten Aspekten von Multitasking-Situationen Männern gegenüber einen Vorteil haben", sagt Studienleiter Gijsbert Stoet. Die Forscher schließen jedoch nicht aus, dass sich dieser Vorteil ins Gegenteil umkehren könnte, sobald sich die Aufgabe ändert. In einer Studie von Timo Mäntylä, die im April diesen Jahres in der Zeitschrift "Psychological Science" erschienen ist, schnitten etwa die Herren der Schöpfung besser ab. Allerdings waren auch die Anforderungen anders: Erstens mussten die Probanden zwei Dinge zur gleichen Zeit tun, zweitens spielte das räumliche Vorstellungsvermögen eine wichtige Rolle.

Stoet jedenfalls bemüht sich, den Verlockungen des Klischees zu widerstehen: "Der Mangel an empirischen Studien sollte uns davon abhalten, klare Schlussfolgerungen zu ziehen." Die Wahrheit ist vermutlich unspektakulär: Jeder hat so seine Stärken und Schwächen.
(BMC Psychology, 2013; doi: 10.1186/2050-7283-1-18)
(Gijsbert Stoet et al. (University of Glasgow), 28.10.2013 - AKR)
 
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