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Mittwoch, 29.03.2017
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Immuntest macht Stammzelltransplantationen sicherer

Forscher wollen Komplikationen bei der Behandlung von Leukämien vermeiden

Homburger Mediziner entwickeln zurzeit eine neue Methode, mit der man direkt aus dem Blut des Patienten die Menge an Abwehrzellen, gegen ein bestimmtes Virus bestimmen kann. Damit sollen Komplikationen bei Stammzelltransplantationen vermieden werden.
Die Stammzelltransplantation wird bei verschiedenen Formen von Leukämien eingesetzt. Um den Blutkrebs auszulöschen, wird beispielsweise bei der so genannten allogenen Transplantation das komplette Knochenmark des Patienten durch das eines Fremdspenders ersetzt. Diese Therapie ist mit einer starken Schwächung der Immunabwehr verbunden, da sich aus dem neuen blutbildenden System erst nach einer Weile wieder intakte Abwehrzellen und Antikörper gegen Krankheitserreger nachbilden. Eine einfache Infektion, die ein Gesunder womöglich ohne weiteres wegsteckt, kann den Genesungsprozess eines transplantierten Patienten sehr gefährden.

Schwerwiegende Komplikationen nach Stammzelltransplantation


"Schwerwiegende Komplikationen angefangen bei Fieber, Gelenk- und Muskelschmerzen bis hin zu Lungenerkrankungen, Sehschwächen und sogar bis zum Tod können besonders dann auftreten, wenn der Patient mit dem Cytomegalie-Virus (CMV), einem Vertreter der Herpesviren, infiziert ist", erläutert Dr. Martina Sester, die gemeinsam mit Ihrem Homburger Forscherkollegen Dr. Thomas Widmann diesem Virus und dessen Immunabwehr auf der Spur ist. "Wenngleich ein breites Spektrum zum Nachweis dieses Virus selbst zur Verfügung steht, gibt es bislang noch kein routinetaugliches Verfahren, mit dem man prüfen kann, wie es denn um die Abwehrkräfte gegen CMV bestellt ist."

Im Rahmen der von der Deutschen José Carreras Leukämie-Stiftung unterstützten Studie werden die Homburger Mediziner die nächsten zwei Jahre eine neue Methode anwenden, mit der man direkt aus dem Blut des Patienten die Menge der Abwehrzellen, die so genannten T-Zellen, die gegen das CMV-Virus gerichtet sind, bestimmen kann.


Dabei wird dem Patienten eine geringe Menge Blut entnommen. Im Reagenzglas wird die Reaktion des Körpers simuliert: Zunächst werden Virusbestandteile ins Test-Blut gegeben. Dann werden mit Hilfe eines speziellen Antikörpers die Botenstoffe der T-Zellen, die so genannten Zytokine, identifiziert und rechnergestützt analysiert.

Verhältnis von Viruslast und Immunabwehr untersucht


"Ziel der Untersuchungen ist die individuelle Analyse des Verhältnisses von Viruslast und Immunabwehr", erklärt Dr. Martina Sester. "Ist die Immunabwehr gegen CMV kurz nach der Transplantation recht hoch, besteht kaum Gefahr, dass eine Infektion ausbricht. Ist die Immunabwehr niedrig oder gar nicht vorhanden, ist äußerste Vorsicht geboten. Kombiniert mit der konventionellen Virus-Messung lassen sich mit der neuen Methode frühzeitig Schlüsse ziehen, ob das Abwehrsystem des Patienten hinreichend leistungsfähig ist, mit einer Infektion alleine fertig zu werden, oder ob man medikamentös unterstützen muss - denn in der kritischen Phase nach der Transplantation ist jede zusätzliche Therapie mit hohen Risiken und Nebenwirkungen verbunden."

Da die Homburger Forscher bereits bei Nieren-, Herz- und Lungentransplantationen gute Erfahrungen mit dem neuen Immuntest gemacht haben, ist Sester zuversichtlich, "dass er auch die Diagnostik bei der Stammzelltransplantation wesentlich sicherer machen kann und den Genesungsprozess für den Patienten erleichtert".

Im Homburger Universitätsklinikum werden pro Jahr rund 70 Stammzelltransplantationen durchgeführt, davon sind ca. 20 bis 25 allogen, das heißt hier spendet eine andere Person ihr gesundes Knochenmark. "Alle Leukämie-Patienten, die eine allogene Transplantationen erhalten, können von der neuen Methode profitieren", betonen Sester und Widmann. Neben einer Verbesserung der Immun-Diagnostik erwarten die Forscher auch neue Einblicke in grundlegende Gesetzmäßigkeiten beim Neuaufbau der körpereigenen Immunabwehr.
(idw - Universität des Saarlandes, 06.10.2004 - DLO)
 
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