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Samstag, 03.12.2016
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Quastenflosser lieben lieber monogam

Erster Vaterschaftstest bei zwei trächtigen Weibchen des lebenden Fossils

Der Quastenflosser ist ein lebendes Fossil - und lebt auch heute sehr verborgen. Entsprechend dünn sind die Informationen über seinen Lebenswandel. Jetzt ist es Forschern erstmals gelungen, den Nachwuchs zweier trächtiger Quastenflosser-Weibchen genetisch zu untersuchen. Dabei zeigte sich: Die Tiere sind offenbar treu. Der gesamte Nachwuchs der jeweiligen Weibchen stammte von nur einem Vater, berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature Communications".
Der Quastenflosser Latimeria chalumnae

Der Quastenflosser Latimeria chalumnae

Bis zum 23. Dezember 1938 galten die Quastenflosser als ausgestorben. Nur ein paar versteinerte Abdrücke zeugten von der Existenz dieser Tiere vor mehr als 300 Millionen Jahren. Dann jedoch entdeckten Fischer vor der südafrikanischen Küste in ihrem Schleppnetz einen graublauen, etwa 1,50 Meter langen und 52 Kilogramm schweren Fisch: das erste Exemplar eines lebenden Quastenflossers. Inzwischen sind etwas mehr als 300 Exemplare nachgewiesen. Genauere Einblicke in die Kinderstube dieser Urzeit-Fische zu bekommen, war jedoch bisher schwierig.

Trächtige Weibchen im Netz


Jetzt jedoch haben deutsche Forscher durch gleich zwei Glücksfälle eine Chance dazu erhalten. Vor der Küste Mosambiks wurde ein trächtiges Quastenflosser-Weibchen in einem Schleppnetz gefangen, ein weiteres ging unbeabsichtigt einheimischen Fischern vor Sansibar ins Netz. Im Gegensatz zu den meisten Fischarten werden die Eier beim Quastenflosser nicht außerhalb des Körpers befruchtet. Stattdessen bringt das Weibchen ihre Jungen lebend und voll entwickelt zur Welt. Laut Schätzungen der Wissenschaftler dauert die Schwangerschaft etwa drei Jahre.

Die gefangenen Quastenflosser-Weibchen standen kurz davor, ihren Nachwuchs zu gebären. 26 Embryos trug das eine Weibchen, 23 das andere. Die Frage dabei: Stammten alle Jungen jeweils von einem Vater, waren die Weibchen demnach monogam? Denn eigentlich hat es durchaus Vorteile, sich mit mehreren Männchen zu paaren: Es erhöht die Chance auf eine erfolgreiche Befruchtung, sorgt für eine hohe genetische Variabilität beim Nachwuchs und macht es möglich, dass die besten Gene weitergegeben werden.


Vaterschaftstest bei Quastenflosser-Embryos


Um herauszufinden, welche "Beziehungsform" der Quastenflosser bevorzugt, verglichen die Forscher 14 charakteristische Stellen im Erbgut der Weibchen und ihrer Nachkommen miteinander. Diese sogenannte Mikrosatelliten-Analyse kommt auch beim Menschen zum Beispiel bei Vaterschaftsnachweisen zum Einsatz.

Das Ergebnis: „Weil wir den Genotyp der Mutter kennen, konnten wir mit Hilfe der Mikrosatelliten-Analyse eindeutig zeigen, dass der Quastenflosser-Nachwuchs jeweils nur einen einzigen Vater hat“, berichtet Seniorautor Manfred Schartl von der Universität Würzburg . Demnach müssen Quastenflosser-Weibchen monogam leben – zumindest zeitweise. Das Team rekonstruierte auch den „hypothetischen Genotyp“, also die hypothetische genetische Ausstattung beider Väter.

Weniger Vorteile, aber geringere Kosten


Warum sich die Weibchen jeweils nur mit einem Männchen paaren, ist unklar. Es könnte sein, dass die Vorteile einer mehrfachen Paarung geringer sind als die Kosten, die das Weibchen dafür zahlen muss: Denn die Suche nach weiteren Männchen kostet Energie und erhöht die Gefahr, Fressfeinden zum Opfer zu fallen. Hinzu kommt ein höheres Risiko, sich mit Parasiten oder Krankheitserregern anzustecken.

Im Erbgut des Quastenflosser-Nachwuchses stießen die Forscher auf ein weiteres interessantes Detail: Vater und Mutter einer Brut waren nicht näher miteinander verwandt als die Mehrzahl von zufälligen Paaren einer Quastenflosser-Population. Das könnte bedeuten, dass die Weibchen es vermeiden, sich mit nahen Verwandten zu paaren. Oder dass andere Merkmale für die Wahl des passenden Partners ausschlaggebend sind, beispielsweise Größe und Körperbau oder die Widerstandskraft gegen Parasiten. (Nature Communications, 2013; doi: 10.1038/ncomms3488)
(Ruh-Universität Bochum, 19.09.2013 - NPO)
 
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