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Dienstag, 27.09.2016
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Tarnkappen-Duft täuscht Stechmücken

Forscher entdecken einen natürlichen Duftstoff, der den Geruchsinn von Mücken blockiert

Eine neue Waffe gegen lästige Stechmücken: Forscher haben natürliche Substanzen entdeckt, die den Geruchssinn der Blutsauger blockieren. Die Mücken können uns Menschen damit dann im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr riechen. Dieser Fund eröffnet neue Möglichkeiten für Mückenabwehrmittel, die bisher gebräuchlichen setzen eher auf Abschreckung durch unangenehme Gerüche als auf Tarnung.
Gelbfiebermücke (Aedes aegypti)

Gelbfiebermücke (Aedes aegypti)

Die gefährlichsten Tiere der Welt sind nicht etwa Giftschlangen, Haie oder Löwen, es sind eindeutig die Stechmücken: Sie übertragen Infektionskrankheiten wie die Malaria und sind auf diese Weise für den Tod von etwa einer Million Menschen jährlich verantwortlich. Darüber hinaus sind sie natürlich lästige Plagegeister, die Menschen weltweit um den Schlaf bringen oder romantische Sommerabende vermiesen. Bewährte Mittel gegen die summenden Blutsauger sind bisher die sogenannten Repellents – Geruchsstoffe, die Mücken abschrecken. Doch viele Menschen mögen den Geruch dieser Fernhaltemittel nicht und sprühen oder cremen sich daher sehr ungern mit entsprechenden Produkten ein. Zudem wirken diese Mittel nicht immer zuverlässig.

Zufallsfund bei Lockstoff-Tests


Ulrich Bernier vom US- Department of Agriculture und seine Kollegen könnten nun eine Alternative entdeckt haben - quasi durch Zufall. Denn eigentlich untersuchen sie bereits seit den 1990er Jahren die Komponenten des Körpergeruchs, die auf Mücken anziehend wirken. „Der Duft einer Person entsteht aus hunderten Verbindungen, die im Schweiß stecken, aber auch von Bakterien auf der Haut erzeugt werden", erklärt Bernier. Um herauszufinden, welche dieser Verbindungen als Lockstoffe auf die Tiere wirken, führten die Forscher Experimente mit Gelbfiebermücken (Aedes aegypti) durch.

Die Mücken saßen dabei in einem Käfig, der auf einer Seite eine Netzwand besaß. Vor dem Netz versprühten die Wissenschaftler jeweils einen Bestandteil des natürlichen Körpergeruchs des Menschen. Handelte es sich um einen Lockstoff, wie beispielsweise Milchsäure, fanden sich fast alle Mücken des Käfigs auf dem Netz ein und suchten hungrig nach einem Weg auf die andere Seite, von der der leckere Geruch herkam. Auf einige andere Bestandteile der Haut-Ausdünstungen reagierten die Insekten jedoch gar nicht.


Duftstoff als Geruchsblocker


Und nicht nur das: Die Forscher stellten zu ihrer Überraschung fest, dass manche Substanzen den Insekten gleichsam die Nase zu blockieren schien: War dieser Stoff anwesend, reagierten die Tiere nicht einmal mehr auf ihre Lieblingslockstoffe. „Wenn man seine Hand in einen Käfig voller Mücken hält, wo wir diese Inhibitoren freigesetzt haben, bleiben fast alle an der Wand sitzen und erkennen nicht, dass es Futter gibt", sagt Bernier. Es handele sich unter anderem um Stoffe aus der Gruppe der 1-Methylpiperzine.

Offenbar sind diese olfaktorischen "Tarnkappen" ein natürlicher Bestandteil des vom menschlichen Körper abgegebenen Duftcocktails. Allerdings werden diese Substanzen normalerweise in so geringer Dosis produziert, dass sie die Mücken nicht beirren können. Allerdings: Möglicherweise bilden manche Menschen doch ein wenig mehr davon – das könnte ein Grund dafür sein, warum Mücken auf manche Menschen nicht so fliegen wie auf andere, wie die Forscher vermuten.

Gibt man diese neu entdeckten Geruchsblocker aber künstlich auf die Haut, könnte das die Stechmücken effektiv am Stich hindern. „Wenn Mücken nicht feststellen können, dass in ihrer Nähe eine Mahlzeit auf sie wartet, gibt es kein Summen, kein Landen und somit auch keinen Stich", sagt Bernier. Er und seine Kollegen hoffen, dass aus diesen Substanzen eine Alternative zu den herkömmlichen Repellents hergestellt werden könnte. Sie könnten beispielsweise in Kosmetika, Lotionen, Kleidung und anderen Produkten zugesetzt werden. Vielleicht lässt uns dies dann eines Tages für die lästigen und gefährlichen Blutsauger quasi unsichtbar werden.
(American Chemical Society , 10.09.2013 - NPO/MVI)
 
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