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Donnerstag, 08.12.2016
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Ozon: Pazifik-Flüge sind die schlimmsten

Routen von und nach Australien erzeugen fünf Mal mehr bodennahes Ozon als in Europa

Auf die Route kommt es an. Forscher haben erstmals herausgefunden, wo der Flugverkehr das meiste bodennahe Ozon erzeugt: Nicht etwa in den Ballungsräumen der Nordhalbkugel, sondern in einem Gebiet mitten über dem Pazifik. Denn dort reagiert die Atmosphäre sehr viel sensibler auf die von den Fliegern ausgestoßenen Schadstoffe. Das aber bedeutet: Flüge von und nach Australien und Neuseeland erzeugen fünf Mal so viel von diesem Luftschadstoff wie in Europa, wie US-Forscher im Fachmagazin "Environmental Research Letters" berichten.
Die Abgase von Flugzeugen fördern die Bildung von bodennahem Ozon

Die Abgase von Flugzeugen fördern die Bildung von bodennahem Ozon

Während das Ozon in der Stratosphäre nützlich ist und uns gegen die schädlichen UV-Strahlen der Sonne abschirmt, gilt dies für das bodennahe Ozon nicht. Denn dieses auch als Sommersmog bekannte Gas ist gesundheitsschädlich und schädigt auch Pflanzen und Tiere. Außerdem aber wirkt es als Treibhausgas und kann auch dazu beitragen, das Klima weiter aufzuheizen. Das bodennahe Ozon entsteht, wenn Stickstoffoxide (NOx) unter Einfluss des Sonnenlichts zerfallen und mit dem Luftsauerstoff zu Ozon (O3) reagieren. Begünstigt wird dies zudem durch Kohlenwasserstoffe in der Luft.

Flugverkehr fördert Ozonbildung


Emissionen des Verkehrs gelten als wichtigste Quellen für Stickstoffoxide und Kohlenwasserstoffe, Flugzeuge spielen dabei eine besondere Rolle, da sie ihre Abgase genau dort ausstoßen, wo das Ozon entsteht - in der Atmosphäre. Bisher war jedoch unbekannt, ob sich die Flugzeug-Emissionen überall gleich stark auswirken oder ob es dabei regionale Unterschiede gibt.

"Es hat schon viele Studien zum Einfluss der Flugzeug-Emissionen auf die Atmosphäre gegeben, aber es ist nur wenig darüber bekannt, wie einzelne Flüge oder Flugrouten die Umwelt beeinträchtigen", erklärt Erstautor Steven Barrett vom Massachusetts Institute of Technology (MIT). Um das zu klären, haben er und seine Kollegen Flug- und Emissionsdaten von 83.000 Flügen in ein Modell der globalen Atmosphärenchemie eingepflegt und analysiert, wie viel bodennahes Ozon jeweils entsteht.


Schlimmste Strecke erzeugt 25.300 Kilo Ozon pro Flug


Dabei zeigten sich deutliche regionale Unterschiede: Eine Region über dem Pazifik, rund 1.000 Kilometer östlich der Solomon Inseln, erweis sich als extrem sensibel gegenüber den Flugzeug-Emissionen. Schon der Ausstoß von einem Kilogramm Abgasen, vor allem NOx, führte dort zur Bildung von zusätzlichen 15 Kilogramm Ozon pro Jahr, wie die Forscher berichten. Damit sei die Sensitivität dieses Gebiets fünf Mal höher als die der Luft über Europa und rund 3,7 Mal höher als in Nordamerika. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass die saubersten Stellen der Atmosphäre am dramatischsten auf neue Emissionen reagieren", sagt Barrett.

Auch die in punkto Ozonbildung schlimmsten Flugrouten konnten die Forscher durch ihre Analysen bestimmen: Die Top-Ten der Ozonschleudern sind demnach Flüge von und nach Neuseeland und Australien. Negativer Spitzenreiter ist ein Flug von Sydney nach Bombay: Er verursacht die Produktion von 25.300 Kilogramm bodennahem Ozon, weil er den Großteil seiner Strecke genau im sensibelsten Gebiet der Atmosphäre zurücklegt.

"Die Stellen, die am sensibelsten auf den Flugverkehr reagieren, sind leider auch die Regionen, in denen der zivile Flugverkehr am rapidesten wächst", erklären die Forscher. Es sei daher zu überlegen, ob man nicht zumindest einige Routen so verändert, dass sie nicht mehr durch diese besonders anfälligen Regionen der Atmosphäre führen. Das ist zwar eine gute Idee, hat aber einen Haken, wie die Wissenschaftler auch selbst einräumen: "Wenn Umwege geflogen werden müssen, wird auch mehr Treibstoff verbraucht und die Emissionen steigen - hier muss daher ein Kompromiss gefunden werden." ( Environmental Research Letters, 2013)
(IOP Science , 05.09.2013 - NPO)
 
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