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Sonntag, 11.12.2016
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Geologen entdecken riesige arktische San Andreas-Störung

2.500 Kilometer lange Bruchzone reicht von Alaska bis nach Spitzbergen

Sie ist länger als die San-Andreas-Verwerfung und reicht einmal quer durch das Nordpolarmeer: Im Yukon-Territorium haben Geologen eine tektonische Bruchzone entdeckt, die sich von der Eismeerküste Alaskas bis nach Nordgrönland und Spitzbergen erstreckt. Die 2.500 Kilometer lange Transformstörung liefert nun wertvolle Aufschlüsse über die Entstehung des Nordpolarmeeres. Denn sie ist der Rest einer "Sollbruchstelle", entlang der einst der Urkontinent Laurasia zerbrach.
Blick auf das Mackenzie-Delta im Yukon-Territorium Kanadas - in dieser Region beginnt die Bruchzone

Blick auf das Mackenzie-Delta im Yukon-Territorium Kanadas - in dieser Region beginnt die Bruchzone

Immer noch rätseln die Geologen weltweit, wie das Polarmeer vor 50 bis 100 Millionen Jahren entstand. Klar ist, dass damals der Zerfall des Superkontinents Laurasia begann, in dem einst Amerika und Eurasien vereint waren. Das Auseinanderbrechen dieser Landmasse schuf einen sich weitenden Riss, in den Wasser Einströmte - ein Ozean war geboren. Unklar ist aber, wo und wie genau Laurasia damals aufbrach und welche Relikte davon heute noch zu finden sind. "Die erdgeschichtliche Entwicklung der Arktis ist nach wie vor eine Art terra incognita", erklärt Karsten Piepjohn von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR).

Um dieses tektonische Puzzle zu vervollständigen, war Piepjohn gemeinsam mit 20 Wissenschaftlern aus Frankreich, Kanada, den USA und Deutschland eine Expedition nach Alaska gereist, um dort eine der urzeitlichen Bruchzonen näher zu untersuchen. Sieben Wochen lang lebten die Forscher in einem großen Basislager am Blow River im Yukon-Territorium und untersuchten die Geologie der Gebirge zwischen dem Mackenzie-Delta und der Grenze zu Alaska mit Hilfe eines Helikopters.

2.500 Kilometer lange Transformstörung


Dabei wurden sie tatsächlich fündig. Denn in diesem Gebiet liegt eine große Störungszone, die möglicherweise einst als Sollbruchstelle für die Entstehung des Nordrands des amerikanischen Kontinents verantwortlich war. Die geologischen Analysen ergaben nun, dass die großräumige vertikale Bruchzone, die die Erdkruste in diesem Gebiet durchschlägt, mit ähnlichen Strukturen in Nordgrönland und Spitzbergen auf der anderen Seite des Polarmeeres zusammenhängt.


San Andreas Verwerfung - eine Transformstörung

San Andreas Verwerfung - eine Transformstörung

Die gewaltige Verwerfung ist damit zum einen vermutlich tatsächlich ein Überrest des Zerfallsprozesses von Laurasia. Zum anderen aber ist sie eine der bisher größten bekannten Transformstörungen in der Arktis: Über eine Strecke von rund 2.500 Kilometern Länge haben sich hier Erdplatten seitlich gegeneinander verschoben. "Damit übertrifft diese Seitenverschiebungszone selbst die San Andreas-Störung in Kalifornien noch“, so BGR-Expeditionsleiter Karsten Piepjohn. Zerstörerische Erdbeben wie im kalifornischen San Francisco seien allerdings nicht zu befürchten, da die große arktische Verwerfungszone zuletzt vor 50 bis 100 Millionen Jahren aktiv war, als der Superkontinent Laurasia zerbrach.

Aufschluss über Entwicklung und Rohstoffvorkommen


Die Entdeckung der über das Polarmeer hinweg reichenden Störung ist nach Ansicht der Geologen ein wesentlicher Beitrag zum besseren Verständnis der Entstehungsgeschichte des arktischen Ozeans. „Die bisher bestehenden Modelle können die Entwicklung nicht vollständig erklären. Wir sind sehr zuversichtlich, dass unsere Ergebnisse entscheidend zur Lösung dieses gigantischen arktischen Puzzles beitragen“, erklärt Piepjohn.

Die strukturgeologischen Untersuchungen könnten aber auch Aufschluss über mögliche Rohstoffvorkommen geben. „Das Wissen über die Entstehung des Polarmeeres bildet eine wichtige Voraussetzung, um mögliche Kohlenwasserpotenziale der arktischen Randgebiete beurteilen zu können“, so BGR-Sedimentologe Lutz Reinhardt. Während der Expedition nahmen die Wissenschaftler eine Vielzahl von Gesteinsproben, die jetzt in den BGR-Laboren geochemisch analysiert werden.
(Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), 22.08.2013 - NPO)
 
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