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Donnerstag, 29.09.2016
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Zucker: Selbst in vermeintlich harmlosen Dosen schädlich?

Hinweise auf verkürzte Lebensdauer und verringerte Fruchtbarkeit durch niedrige Zuckerdosen

Zucker könnte selbst in niedrigen Dosen schädlicher sein als bisher gedacht: Erhielten Mäuseweibchen Futter, das 25 Prozent Zucker enthielt, stieg ihr Sterberisiko um das Doppelte. Mäusemännchen wurden unfruchtbarer und ihr Verhalten veränderte sich, wie ein Experiment von US-Forschern zeigt. Die Diät der Mäuse war dabei keineswegs überzuckert: Sie entsprach der normalen menschlichen Ernährung plus drei Gläsern Limonade täglich, so die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Communications".
Zucker - noch ungesunder als gedacht?

Zucker - noch ungesunder als gedacht?

Dass zu viel Zucker nicht gesund ist, weiß mittlerweile fast Jeder. Der süße, energiereiche Stoff macht dick, stört den Zuckerstoffwechsel des Körpers und beeinflusst zusätzlich verschiedene andere Stoffwechselwege, insbesondere den, über den Fette verarbeitet werden. Aber wie viel Zucker ist zu viel? Diese Frage stellten sich auch James Ruff von der University of Utah in Salt Lake City und seine Kollegen. Um das zu klären, führten sie ein Experiment mit Mäusen durch.

Mäuse-Diät entsprach gesunder Ernährung plus drei Gläsern Limonade


Im Gegensatz zu bisherigen Tests wählten die Forscher für ihre Studie bewusst keine Mäuse eines auf spezielle Eigenschaften hin gezüchteten Laborstamms. Stattdessen setzten sie Hausmäuse des Wildtyps ein, deren Verhalten und Biologie noch naturgemäßer und weniger durch Inzucht verändert ist. Die Hälfte dieser Mäuse erhielt normales Futter, die andere ein mit Zucker angereichertes. Ein Viertel der gesamten Kalorien stammte bei diesem aus jeweils zur Hälfte Traubenzucker und Fruchtzucker. Diese Diät entspreche der eines Menschen, der sich normal gesund ernähre und zusätzlich drei Gläser Limonade trinke, erklären die Forscher. "Rund ein Viertel der US-Amerikaner konsumiert diese Dosis Zucker täglich."

Um die Auswirkungen dieser Diät zu prüfen, setzten die Wissenschaftler die Mäuse in ein großes Gehege, in dem sowohl optimale Nisthöhlen als auch weniger gut geeignete, exponierterer Nistplätze zur Verfügung standen. In den folgenden Wochen beobachteten die Forscher mittels Videokameras und den Mäusen implantierten Mikrochips genau das Verhalten der Tiere - wer setzte sich durch und beanspruchte die besten Nistplätze. Außerdem prüften sie, wie viele Mäuse aus der Zucker-und der Kontrollgruppe nach 32 Wochen gestorben waren und wie viele Nachkommen die einzelnen Tiere bekamen.


Das Mäusegehege: verschiedene Nistboxen und Territorien

Das Mäusegehege: verschiedene Nistboxen und Territorien

Todesrate verdoppelt, Fruchtbarkeit verringert


Das Ergebnis: Nach 32 Wochen im Mäusegehege waren bei den mit erhöhtem Zuckergehalt gefütterten Weibchen 35 Prozent gestorben, bei der Kontrollgruppe nur 17 Prozent - gerade einmal halb so viel. Bei den Männchen unterschieden sich die Todesraten zwar nicht, wohl aber ihre Fruchtbarkeit: Die mit Zucker gefütterten Männchen hatten rund ein Viertel weniger Nachkommen gezeugt wie die Männchen der Kontrollgruppe, wie die Forscher berichten. Und auch ihr Verhalten zeigte Unterschiede: Die Männchen der Zuckergruppe schafften es signifikant weniger häufig, die begehrten Territorien im Gehege für sich zu erobern.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass Zucker selbst in den Mengen schädliche Effekte hat, die wir Menschen normalerweise zu uns nehmen und die bisher als sicher und harmlos galten", erklärt Ruff. Und: Diese Effekte des Zuckers traten auf, obwohl den Mäusen körperlich nichts anzumerken war, sie waren weder dicker als die Kontrolltiere, noch hatten sie anormale Blutzucker- oder Insulinwerte. Lediglich die Cholesterinwerte seien leicht erhöht gewesen, so die Forscher.

"Ich habe inzwischen den Anteil raffinierten Zuckers in meiner Ernährung reduziert und auch meine Familie dazu bewegt, das Gleiche zu tun", sagt Seniorautor Wayne Potts von der University of Utah. Das jetzige Ergebnis werfe natürlich die Frage auf, warum man diesen Effekt des Zuckers nicht schon viel früher entdeckt habe. "Aber die negativen Folgen, die unser Test gefunden hat, wären mit konventionellen Tests nicht nachweisbar." Denn diese untersuchen die Folgen meist mit sehr viel höheren Dosen von Zucker, mit bereits stark durch Inzucht beeinträchtigten Labormäusen und auch nicht in einer möglichst naturgemäßen, sozialen Umgebung. (Nature Communications, 2013; doi: 10.1038/ncomms3245)
(University of Utah, 14.08.2013 - NPO)
 
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