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Samstag, 10.12.2016
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Geistige Tiefs sind keine Einbildung

Unsere geistigen Leistungen schwanken tatsächlich - bei Jüngeren stärker als bei Älteren

"Heute ist echt nicht mein Tag!" Wer kennt sie nicht, diese Tage an denen nichts so richtig klappt und alles mühsam erscheint. Berliner Forscher sind diesem Phänomen jetzt mit einem Experiment auf den Grund gegangen. Dabei zeigte sich: Unsere geistige Leistung schwankt tatsächlich - aber nicht von Tag zu Tag, sondern eher in kürzeren Hochs und Tiefs. Und überraschenderweise sind diese Schwankungen bei älteren Menschen geringer - ihre geistigen Leistungen sind sogar zuverlässiger als die von Jungen, wie die Forscher im Fachmagazin " Psychological Science" berichten.
Geistige Fitness - sie schwankt bei uns tatsächlich

Geistige Fitness - sie schwankt bei uns tatsächlich

Manche Tage scheinen es in sich zu haben: Erst wissen wir nicht, wo wir den Autoschlüssel hingelegt haben, und dann vergessen wir eine wichtige Arbeitsbesprechung. Unser Gedächtnis scheint uns an solchen Tagen im Stich zu lassen. Doch stimmt es wirklich, dass wir an manchen Tagen geistig besser in Form sind als an anderen? Gibt es so etwas wie gute und schlechte Tage? Und sind Ältere vielleicht anfälliger für solche Leistungsschwankungen? Florian Schmiedek, Martin Lövdén und Ulman Lindenberger vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin haben diese Frage nun untersucht.

Geistige Tiefs sind keine Einbildung


Dazu werteten die Forscher Daten der sogenannten COGITO-Studie aus, die gezielt die Schwankungen der geistigen Leistungen von Probanden testete. Im Rahmen dieser weltweit einzigartigen Studie bearbeiteten 101 junge Teilnehmer im Alter von 20 bis 31 Jahren und 103 ältere Probanden im Alter von 65 bis 80 Jahren zwölf verschiedene Aufgaben an 100 verschiedenen Tagen. Die Aufgaben testeten die Wahrnehmungsgeschwindigkeit, die Merkfähigkeit und das Arbeitsgedächtnis der Studienteilnehmer. Die Wiederholung der Aufgaben über 100 Tage erlaubte es den Forschern, neben den Lernfortschritten auch die täglichen Leistungsschwankungen zu bestimmen und zwischen den Altersgruppen zu vergleichen.

Das Ergebnis: Geistige Leistungsschwankungen gibt es tatsächlich. Mit unserem Gefühl, dass gleich der ganze Tag gut oder schlecht ist, liegen wir allerdings häufig daneben. Denn der Großteil der Leistungsschwankungen tritt über kürzere Zeitspannen auf. Was uns als schlechter oder guter Tag erscheint, lässt sich oft auf gute und schlechte Momente zurückführen – ohne dass die Leistung, über den ganzen Tag betrachtet, schlechter oder besser ist als an anderen Tagen. „Die tatsächlichen Schwankungen von Tag zu Tag sind vergleichsweise gering“, sagt Schmiedek.


Leistung der Älteren ist zuverlässiger


Überraschend waren auch die Ergebnisse des Vergleichs zwischen den Altersgruppen: Denn die Älteren zeigten bei allen neun untersuchten Aufgaben geringere Leistungsschwankungen von Tag zu Tag als die Jüngeren. Die geistige Leistungsfähigkeit der Älteren war somit zuverlässiger. Dies galt auch dann, wenn die Leistungsvorteile der Jüngeren in der durchschnittlichen Leistungshöhe berücksichtigt wurden.

„Weitere Auswertungen weisen darauf hin, dass für die höhere Zuverlässigkeit bei den Älteren erlernte Strategien bei der Aufgabenbearbeitung, eine gleichbleibend hohe Motivation sowie ein ausgeglichener Alltag mit stabiler Stimmungslage eine Rolle spielen“, sagt Schmiedek. Das sei mit Blick auf die Debatte über die Leistungsfähigkeit Älterer im Berufsleben interessant.

„Die Produktivität und Zuverlässigkeit der älteren Mitarbeiter ist unter dem Strich höher als die der jungen“, kommentiert Axel Börsch-Supan vom Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik. „Eine unserer Studien in der Automobilproduktion zeigt, dass ältere Mitarbeiter deutlich seltener schwere und teuer zu beseitigende Fehler machen als jüngere. Auch in den anderen von uns untersuchten Branchen findet man nicht, dass Jüngere produktiver sind als Ältere", so der Wissenschaftler, der zum Thema Produktivität einer alternden Gesellschaft forscht. (Psychological Science, 2013, doi: 10.1177/0956797613479611)
(Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, 05.08.2013 - NPO)
 
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