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Donnerstag, 29.09.2016
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Städte sind besser als ihr Ruf

Das Risiko für tödliche Verletzungen ist in Städten 20 Prozent niedriger als auf dem Land

Zwar gibt es in Städten höhere Mordraten als auf dem Land, die Todesraten sind dafür jedoch insgesamt niedriger: Das Leben in der Großstadt ist demnach vielleicht doch nicht ganz so gefährlich, wie immer behauptet wird.
Skyline einer Großstadt

Skyline einer Großstadt

Seit dem Jahr 2008 leben zum ersten Mal in der Geschichte mehr als die Hälfte aller Menschen auf der Erde in Städten. Das bereitet vielen Forschern aus dem Gesundheitssektor Sorgen, denn Städte, insbesondere Großstädte, bergen viele Gefahren für Leib und Leben, denen man auf dem Land oder in Dörfern nicht oder nur sehr selten begegnet – Morde, Drogenprobleme, Verletzungsgefahren im dichten Verkehr et cetera. Schaut man sich zudem Statistiken an, scheint sich der Verdacht zu bestätigen, dass Städte sehr gefährlich sind: Von den knapp 1,3 Millionen Todesopfern, die in den USA zwischen 1999 und 2006 auf das Konto von Morden, Selbstmorden, Verletzungen und Vergiftungen gingen, waren die meisten junge Menschen unter 45, die in Städten lebten.

Widersprüchliche Ergebnisse


Gleichzeitig gibt es allerdings auch Erhebungen, die auf ein überproportional hohes Risiko für bestimmte Verletzungen, wie etwa durch Autounfälle oder Selbstmorde, in ländlichen Gebieten hindeuten. Wird die Gefahr in Städten also möglicherweise überschätzt? Diese Frage war der Startpunkt für die aktuelle Studie des Teams um Sage Myers von der University of Pennsylvania in Philadelphia. Die Wissenschaftler untersuchten, wo sich die 1.295.919 Todesfälle durch Verletzungen und Vergiftungen ereignet hatten, die für den Zeitraum 1999 bis 2006 erfasst waren. Sie teilten dabei die über 3.000 Counties der USA – entsprechend unseren Landkreisen – basierend auf Bevölkerungsgröße und -dichte in zehn Kategorien ein: von sehr ländlich bis großstädtisch. Erfasst wurden Todesfälle durch Schnittverletzungen, Ertrinken, Fallen, Feuer, Waffen, Maschinen, Transportsysteme inklusive Autos, umweltbedingte Einflüsse wie Überschwemmungen, Tierangriffe oder Kälte, Überanstrengung, Vergiftung, Schläge durch Objekte oder Personen sowie Ersticken – ob nun in Form von Unfällen, Morden oder Selbstmorden.

Die häufigsten Ursachen: "Autos, Schusswaffen und Drogen beziehungsweise Medikamente sind die unheilige Dreifaltigkeit, die für die überwältigende Mehrheit der Todesfälle durch Verletzungen in den USA verantwortlich sind", fasst Studienleiter Sage Myers zusammen. Insgesamt lag die Todesrate durch solche Ursachen im Schnitt bei 56,2 von 100.000 Personen – in Deutschland betrug sie im Jahr 2011 zum Vergleich 41,24. Von den 56,2 gingen 37,5 auf Unfälle zurück und 17 eindeutig auf absichtliche Verletzungen, also Mord oder Selbstmord. Die restlichen waren nicht klar zuzuordnen.


Weniger tödliche Verletzungen in der Stadt


Überraschenderweise war das Risiko für tödliche Verletzungen in den städtisch geprägten Counties jedoch nicht höher, sondern sogar um 20 Prozent niedriger als in den ländlichen, ergab die Auswertung. Zwar sind Morde in Großstädten tatsächlich häufiger, sie fallen aber nur wenig ins Gewicht, bedenkt man, dass das Risiko für eine unbeabsichtigte tödliche Verletzung im Schnitt fünfzehnmal höher liegt. Allein das Risiko für einen Autounfall ist in ländlicheren Gegenden mit 27,61 Todesfällen pro 100.000 Personen sehr viel höher als in städtischen mit nur 10,58 pro 100.000 – und schon das wiegt den Verbrechens-Effekt mehr als auf.

Interessant sind auch die Einflüsse von Bildung und Bevölkerungsstruktur, berichtet das Team. Überraschenderweise finden sich in den ländlichen Counties mit dem größten Anteil von gebildeten Einwohnern und einem höheren mittleren Einkommen nicht etwa weniger, sondern sogar mehr verletzungsbedingte Todesfälle als in Counties mit niedrigem Bildungs- und Einkommensniveau. Counties mit einem hohen Anteil an schwarzer Bevölkerung haben zudem weniger derartige Todesfälle zu verzeichnen als solche mit wenig schwarzen Einwohnern.

Die Gründe für diese Verteilung müssten nun als nächstes sorgfältig geprüft und, wo möglich, behoben werden, kommentieren die Forscher. Zudem sollten die Zahlen in Bezug auf die Ausstattung und Verteilung von Notaufnahmen und Traumazentren zu denken geben: Gerade in ländlichen Gebieten, wo die Gefahr offenbar am größten ist, sei die Erreichbarkeit solcher Einrichtungen meist eher schwierig. Und zu guter Letzt sollten die Zahlen auch umzugswilligen Städtern zu denken geben, betont Myers: "Diese Ergebnisse könnten dazu führen, dass Leute, die aufgrund von Sicherheitsbedenken die Stadt zugunsten eines ländlichen Gebiets verlassen wollen, ihre Motivation für den Umzug noch einmal überdenken."
(University of Pennsylvania, 24.07.2013 - ILB)
 
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