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Samstag, 01.10.2016
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Ansteckende Begeisterung im Gehirn verortet

Aktivität in einem Hirnareal entscheidet darüber, was wir bei Twitter und Co. weitergeben

Werden Ideen mit Begeisterung vorgetragen, verbreiten sie sich meist rasend schnell - sie sind ansteckend. Was aber entscheidet darüber, was wir bei Twitter, Facebook oder im Gespräch weitergeben und was nicht? Forschern ist es erstmals gelungen, eine Hirnregion zu identifizieren, die aktiv wird, wenn wir etwas gut finden - und es sogar unbedingt mit anderen teilen wollen. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal "Psychological Science".
TPJ an begeisterter Weitergabe von Nachrichten beteiligt

TPJ an begeisterter Weitergabe von Nachrichten beteiligt

"Wir sind ständig Informationen ausgesetzt - auf Facebook, Twitter und so weiter", sagt Studienleiter Matthew Lieberman von der University of California in Los Angeles (UCLA). "Einige Nachrichten davon erzählen wir weiter, die meisten jedoch nicht. Gibt es etwas, das in genau dem Moment passiert, wenn wir eine Nachricht zum ersten Mal hören - vielleicht sogar schon bevor wir überhaupt wissen, dass wir sie weitergeben - das bei den weitererzählten Nachrichten anders ist als bei den anderen?" Genau das wollten Lieberman und seine Kollegin Emily Falk herausfinden. Sie wollten wissen, welche Hirnregion aktiviert wird, wenn die Teilnehmer erstmals mit genau der Information konfrontiert werden, die sie später - mit Begeisterung - an andere weiter geben.

Ideen für Fernseh-Serien als Testfall


Im ersten Teil der Studie führten die Wissenschaftler Hirnscans von 19 Studenten per funktioneller Kernspintomographie (fMRT) durch, während andere Studenten diesen Ideen zu 24 neuen Pilotsendungen im Fernsehen präsentierten. Die Probanden sollten sich in die Rolle von Angestellten eines Senders versetzen und bewerten, ob sie diese Idee für gut genug hielten, um sie ihrem Chef, dem Produzenten, vorzustellen. Anschließend erstellten die Probanden zu jeder Serien-Idee ein Video, in dem sie die Idee vorstellten. Weitere 79 Studenten schlüpften in die Rolle der Fernsehproduzenten. Sie sollten ausschließlich anhand der Videoaufnahmen entscheiden, welche Idee umgesetzt wird.

Die Hirnscans zeigten: Bei den Teilnehmern, die eine spätere Gewinner-Idee präsentierten, zeigte eine bestimmte Hirnregion eine starke Aktivierung - und zwar in genau dem Moment als sie erstmals von dieser Idee hörten. Diese temporoparietale Übergangsregion (TPJ) ist Teil des sogenannten "Mental-Netzwerks". Schon länger vermutete man, dass dieses Areal zum Beispiel aktiviert wird, wenn wir gute Ideen haben und diese mit anderen Menschen teilen wollen.


Mehr Aktivität im PTJ-Areal - mehr Erfolg


Die Pilotserien, die den Probanden auf Nachfrage nicht so gut gefielen, lösten dagegen eine viel geringere Aktivität in diesem Areal aus. Gleichzeitig konnten sie auch die Fernsehproduzenten nicht überzeugen. Die PTJ-Aktivität war bei den Probanden mit erfolgreichen Videos höher als bei den Studienteilnehmern, die nicht so überzeugend waren. Psychologen nennen dies den typischen Verkäufer-Effekt: "Vor dieser Studie wussten wir nichts darüber", sagt Erstautorin Emily Falk. "Jetzt haben wir eine Landkarte des Gehirns angefertigt, wo die Regionen zu finden sind, die mit ansteckenden Ideen assoziiert sind und die jemanden zu einem guten Verkäufer machen".

Und noch etwas Überraschendes fanden die Forscher heraus: Das Mentalnetzwerk ist auch daran beteiligt, wie wir über die Gedanken und Gefühle unserer Mitmenschen denken. "Unsere Studie liefert auch Beweise dafür, dass Menschen darauf programmiert sind, Dinge die sie sehen oder Informationen direkt darauf zu prüfen, ob diese auch für andere Personen interessant sein könnten", so Studienleiter Matthew Lieberman. "Es sieht so aus, als wären wir ständig auf der Suche nach Mitmenschen, die dieses oder jenes interessant oder lustig finden könnten, unser Gehirn liefert die Beweise dafür. Wir wollen Informationen teilen, so ist die soziale Natur unseres Gehirns", berichtet Lieberman.

Die Ergebnisse der Psychologen könnten vielfältig genutzt werden: für erfolgreiche Gesundheitskampagnen, für eine verbesserte Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern und auch in der Werbung.
(University of California, 10.07.2013 - SEN)
 
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