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Dienstag, 06.12.2016
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Nächtlicher Fluglärm schädigt die Blutgefäße

Wiederholter Lärm löst selbst bei jungen, gesunden Menschen messbare Schäden aus

Dass Fluglärm nicht gerade gesund ist, war schon länger bekannt. Jetzt haben Forscher erstmals konkret festgestellt, wie der dadurch ausgelöste Stress die Blutgefäße selbst bei gesunden Menschen schädigt. Das Ergebnis: Je mehr und häufiger der Lärm, desto steifer und unelastischer werden die Adern. Zudem gibt es Anzeichen dafür, dass sich der Körper nicht an wiederholte Nächte mit Fluglärm gewöhnt, sondern dass dies die schädliche Wirkung sogar noch verstärkt, so die Wissenschaftler im Fachmagazin "European Heart Journal".
Flugzeug - Quelle starker Lärmbelastung

Flugzeug - Quelle starker Lärmbelastung

„Wir wissen, dass Fluglärm Bluthochdruck, Herzinfarkte und auch Schlaganfälle auslösen kann. Die genauen Mechanismen, die zu diesen Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen, waren bisher jedoch nicht bekannt“, so Thomas Münzel von der Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz und Leiter der Studie. Seiner Einschätzung nach bedeuten die Ergebnisse der Studie einen Durchbruch im Bereich der Fluglärmforschung: „Diese Studie zeigt ganz konkret auf, wie und bei welchen Schallpegeln Gefäßschäden entstehen.“

Gefäßfunktion signifikant verschlechtert


Im Rahmen der Studie setzten die Forscher 75 gesunde Männer – ohne diagnostizierte Vorschädigung des Herz-Kreislauf-Systems – in zufälliger Abfolge während des Schlafs drei unterschiedlichen Lärmszenarien aus. Das Durchschnittsalter der Probanden lag bei 26 Jahren. „In diesen Lärmszenarien haben wir Nachtflüge mit einem durchschnittlichen Lärmwert von 60 Dezibel simuliert und die Probanden zu Hause dieser Lärmbelastung in einem Feldversuch ausgesetzt", erklärt Frank Schmidt, der die Studie durchgeführt hat. "Mal waren es 30, mal 60 simulierte Nachtflüge. Zur Kontrolle hatten wir auch ein ´lärmfreies Nacht-Szenario´."

Die Wissenschaftler stellten fest, dass Nachtfluglärm bei den Probanden das Stresshormon Adrenalin steigerte und die Gefäßfunktion, die mit hochauflösenden Ultraschallgeräten gemessen wurde, signifikant verschlechterte. „Unsere Studienergebnisse belegen, dass in dem Maße, in dem die Fluggeräusche zunehmen, die Erweiterungsfähigkeit der Arterien abnimmt und sich eine sogenannte endotheliale Dysfunktion entwickelt“, berichtet Schmidt. Es sei dabei eine klare dosisabhängige Verschlechterung zu erkennen. Das stimme gut mit vorherigen Studien überein, nach denen gestörter Schlaf oder zu wenig Schlaf die Gefäßfunktion stören kann.


„Ebenso konnten wir einen sogenannten „priming“-Effekt feststellen: Eine Beschallung mit 30 Überflügen induzierte bei einer nachfolgenden Nacht mit 60 Überflügen eine deutlich schlechtere Gefäßfunktion. Das bedeutet, dass man sich im Rahmen von mehreren Beschallungen nicht an den Fluglärm gewöhnt, sondern das Ausmaß der Gefäßschäden eher zunimmt“, ergänzt Professor Münzel. Das müsse aber in weiteren Studien intensiv geprüft werden.

Oxidativer Stress als Ursache


„Bemerkenswert ist, dass sich die durch Lärm ausgelöste Gefäßschädigung durch Vitamin C korrigieren lässt“ betont Münzel. In der Konsequenz bedeutet dies, dass in den Gefäßen als Folge der Verlärmung viele freie Radikale gebildet werden, die die Gefäßfunktion negativ beeinflussen. Somit besteht Grund zur Annahme, dass die Verschlechterung der Gefäßfunktion durch oxidativen Stress ein wichtiger Mechanismus für die Entstehung von lärmbedingtem Bluthochdruck und möglicherweise dessen Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall ist.

„Nächtlicher Fluglärm ist damit als wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bewerten. Daher sollte die Lärmbelastung der Bevölkerung möglichst gering gehalten werden. Um unsere Patienten zu schützen, fordern wir deshalb erneut mit Nachdruck eine deutliche Entlastung des Geländes der Universitätsmedizin mit allen Kliniken in Mainz“, sagt Norbert Pfeiffer, Medizinischer Vorstand und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Mainz. (European Heart Journal, 2013; doi: 10.1093/eurheartj/eht269)
(Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 03.07.2013 - NPO)
 
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