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Mittwoch, 28.09.2016
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Fröhlichen Frauen traut man den Chefposten nicht zu

Führungsstärke von Männer und Frauen wird noch immer an Stereotypen gemessen

Wer als Frau einen Chefposten ergattern will, sollte tunlichst jede Fröhlichkeit am Arbeitsplatz vermeiden. Denn wirken sie zu fröhlich, traut man ihnen weniger Führungswillen und Durchsetzungsvermögen zu als Männern, die das gleiche Verhalten zeigen. Das haben deutsche Forscherinnen in mehreren Experimenten herausgefunden. Interessanterweise waren es dabei meist die Frauen, die andere Frauen kritischer beurteilten und Männern mehr Führungskraft zutrauten.
Chefposten: Für Frauen gelten nach wie vor andere Erwartungen

Chefposten: Für Frauen gelten nach wie vor andere Erwartungen

Sie müssen besser verhandeln, Netzwerke knüpfen, Karrierestrategien entwerfen – so lauten meist die Rezepte, mit denen mehr Frauen Führungspositionen erreichen sollen. „Doch diese Konzepte reichen nicht“, sagt Isabell Welpe von der Technischen Universität München (TUM). „Sie lassen die Stereotype außer Acht, die bei der Einschätzung von Spitzenpersonal im Unterbewusstsein eine entscheidende Rolle spielen: Führungskräfte sollen durchsetzungsstark, dominant und hart sein, Frauen gelten dagegen als ausgleichend, freundlich, sozial.“

Vorurteile bei beiden Geschlechtern vorhanden


Im Rahmen ihres Projekts erforschen Welpe und ihre Kolleginnen, welche Mechanismen bei der Auswahl und Beurteilung von Führungskräften in Wirtschaft und Wissenschaft tatsächlich wirken und wie man Verzerrungen in der Wahrnehmung entgegenwirken kann. Dafür spielten die Forscherinnen zufällig ausgewählten Versuchspersonen verschiedene Szenarien vor, in denen potenzielle Führungskräfte und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern interagierten. Anschließend fragten sie die Wahrnehmung und die Erwartungshaltung der Testpersonen ab.

Dabei zeigte sich, dass das Frauen und Männer in Führungspositionen unterschiedlich beurteilt werden - auch wenn sich diese völlig gleich verhalten: Bekamen Angestellte in einem Szenario eine Aufgabe übertragen, erwarteten die Testpersonen eine bessere Leistung, wenn ein Mann die Arbeit delegiert hatte.


Frauen bewerten weibliche Chefs kritischer


In einem anderen Szenario gaben Vorgesetzte beim Delegieren von Aufgaben ihren Mitarbeitern mal mehr, mal weniger Entscheidungsfreiheit. Alle Testpersonen hielten Führungskräfte für geeigneter, die mehr Freiheit lassen. Dabei zeigte sich jedoch, dass Frauen ihre Geschlechtsgenossinnen eher kritischer bewerteten als die Männer: Bei den weiblichen Teilnehmerinnen schnitten weibliche Vorgesetzte, die wenig delegierten, noch schlechter ab als männliche Chefs mit dem gleichen Verhalten.

„Männern in Führungspositionen wird nach wie vor mehr Durchsetzungsfähigkeit gegenüber ihren Mitarbeitern zugetraut“, sagt Welpe. „Überraschend ist, dass manche Stereotype gegenüber Frauen bei den Frauen selbst sogar ausgeprägter sind – wenn sie etwa einen dominanten Führungsstil bei Männern eher akzeptieren.“

Fröhlich sein ist kontraproduktiv


Wie aber lassen sich diese Stereotype durchbrechen? Einen Hinweis darauf geben vorhergehende Studien. Denn diese zeigen: Wer als führungswillig gesehen wird, hat größere Chancen, tatsächlich auf einen leitenden Posten befördert zu werden. Für Frauen ist das oft ein Nachteil, da sie mit ihrem eher kooperativen Arbeitsstil häufig als weniger an Führung interessiert wahrgenommen werden. Warum das so ist, haben die Münchener Forscherinnen jetzt ebenfalls untersucht.

Sie spielten dazu ihren Testpersonen Szenarien vor, in denen Männer und Frauen fröhlich waren, Stolz auf die eigene Leistung oder aber keinerlei Emotionen zeigten. Wieder sollten die Teilnehmer angeben, für wie geeignet sie die gezeigten Personen für eine leitende Position hielten und wie führungswillig sie diejenigen einschätzten. Das Ergebnis: Diejenigen, die stolz wirkten, wurden als führungswilliger beurteilt, fröhliche Personen dagegen eher weniger - und Frauen, die fröhlich waren am allerwenigsten. Offenbar wird ihnen die Fröhlichkeit am ehesten als Schwäche oder mangelnde Dominanz ausgelegt. „Vor allem fröhlich wirkenden Frauen wird wenig Führungswillen zugetraut“, sagt Welpe. „Umso größer ist die Wirkung, wenn sie Stolz zeigen.“

Aus ihren Erkenntnissen wollen die Wissenschaftlerinnen Schulungen entwickeln. Diese sollen Unternehmen und Wissenschaftsorganisationen helfen, Potenzial und Leistung von Frauen und Männern ohne Einfluss von Stereotypen zu beurteilen.
(Technische Universität München, 04.06.2013 - NPO)
 
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