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Mittwoch, 28.09.2016
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Dioxin erhöht Risiko für aggressiven Protstatakrebs

75 Prozent mehr Tumorfälle bei US-Veteranen nach Kontakt mit dioxinhaltigem Agent Orange

Eine bisher unerkannte Spätfolge des Vietnamkrieges hat jetzt ein US-Forscherteam aufgedeckt: Veteranen, die dem dioxinhaltigen Entlaubungsmittel Agent Orange ausgesetzt waren, haben ein 75 Prozent erhöhtes Risiko, an einer besonders aggressiven Form des Prostatakrebses zu erkranken. Dies zeige die langanhaltenden Risiken, die mit dioxinhaltigen Chemikalien verbunden sein, warnen die Wissenschaftler im Fachmagazin "Cancer". Dieses Gift wird als Zwischenprodukt chemischer Prozessketten und bei der Abfallverbrennung noch immer produziert.
Krebszellen

Krebszellen

Agent Orange war der Codename für ein Ende der 1960er Jahre im Vietnamkrieg eingesetztes Herbizid. Dieses bestand aus zwei Chemikalien, die das pflanzliche Wachstumshormon Auxin nachahmen und die Pflanzen zu übermäßigem Wachstum anregen. Als Folge werfen diese ihre Blätter ab - und genau dies war das Ziel der Operation. Denn die Entlaubung sollte den Vietkong ihre Deckung nehmen und die Zivilbevölkerung dazu bringen, ihre Dörfer zu verlassen. Schon kurz nach dem Krieg stellte sich jedoch heraus, dass das Agent Orange mit Dioxin verseucht war - einem hochgradig krebserregenden und erbgutschädigenden Gift.

Tausendfache Missbildungen und Krebs


Als Folge wurden hunderttausende von Vietnamesen schwer krank, entwickelten Tumore und gebaren stark missgebildete Kinder. Auch bei US-Veteranen häuften sich Fälle von Lymphdrüsenkrebs, Leukämien und anderen Krebsarten. Ob die Dioxin-Verseuchung auch das Risiko für Prostatakrebs erhöht, ließ sich vorher nicht eindeutig feststellen, denn diese Krebsart tritt typischerweise erst bei älteren Männern auf. "Jetzt aber sind die meisten Vietnam-Veteranen in ihren 60ern - in dem Alter, in dem Prostatakrebs am häufigsten diagnostiziert wird", erklären Nathan Ansbaugh von der Oregon Health and Science University in Portland und seine Kollegen.

Für ihre Studie werteten sie nun die Daten von 2.720 Vietnam-Veteranen aus, die sich wegen eines positiven Befunds im Portland Veterans Administration Medical Center einer Biopsie unterzogen hatten. Dabei prüften sie, ob es einen Zusammenhang gab zwischen dem Grad der früheren Belastung mit Agent Orange - die aus den Krankenakten hervorging - und der Häufigkeit und Art des Prostatakrebses.


75 Prozent höheres Risiko für aggressive Tumore


Das Ergebnis: Bei Veteranen, die früher dem Entlaubungsmittel ausgesetzt waren, wurde doppelt so häufig Prostatakrebs diagnostiziert wie bei nicht exponierten Veteranen. Noch deutlicher aber war der Unterschied bei der besonders aggressiven Form dieses Krebses: Für diese erhöhte sich das Risiko sogar um 75 Prozent, wie die Forscher berichten. Das Agent Orange habe offenbar einen spezifischen und starken Effekt auf die aggressiven Tumore. Die nur langsam wachsende und selten metastasierende Krebsvariante werde dagegen nur wenig gefördert.

"Das ist ein wichtiger Unterschied, denn die Mehrheit der Prostatatumore sind nicht tödlich und erfordern keine aggressive Therapie", erklärt Studienleiter Mark Garzotto von der von der Oregon Health and Science University. Wenn man aber wisse, dass die Wahrscheinlichkeit für einen aggressiven Tumor bei denjenigen steige, die Agent Orange oder andere dioxinhaltigen Chemikalien ausgesetzt waren, dann könne man diese Patienten gezielter untersuchen und im Sinne einer Früherkennung überwachen.

"Unsere Ergebnisse sind aber auch eine erneute Warnung davor, welche potenziellen Folgen chemische Kontaminationen in Pestiziden haben können", konstatiert Garzotto. Das gelte nicht nur für Kriegszeiten. (Cancer , 2013; doi: 10.1002/cncr.27941)
(Cancer, 13.05.2013 - NPO)
 
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