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Montag, 05.12.2016
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Neues Influenza-Virus: Kandidat für eine Pandemie?

In China aufgetauchter Vogelgrippe-Erreger H7N9 macht Seuchenexperten Sorgen

Ein in China aufgetretenes neues Vogelgrippe-Virus sorgt weltweit weiterhin für Sorge. Influenza-A H7N9 befällt bisher vorwiegend Vögel, kann aber auch auf den Menschen übertragen werden. Bisher wurden schon mehr als 100 Erkrankungsfälle gemeldet, 20 endeten tödlich. Noch sei nicht klar, ob diese neue Vogelgrippe-Variante eine Pandemie auslösen könne oder möglicherweise von selbst wieder verschwinde, heißt es bei den Seuchenexperten der Centers for Disease Control (CSDC) in Atlanta. Es gibt aber erste Hinweise darauf, dass das Virus auch von Mensch zu Mensch übertragbar ist.
Influenza A (H7N9)

Influenza A (H7N9)

Das neue Vogelgrippevirus, nach der Zusammensetzung seiner Oberflächenproteine H7N9 genannt, tauchte erstmals Anfang April in China auf. Wie die Behörden meldeten, entwickelten drei Menschen nach engem Kontakt mit Geflügel schwere Atemwegsbeschwerden. Wenig später traten weitere Fälle sowohl in Schanghai und Umgebung als auch in anderen, hunderte von Kilometern entfernten Städten auf, einige Menschen starben. Untersuchungen zeigten, dass ein Influenzavirus schuld daran war, das normalerweise nur in Geflügel vorkommt. "Dies ist das erste Mal, dass dieser Vogelgrippe-Subtyp bei Menschen nachgewiesen wurde", erklärt das CDC. Er unterscheide sich von dem bisher bei Vögeln bekannten H7N9-Typ.

Virentyp ist für unser Immunsystem komplett neu


Sorge bereiten den Seuchenexperten vor allem zwei Dinge: Zum einen handelt es sich um einen Virustyp, mit dem das menschliche Immunsystem zuvor noch nicht konfrontiert war. Es verfügt daher über keine Vorimmunität gegen diesen Erreger. Eine Infektion verläuft daher weitaus schwerer als bei einer gewöhnlichen Grippe. Die Mortalität wäre hoch. Zum anderen aber sind inzwischen einige Fälle aufgetreten, in denen die Infizierten vorher keinen Kontakt zu Geflügel hatten. Das könnte darauf hindeuten, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen worden ist. Solange dies nur in Ausnahmefällen geschieht, ist das kein Drama, das gab es auch bei früheren Vogelgrippe-Epidemien schon.

Sollte das Virus aber mutieren und so die Fähigkeit entwickeln, leicht zwischen Menschen überzuspringen, dann könnte dies eine Pandemie auslösen. "Influenzaviren verändern sich kontinuierlich und es ist möglich, dass dieses Virus diese Fähigkeit gewinnt", heißt es bei der CDC. Da die Mortalität bei den bisher berichteten fällen relativ hoch war, wären die Folgen erheblich. "Wir werden den nächsten Monat lang mit angehaltenem Atem dasitzen und schauen, was passiert", kommentiert Michael Osterholm von der University of Minnesota im Fachmagazin "Nature".


Erste Mutationen sind schon erfolgt


Das CDC hat bereits mehrere Isolate des Virus erhalten und sie genetisch analysiert. Aus diesen Untersuchungen geht hervor, dass eine Schlüsselkomponente von H7N9, das Oberflächenprotein Hämagglutinin (H), bereits Mutationen enthält, die ihm die Bindung an menschliche Zellen ermöglicht. Jetzt komme es darauf an, ob sich dieses Protein weiter verändert und so eine ungehinderte und effektive Übertragung zwischen Menschen möglich macht, so die Experten.

Sollte H7N9 Pandemie-Potenzial entwickeln, wäre eine Bekämpfung extrem schwierig, warnt das CDC. Weil die Infektion bei Vögeln keine Symptome auslöst, ist von außen nicht zu erkennen, ob ein Vogel oder ein Bestand befallen ist oder nicht. "Das bedeutet, dass es unmöglich ist, die Übertragung von Tier zu Tier zu verhindern", erklärt Masato Tashiro vom WHO Influenza Referenzzentrum in Tokio. Das aber erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Viren auf den Menschen überspringen und dort mutieren. Da es bisher keine Impfstoffe gegen diesen Subtyp gibt, können Menschen nicht gegen eine Infektion geschützt werden.

FAQ der Weltgesundheitsorganisation WHO zu H7N9
(CDC/ Nature, 23.04.2013 - NPO)
 
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