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Sonntag, 25.09.2016
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Ötzi hatte schlechte Zähne

Forscher haben erstmals das Gebiss der Eismumie näher untersucht

Jeder Zahnarzt hätte die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen: Denn Ötzi litt neben Karies und Parodontose auch an Zahnschmelzverletzungen und starkem Abrieb der Zähne. Diese neuen Erkenntnisse über das Gebiss des Eismannes geben Hinweise auf sein Ernährungsverhalten, so die Forscher im Fachmagazin "European Journal of Oral Sciences".
Ötzi - die Mumie im Prähistorischen Museum von Quinson, Alpes-de-Haute-Provence, Frankreich.

Ötzi - die Mumie im Prähistorischen Museum von Quinson, Alpes-de-Haute-Provence, Frankreich.

Viele Legenden ranken sich um den rätselhaften Mann aus dem Eis. Doch durch den Einsatz modernster Technologien, insbesondere neuer bildgebender Verfahren haben Forscher in den letzten Jahren viele Erkenntnisse über den Ötzi sammeln können. Nur die Zähne waren in der 20 jährigen Forschung bisher kaum beachtet worden. Nun hat Roger Seiler - Zahnarzt am Zentrum für Evolutionäre Medizin der Universität Zürich - die Zähne des Eismannes mittels Computertomografie untersucht.

Blick in den Mund


Die computertomographischen dreidimensionalen Rekonstruktionen geben einen Einblick in die Mundhöhle des Eismannes. Das Ergebnis: Erstaunlicherweise zeigte Ötzi zahlreiche, auch heutzutage noch weitverbreitete Erkrankungen an den Zähnen und dem Zahnhalteapparat. Wie Frank Rühli, Leiter der Studie, zudem erklärt, litt Ötzi an einer starken Zahnabschleifung, an Karies und hatte einen vermutlich unfallbedingt abgestorbenen Frontzahn.

"Der Schwund des Zahnhalteapparates war schon immer eine sehr häufige Erkrankung, wie Schädelfunde aus der Steinzeit oder die Untersuchung ägyptischer Mumien zeigen. Ötzi erlaubt uns einen speziell guten Einblick in eine solch frühe Form dieser Erkrankung", erklärt Seiler, der auf die Untersuchung von Zahnerkrankungen vergangener Zeiten spezialisiert ist.


Blick auf die rechte Seite der Zahnreihen (3D-Rekonstruktion).

Blick auf die rechte Seite der Zahnreihen (3D-Rekonstruktion).

Und Paradontitis


Und noch eine weitere, uns bis heute vertraute Erkrankung, konnten die Forscher nachweisen: Die Mumie aus dem Eis hatte fortgeschrittene Parodontitis. So fand Seiler vor allem im Bereich der hinteren Backenzähne einen Verlust des Stützgewebes, der beinahe die Wurzelspitze erreichte. Heute wird Paradontitis mit den Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems in Zusammenhang gebracht. Vorherige Studien anderer Wissenschaftler hatten bereits gezeigt, dass Ötzi auch an genetisch bedingter Arterienverkalkung litt.

Die Karies hingegen sei auf die vermehrt stärkehaltige Nahrung wie Brot und Getreidebrei zurückzuführen, die durch den beginnenden Ackerbau in der Jungsteinzeit zunehmend konsumiert wurde, so die Forscher. Zudem war die Nahrung durch Verunreinigungen und den Abrieb der Mahlsteine stark abschleifend, was die abgeschliffenen Zähne des Eismannes erklären würde. Und auch die unfallbedingten Zahnschäden geben nach Ansicht der Forscher Einblick in das Leben des Ötzi. Sie seien, wie seine anderen Verletzungen, Zeugen des rauen Lebens in jener Zeit. (European Journal of Oral Sciences, 2013; doi: 10.1111/eos.12037)
(Universität Zürich, 10.04.2013 - KBE)
 
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