Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 09.02.2012
Kettenreaktion in Computer-Netzen ausgebremst
Computermodell zeigt, wie Stromausfälle und Internethavarien verhindert werden könnten
Netzwerke wie das Internet oder die Stromversorgung sind sensible Gebilde. Fällt nur ein Knotenpunkt aus, kann das gesamte Netz zusammenbrechen. Einem Dresdner Physiker ist es jetzt in einem Computermodell gelungen, die fatalen Kettenreaktionen zu verhindern und damit einen Schutz gegen Stromausfälle oder Angriffe auf Computernetze zu entwickeln.

Dominoeffekt in Computernetzwerken
Dominoeffekt in Computernetzwerken
© Hermera Photo Objects
Stromnetze oder Computernetzwerke sind deshalb so sensibel, weil sie äußerst komplex und hierarchisch aufgebaut sind. Sie bestehen aus Knoten - zum Beispiel Servern oder Kraftwerken - die wieder mit anderen Knoten verbunden sind. Diese Netzwerke sind empfindlich gegen sich wellenartig ausbreitende Ausfälle, die dann eintreten, wenn große, stark vernetzte Knoten abrupt vom Netz getrennt werden. Stromnetze oder Computernetzwerke können durch den Ausfall weniger Knoten komplett zusammenbrechen. Denn obwohl diese einzelnen Ausfälle kaum Folgen für die Verbindungen innerhalb des Netzwerks haben, ziehen sie eine Kettenreaktion weiterer Ausfälle nach sich, die schließlich das gesamte Netz zum Erliegen bringen. Der stundenlange Stromausfall, der am 14. August 2003 den Nordosten der USA lahm legte, war ein solches Beispiel.

Peripherie entlastet Zentrum
Adilson Motter vom Dresdner Max-Planck-Institut für Physik zeigte nun mit einem idealisierten Modell, dass es auch in Infrastrukturnetzen, wie Stromnetzen oder Computernetzwerken, möglich sein könnte, die durch Angriffe auf zentrale Knoten ausgelösten Kettenreaktionen, wirkungsvoll zu unterdrücken, wenn man unmittelbar nach den ersten Angriffen oder Ausfällen periphere Knoten in diesem Netzwerk abschaltet. In den meisten Netzwerken sind einzelne Knoten stärker belastet als andere. Bisherige Studien hatten bereits gezeigt, dass sich der Ausfall solcher zentraler Knoten - wie der backbone router im Internet - kaskadenartig ausbreitet und in einer Kettenreaktion immer mehr Ausfälle erzeugt. Hingegen hat der Ausfall peripherer Knoten wenig Folgen. Das Netzmodell von Motter zeigte nun, dass das gezielte Abschalten peripherer Knoten nach dem ersten Ausfall, also noch vor der Ausbreitung der Kettenreaktion, der Schlüssel sein könnte, um das Ausmaß der Katastrophe zu beschränken.

„Gegenfeuer“ löschen Netz-„Brand“
Die so genannte "Kaskaden-Kontrolle" beruht darauf, dass periphere Knoten wesentlich zur Gesamtlast beitragen. Werden sie abgeschaltet, bewahrt das das Gesamtnetz vor Überlastung. Umgekehrt kann das selektive Unterbrechen der Verbindungen zwischen den Knoten die Ausbreitung der Kaskade einschränken. Die Methode ähnelt damit dem Löschen von Waldbränden, die durch Schneisen und gezielt gelegte Gegenfeuer unter Kontrolle gebracht werden. Die neuen Forschungsergebnisse könnten potentiell geeignet sein, das Ausmaß kaskadenartiger Ausfälle, wie sie zum Beispiel durch Hacker im Internet oder Terroristen in Stromnetzen verursacht werden könnten, zu begrenzen.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Internet, Strom, Stromversorgung, Netz
Weitere News zum Thema
Online-Freundeskreis färbt nicht ab (21.12.2011)
Vorlieben anderer werden nur in Ausnahmefällen übernommen
Glasfaser zählt Atome (08.12.2011)
Forscher entwickeln extrem empfindliche Methode zum Detektieren von Atomen
Gehirn verrät Größe des Facebook-Freundeskreises (19.10.2011)
Forscher ermitteln erstmals neuronalen Hintergrund von virtuellen Beziehungen
Niedersachsens Untergrund als 3D-Modell (12.10.2011)
LBEG veröffentlicht dreidimensionalen Atlas
Opfer von "Cyber-Mobbing" leiden stärker (08.08.2011)
Langfristige psychische Folgen wurden besonders bei Jugendlichen festgestellt
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Computer der Zukunft
Rechnen mit Quanten, Licht und DNA
Künstliche Intelligenz
Wenn Maschinen zu denken beginnen...
Simulierte Welten
Modelle der Natur im Computer
Waldbrände
Fluch oder Segen für die Natur?
News des Tages
Kettenreaktion in Computer-Netzen ausgebremst
Zugvögel: Kompass im Auge
Haiti: Hunderte Tote nach Tropensturm "Jeanne"
Holzhandel bedroht Orang-Utans
Mehr Herz für Kinder
Wolken in der Nationalgalerie
Greenpeace: Trauben stark pestizidbelastet
Hirnforschung: Zurück auf Anfang
Bücher zum Thema
Menschmaschinen
Wie uns die Zukunftstechnologien neu erschaffen von Rodney Brooks
Das Affenpuzzle
Und weitere bad news aus der Computerwelt von David Harel
Projekt Zukunft
Die Megatrends in Wissenschaft und Technik von Hans-Jürgen Warnecke
Top-Clicks der Woche
1. Wie der Maulwurf zu zwölf Fingern kommt
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
4. Erster Nano-Blick in das lebende Gehirn
5. Tempolimit auf dem Quanten-Highway