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Sonntag, 11.12.2016
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Soja für deutsches Klima

Forscher wollen Deutschlands Selbstversorgungsgrad mit Öko-Soja steigern

In Stuttgart und am Oberrhein wächst er bereits: deutscher Soja. Der Markt boomt, die Tofu-Nachfrage wächst Jahr für Jahr und auch Soja-Milch verkauft sich immer besser. Außerdem hat die Pflanze aus Ostasien einen sehr hohen Futterwert – zudem sei sie gut für den Boden, so Volker Hahn von der Universität Hohenheim. Deshalb versucht er nun die Sojabohne durch Züchtung an die hiesigen Wetterbedingungen anzupassen. Ziel ist ein höherer Eiweißgehalt und eine frühere Ernte. Mitte April werden die Versuchspflanzen ausgesät.
In anderen Ländern ist die Bohne bereits einer der wichtigsten Futtermittellieferanten.

In anderen Ländern ist die Bohne bereits einer der wichtigsten Futtermittellieferanten.

In Freiburg steht Europas größtes Tofu-Werk. Auch Öko-Landwirte aus der Oberrheinischen Tiefebene beliefern die Fabrik mit Soja. Die gesamte deutsche Anbaufläche beläuft sich inzwischen auf gut 5.000 Hektar entlang des Rheins und der Donau. „Soja ist ein Wachstumsmarkt“, stellt Volker Hahn von der Landessaatzuchtanstalt an der Universität Hohenheim fest. „Die Nachfrage nach Tofu-Produkten und Soja-Milch steigt seit Jahren.“ Tatsächlich haben deutsche Landwirte laut Statistischem Bundesamt 2011 über 3,1 Millionen Tonnen Sojabohnen importiert, um damit ihr Vieh zu füttern. Der meiste Soja stammt aus Brasilien, Paraguay und den USA. Hinzu kommen rund 10.600 Tonnen Sojamehl, fast 68.000 Tonnen Sojaöle und über 3,4 Millionen Tonnen Soja-Extraktionsschrot.

Diesen Einfuhr-Mengen stehen nur sehr geringe Mengen an Soja-Produkten aus deutschem Anbau gegenüber. Doch diese Zahl sei steigerungsfähig, sagt Hahn. Voraussetzung dafür seien spezielle Sorten, die mit dem hiesigen Klima besser zurechtkommen. Denn der subtropischen Pflanze setzen die kühlen Sommernächte unserer Breiten zu - sie wird erst im Oktober reif.

Mehr Eiweiß, frühere Ernte, gute Tofu-Qualität


Deshalb sät Hahn Mitte April auf den Feldern der Versuchsstationen Kleinhohenheim und Eckartsweier bei Kehl von ihm gezüchtete Sojavarianten aus. Der Forscher möchte ihn fit für die Unbilden der deutschen Witterung machen. Sein Ziel sind Öko-Sojabohnen, die bei gleichem Ertrag schon zwei Wochen früher als heute geerntet werden können und einen hohen Eiweißgehalt erzielen. Dadurch wird die Tofu-Ausbeute erhöht. Zusammen mit Tofu-Produzenten führt Hahn zusätzlich Tests durch, um Sojabohnen zu entwickeln, die eine noch bessere Tofu-Qualität haben.


Doch nicht nur bei der Tofu Produktion kommt die aus China stammende Hülsenfrucht zum Einsatz. Soja ist mittlerweile vor allem eine wichtige Futterpflanze. Aber: „Viele Tiere vertragen Sojabohnen erst, nachdem sie unter Druck und Dampf erhitzt worden sind. Die Fachleute nennen das Toasten“, erklärt Hahn. Soja könne deshalb in Deutschland bisher nur im näheren Umkreis von Toastereien angebaut und verfüttert werden. Denn die Anlagen sind zu groß und zu teuer, als dass sie ein einzelner Landwirt gewinnbringend auf seinem Hof betreiben kann.

Toaststätten-Mangel


Bislang gibt es nur wenige Toastereien in Deutschland. Dementsprechend lang sind deshalb die Transportwege zu den großen, teuren Anlagen. Der Agrartechniker Ludwig Asam vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau entwickelt deshalb preisgünstige Kleintoastereien. Sie sollen auch schon bei geringen Erntemengen gewinnbringend arbeiten und die Transportkosten einsparen. Auch dafür sind eiweißreiche Soja-Sorten wünschenswert.

„Wenn es uns gelingt, verbesserte Sorten zu züchten, hat Deutschland gute Chancen, die Eigenversorgung mit Öko-Soja in Zukunft auszubauen“, so Hahn. Das dürfte auch Naturschützer freuen, denn Soja gilt als ökologisch einwandfreier Boden-Verbesserer, weil die Pflanze den Stickstoffgehalt im Boden erhöht. Weltweit wird allerdings hauptsächlich gentechnisch veränderter Soja angebaut. Deshalb ist es für die Fachleute von besonderem Interesse, die Öko-Soja-Produktion in Deutschland zu fördern. Aber Soja-Selbstversorger werde Deutschland wohl niemals, sagt der Forscher. „Dafür ist die Nachfrage viel zu groß.“
(Universität Hohenheim, 03.04.2013 - KBE)
 
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