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Samstag, 01.10.2016
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Frauen und Männer erkranken unterschiedlich

Italienische Forscher fordern: Eine geschlechterspezifische Medizin muss Aufgabe für das dritte Jahrtausend sein

Viele Krankheiten und auch Therapien sind nicht geschlechtsneutral: Sowohl Herzinfarkt als auch Darmkrebs äußern sich bei Männern und Frauen ganz verschieden. Und auch Arzneimittel wie Aspirin wirken offenbar geschlechtsspezifisch, indem sie beispielsweise unterschiedliche Nebenwirkungen zeigen. Italienische Forscher von der Universität Padua fordern daher sowohl bei Studien als auch in der Behandlung von Patienten diese Unterschiede künftig stärker zu berücksichtigen. Ihre Untersuchung ist jetzt im Fachmagazin " Clinical Chemistry and Laboratory Medicine" erschienen.
Medikamente wirken auf Männer und Frauen verschieden.

Medikamente wirken auf Männer und Frauen verschieden.

Bis heute weiß die medizinische Forschung kaum etwas über die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei Erkrankungen und deren Symptomen. Auch über die sozialen und psychologischen Einflüsse und welche Folgen sich dadurch für die Therapie und Prävention bei Männern und Frauen ergeben müssten, ist wenig bekannt. Denn: Die medizinische Forschung der letzten 40 Jahre richtete sich fast ausschließlich auf Männer. Die meisten klinischen Studien werden mit männlichen Probanden durchgeführt, unter anderem, weil bei ihnen weniger hormonelle Schwankungen auftreten, die die Ergebnisse beeinflussen und verfälschen können.

Giovannella Baggio von der Universitätsklinik Padua und ihre Kollegen machen nun in ihrer Studie deutlich, dass noch viel Nachholbedarf auf dem Feld der Geschlechtermedizin herrscht. Allein in fünf großen Gebieten der Medizin weisen die Forscher nach, dass erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen: So haben etwa Frauen bei den als typische Männerkrankheiten wahrgenommenen Herz-Kreislauferkrankungen oft völlig andere Symptome. Brustraumenge mit ausstrahlenden Schmerzen in den linken Arm, ist als Herzinfarkt-Anzeichen zwar wohlbekannt, gilt allerdings als nur bei Männern als Hinweis auf einen Infarkt. Bei Frauen hingegen sind Übelkeit und Unterbauchschmerz typische Warnzeichen. Obwohl Herzinfarkte bei Frauen schwerwiegender und komplizierter sind, führen diese scheinbar unspezifischen Beschwerden bei ihnen aber oft nicht zur notwendigen EKG- oder Enzymdiagnostik.

Darmkrebs ist nicht Darmkrebs und Leberzirrhose nicht Leberzirrhose


Doch damit nicht genug. Auch Krebs äußert sich geschlechtsspezifisch: Zwar ist Darmkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung bei beiden Geschlechtern. Allerdings erkranken Frauen zu einem späteren Zeitpunkt. Zudem zeigen sie bei Eintritt der Krankheit nicht nur eine unterschiedliche Lokalisation der Tumore, sondern Frauen sprechen auch besser auf Medikamente an. Und auch bei anderen Krebsarten wie Lungen- oder Hautkrebs wirkt die Chemotherapie geschlechtsspezifisch verschieden und sich damit unterschiedlich auf den Verlauf der Krankheit und die Überlebenschancen der Patienten aus.


Die Gründe für die geschlechterspezifischen Unterschiede scheinen zahlreich. So vermuten die Autoren, dass neben hormonellen Einflüssen auch genetische Faktoren verantwortlich sind und ein komplexes Gefüge ergeben. Beispiele dafür seien etwa die primäre biliäre Zirrhose, eine überwiegend bei Frauen auftretende Leberkrankung oder die chronische Hepatitis C. In beiden Fällen vermuten die Forscher, dass die weibliche genetische Disposition und eine unterschiedliche Hormonverteilung wesentliche Risikofaktoren sind. Gleiches gelte für die Osteoporose an der - nicht wie oft angenommen - auch Männer erkranken.

Wirkung bei Frauen und Männern nicht gleich


Doch nicht nur die Krankheiten, auch die Arzneimittelwirkung ist geschlechtsspezifisch. So wiesen Baggio und ihr Team am Beispiel von Aspirin und weiteren pharmakologischen Substanzen nach, dass der unterschiedliche Körperbau sowie unterschiedliche Aufnahme- und Abbaugeschwindigkeiten der Medikamente und der unterschiedliche Hormonstatus zu unterschiedlichen Wirkungen und Nebenwirkungen führten. Die Forscher fordern daher für eine sichere und effiziente Therapie eine stärkere Orientierung von Dosis und Behandlungsdauer am Geschlecht. Zudem kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass künftig auch klinische Versuche diese Unterschiede stärker berücksichtigen müssen. Nur dadurch können die grundsätzlichen Ungleichheiten in der medizinischen Versorgung von Männern und Frauen beendet werden.
(De Gruyter, 25.03.2013 - KBE)
 
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