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Montag, 23.01.2017
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Laser rettet eineiige Zwillinge

Eineiige Zwillinge können bereits vor der Geburt getrennt werden und dadurch überleben

Eineiige Zwillinge treten bereits während der Schwangerschaft in Konkurrenz. Damit der Kampf um den Mutterkuchen nicht zum Kampf ums Überleben wird, hat sich eine Laser-Therapie bewährt, die die Blutkreisläufe der Kinder bereits vor der Geburt trennt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Universitätsklinikums Eppendorf.
{1l}Bei der Mehrzahl eineiiger Zwillingsschwangerschaften werden beide Feten von nur einem Mutterkuchen versorgt. Darum sind ihre Blutkreisläufe miteinander verbunden. Bei etwa zehn bis 15 Prozent dieser Schwangerschaften entsteht dabei das so genannte Zwillingstransfusions-Syndrom oder feto-fetales Transfusionssyndrom (FFTS). Von einem Zwilling, dem "Spender", fließt zuviel Blut zum anderen Zwilling, dem "Empfänger". Die Folge: der eine leidet unter Flüssigkeitsmangel, produziert daher zuwenig Fruchtwasser und bleibt in der Entwicklung zurück. Der andere produziert zuviel Fruchtwasser, das Herz-Kreislauf-System ist überlastet. Beide Kinder schweben in Lebensgefahr. Geschieht nichts, sterben etwa 80 bis 90 Prozent der Kinder.

Laser durchs Endoskop


Das FFTS tritt meistens zwischen der 16. und 25. Schwangerschaftswoche auf und kann per Ultraschall diagnostiziert werden. Erkennt man es zu diesem Zeitpunkt, haben die Ärzte zwei therapeutische Optionen: entweder saugen sie in der Fruchtblase des Empfängers mehrmals Fruchtwasser ab, um das Gleichgewicht wiederherzustellen, oder sie trennen die Blutgefäßverbindungen der Kinder an der Oberfläche der Plazenta mit einem endoskopischen Lasereingriff. Die Laserkoagulation ist in schweren Fällen die bessere Therapie, resümiert Dr. Kurt Hecher die Studie am Universitätsklinikum Eppendorf. Die Ärzte behandelten 400 Schwangerschaften mit schwerem Zwillingstransfusionssyndrom per endoskopischer Laserkoagulation. Es überlebten in sechs von zehn Schwangerschaften beide Kinder, in acht von zehn Schwangerschaften ein Kind.

Zweite Studie: Erfolg bestätigt


Ähnliche Ergebnisse liefert eine französische Multicenterstudie. Die Forscher teilten 142 Frauen zwischen der 15. und 26. Schwangerschaftswoche mit einem schweren FFTS in zwei Gruppen ein. Bei den einen saugten die Ärzte Fruchtwasser ab, bei den anderen trennten sie die Blutkreisläufe der Zwillinge mit dem endoskopischen Lasereingriff. Bei der Zwischenanalyse zeigte sich bereits eine deutliche Überlegenheit der Laserbehandlung. In dieser Gruppe überlebte in 76 von hundert Schwangerschaften wenigstens ein Kind, in der anderen Gruppe war dies in 56 von hundert Schwangerschaften der Fall. Auch Hirnschädigungen traten nach der Laserbehandlung seltener auf: die Hälfte der sechs Monate alten Babys hatte nach der Laserbehandlung keine neurologischen Komplikationen. In der anderen Gruppe traf dies nur für jedes dritte Kind zu.


Gute Überlebenschancen


"Weil das Laserverfahren die Ursache der Erkrankung behebt, ist das natürlich die sinnvollere Methode als die ausschließliche Entlastungspunktion", fasst Hecher zusammen. Sie verlange allerdings die genaue Kenntnis der Gefäßanatomie der Plazenta. Andernfalls könne der Operateur versteckte miteinander verbundene Blutgefäße übersehen, oder aber Gefäße verschließen, die die Zwillinge gar nicht miteinander verbinden. Gelingt es, beide Blutkreisläufe exakt voneinander zu trennen, haben die Kinder gute Überlebenschancen.
(Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, 20.09.2004 - ESC)
 
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