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Freitag, 09.12.2016
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Klimawandel: Pegel steigt in Europa langsamer

Forscher prognostizieren regionales Verhalten des Meeresspiegels bis 2100

Wenn das Eis der Polargebiete schmilzt, trifft es eine Region Tausende von Kilometern weit entfernt am härtesten: In Teilen des äquatorialen Pazifiks wird dann der Meeresspiegel deutlich stärker ansteigen als im globalen Mittel. Das haben britische und italienische Forscher bei Modellrechnungen festgestellt. Für Europa dagegen könnte es glimpflich ablaufen: Denn hier steigen die Pegel vermutlich sogar weniger als im weltweiten Durchschnitt, wie die Forscher im Fachmagazin "Geophysical Research Letters" berichten.
Satellitenmessungen deuten den Trend schon an: Im tropischen Pazifik steigen die Pegel am stärksten.

Satellitenmessungen deuten den Trend schon an: Im tropischen Pazifik steigen die Pegel am stärksten.

Die schmelzenden Gletscher auf Grönland, in der Arktis und Antarktis lassen zusätzliches Wasser in die Meere fließen. Gleichzeitig heizt die fortschreitende Erwärmung das Ozeanwasser auf und dadurch vergrößert sich auch sein Volumen. Beide Effekte zusammen führen dazu, dass im Zuge des Klimawandels auch die Meeresspiegel immer weiter ansteigen. Nach aktuellen Prognosen könnten sich Pegel weltweit bis zum Jahr 2100 um rund 60 bis 120 Zentimeter erhöhen. Das allerdings sind nur die Durchschnittszahlen - regional kann der Meeresspiegel von diesen Werten deutlich abweichen. Wie sich dies für verschiedenen Regionen auswirkt und in welche Richtung, haben jetzt Giorgio Spada von der Universität Urbino und seine Kollegen untersucht.

Steigende Kruste und anziehendes Eis


Für ihre Studie berücksichtigten sie drei Faktoren, die für Unterschiede in den regionalen Pegeln verantwortlich sind. Zum einen machen sich vor allem in Nordamerika und Europa noch immer Nachwirkungen der letzten Eiszeit auf die Erdkruste bemerkbar: Dort, wo früher Kilometerdicke Eispanzer das Land bedeckten, hebt sich noch heute die damals in die Tiefe gedrückte Kruste allmählich in die Höhe. Dieser Effekt ist zwar gering, könnte aber zumindest einen Teil des Meeresspiegelanstiegs in diesen Regionen ausgleichen. Zum Zweiten verändert eine Erwärmung des Meerwassers auch die Strömungen und damit die Wasserverteilung in den Weltmeeren. Auch dies könnte zu neuen Senken und Buckeln im Meeresspiegel führen.

Schmelzen die Eispanzer ab, lässt auch ihre Massenanziehung auf das Meerwasser nach.

Schmelzen die Eispanzer ab, lässt auch ihre Massenanziehung auf das Meerwasser nach.

Und als Drittes übt auch die schiere Masse der Eispanzer beispielsweise auf Grönland und der Antarktis eine Kraft aus, die das Wasser der umgebenden Meere anzieht. Dadurch sind die Pegel an den Küsten dieser Landmassen heute etwas erhöht. Schmilzt das Eis aber in Zukunft ab, könnte sich dieser Effekt umkehren: Von der Anziehungskraft befreit, sinkt der Meeresspiegel entlang dieser Küsten ein wenig ab und gleicht so den vom Klimawandel verursachten Anstieg der Pegel etwas aus.


"Zu wissen, welcher dieser Faktoren wo wirkt, ist entscheidend wichtig, um das Überschwemmungsrisiko für die flachen, dicht besiedelten Küstengebiete zu ermitteln", erklärt Spada. Am stärksten gefährdet seien die Gebiete, in denen sich alle Effekte addieren und dadurch den Meeresspiegel weitaus höher steigen lassen als im globalen Durchschnitt. Wo dies bis zum Jahr 2100 der Fall sei wird, haben die Forscher nun mit Hilfe eines Computermodells ermittelt.

Land Unter in Hawaii und Ozeanien, gebremster Anstieg in Europa


Das Modell zeigt, dass der nahe dem Äquator liegende Teil des Pazifiks bis zu eineinhalb Mal stärker als im Durchschnitt ansteigen wird. Betroffen seien davon der Westen Australiens, Ozeanien und die kleinen Atolle dieser Region, aber auch Hawaii. In den Polargebieten dagegen könnte der Meeresspiegel bis 2100 sogar sinken, denn hier wirkt sich die wegfallende Anziehungskraft des Eises aus.

An Europas Küsten macht sich dieser Effekt, kombiniert mit der noch anhaltenden Hebung der Landmassen ebenfalls bemerkbar, wenn auch nicht so stark. Dadurch werden die Pegel bei uns zwar ansteigen, aber nicht ganz so stark wie im weltweiten Durschnitt, wie Spada erklärt. Weil aber insgesamt das Wasservolumen ansteigt, geht die langsamer Hebung den hohen und gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel zu Lasten der Gebiete weite südlich: Bei ihnen staut sich dann entsprechend mehr Wasser. "Zum ersten Mal haben wir damit konkretere Informationen darüber, wie sich das Abtauen der Gletscher und Eispanzer bis zum nächsten Jahrhundert regional auswirkt", erklärt Ko-Autor Jonathan Bamber von der Bristol University. (Geophysical Research Letters, 2013; doi:10.1029/2012GL053000)
(British Antarctic Survey, 21.02.2013 - NPO)
 
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