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Montag, 26.09.2016
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Rätsel des Lieblings-Parfüms geknackt

Bevorzugter Duft verstärkt unseren biologischen Geruchscode für die Partnerwahl

Warum bevorzugen wir bei Parfüms bestimmte Düfte? Die Antwort hat ein deutsches Forscherteam nun gefunden - in unseren Genen. Denn ihren Erkenntnissen nach wählen wir unbewusst immer das Parfüm, das die Duftsignale unserer genetischen Immun-Ausstattung verstärkt. Bestimmte Eiweißbruchstücke sorgen dafür, dass unser Körpergeruch - und auch unser Lieblingsparfüm - dem Partner verrät, ob unsere Immungene perfekt zu den seinen oder ihren passen, wie die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" berichten.
Was macht ein Parfüm zu unserem Lieblingsduft?

Was macht ein Parfüm zu unserem Lieblingsduft?

Der individuelle Körpergeruch spielt eine wichtige Rolle bei der Partnerwahl. Über den Körpergeruch erhalten Menschen, Mäuse, Fische, Vögel und wahrscheinlich auch alle anderen Wirbeltiere Informationen über die Immunausstattung eines potenziellen Partners. Dieser wird danach ausgewählt, ob er die optimale Ergänzung zu den eigenen Immungenen anbietet. Ziel ist es, den Nachkommen möglichst unterschiedliche Immungene mitzugeben, so dass diese sind dann resistent gegen ein breites Spektrum von Krankheitserregern sind. Obwohl bei Menschen insgesamt viele hundert verschiedene Formen der Immungene vorkommen, besitzt jeder Mensch nur einige wenige Varianten, die aber den typischen Körpergeruch, das individuelle “Parfüm” mitbestimmen.

Schweiß-Schnuppern für die Wissenschaft


Schon in den 1990er Jahren hatte die Gruppe von Manfred Milinski, jetzt Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön, mit sogenannten T-Shirt Experimenten herausgefunden, dass Frauen den Geruch von Männern bevorzugen, die andere Varianten von Immungenen, dem sogenannten MHC-Komplex, besitzen als sie selbst. „Wir erfassen unbewusst, wie die eigene Immunabwehr beschaffen ist, und können die eines potenziellen Partners am Geruch erkennen“, erklärt Milinski.

In weiteren Experimenten zeigte sich, dass diese Immungen-Varianten auch bestimmen, welche natürlichen Duftstoffe Frauen wie Männer für ihr eigenes Parfüm bevorzugen. Wir wählen die Duftmischung offenbar so aus, dass sie unser eigenes immungenetisches Geruchssignal verstärkt. „Wenn sie das natürliche Signal maskieren oder verändern würden, hätte die Selektion uns schon längst den Parfümgebrauch vermiest“, erklärt der Evolutionsbiologe.


Parfüm-Inhaltsstoffe könnten künftig gezielt synthetisch hergestellt werden

Parfüm-Inhaltsstoffe könnten künftig gezielt synthetisch hergestellt werden

Um zu prüfen, welche Komponenten unserem Gegenüber die Immun-Ausstattung verraten, haben die Forscher in ihrem aktuellen Experiment Bestandteile des Körpergeruchs künstlich hergestellt und auf ihre Wirksamkeit getestet. Dazu bestimmten sie die MHC-Varianten bei Probandinnen, stellten dazu passende Eiweißbruchstücke her und baten sie, diese mit ihrem Achselschweiß zu vermischen und zu entscheiden, welche der verschiedenen Varianten ihnen am meisten zusagte. Es zeigte sich, dass die Probandinnen den Achselschweiß dann als besonders angenehm und ihrem bevorzugten Parfümduft entsprechend bezeichneten, wenn er mit einem ihrem eigenen Immungen-Typ entsprechenden Eiweißbruchstück vermischt worden war.

Eiweiß-Bruchstücke verraten Immungene


Zusätzlich überprüften die Forscher in einem Magnetresonanztomografen, welche Reaktionen die Duftstoffe im Gehirn auslösten. Erstaunlicherweise sprach immer dann ein kleines, im mittleren Bereich der rechten vorderen Hirnrinde gelegenes Areal an, wenn die Probandin ein Eigenpeptid roch. „Diese Ergebnisse zeigen, dass die von den Immunmolekülen transportierten Eiweißbruchstücke nicht nur bei Tieren, sondern tatsächlich auch beim Menschen den natürlichen Körpergeruch mitbestimmen“, sagt Milinski.

„Der Erkennungsmechanismus funktioniert nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip, das heißt zu jedem MHC-Molekül gibt es passende Eiweißbruchstücke. Da es bestimmter MHC-Moleküle bedarf, um bestimmte Peptide zu erkennen, spiegelt das Spektrum von Peptiden, das nach "außen" gelangt, auch das Spektrum von MHC-Molekülen wider“, erklärt Thomas Boehm. Damit hatten die Forscher den Geruchscode geknackt. Die Struktur der Eiweißbruchstücke lässt sich für die Immunmoleküle des Menschen also voraussagen. Die Erkenntnisse eröffnen die Möglichkeit, neuartige Parfüms herzustellen, die über die Verstärkung des Körpergeruchs potenziellen Partnern das Repertoire der eigenen Immungene besser signalisieren. „Damit könnte künftig möglicherweise in klassischen Parfüms auf Ingredienzien tierischen Ursprungs verzichtet werden“, so der Max-Planck-Direktor.
(Max-Planck-Gesellschaft, 23.01.2013 - NPO)
 
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