Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Pflanzen: Auch Blätter senden Dürre-Alarm
Entgegen bisherigen Annahmen geben auch die Blätter einer Pflanze ein Alarmsignal, wenn es trockener wird
Wenn der Boden austrocknet, wird bei Pflanze Dürre-Alarm ausgelöst. Wie sich jetzt zeigt, senden nicht nur die Wurzeln das Signal zum Wassersparen aus, sondern auch die Blätter: Sie reagieren schon dann, wenn die umgebende Luft trockener wird. Ein in den Blättern produziertes Hormon sorgt dann dafür, dass sich die Spaltöffnungen schließen. Das berichten Forscher der Universität Würzburg im Fachmagazin "Current Biology".
Blatt, Spaltöffnung und Abszisinsäure (ABA)
Blatt, Spaltöffnung und Abszisinsäure (ABA)
© Peter Ache, Uni Würzburg Blatt, Spaltöffnung und Abszisinsäure (ABA)
Der weltweite Klimawandel sorgt dafür, dass es in vielen Gebieten der Erde weniger regnet. Das kann zu Missernten führen, die besonders in ärmeren Regionen die Nahrungsmittelknappheit weiter verschärfen. Möglicherweise ist die Menschheit in Zukunft also auf neue Pflanzensorten angewiesen, die widerstandsfähiger gegen Trockenheit sind. Wissenschaftler erforschen darum die Mechanismen, mit denen sich Pflanzen gegen Dürre wappnen. Auf diesem Gebiet arbeiten auch Rainer Hedrich und Peter Ache vom Lehrstuhl für Molekulare Pflanzenphysiologie und Biophysik der Universität Würzburg. Ihre neuesten Erkenntnisse über ein Pflanzenhormon, das bei Wassermangel in Aktion tritt, haben sie jetzt im renommierten Wissenschaftsjournal „Current Biology“ veröffentlicht.

Stresshormon macht Spaltöffnungen dicht
„Aus Experimenten wissen wir, dass die Wurzel eine Information über die aktuelle Lage der Wasserversorgung an den Spross und die Blätter weitergibt“, sagt Hedrich. Als Botenstoff dient dabei das Stresshormon Abszisinsäure, das Trockenheit signalisiert. In den Blättern dringt es in die Schließzellen ein und bewirkt, dass sie die so genannten Spaltöffnungen dicht machen. Durch diese zahlreich vorhandenen Öffnungen nehmen die Blätter Kohlendioxid für die Photosynthese auf, durch diese Öffnungen verlieren sie aber auch Wasser an die Umgebung.

Bislang galt die Lehrmeinung, dass die Schließzellen das Stresshormon Abszisinsäure von außen aufnehmen müssen. Die Würzburger Pflanzenforscher allerdings vermuteten schon seit längerer Zeit, dass die Schließzellen das Hormon auch selbst produzieren können. „Bereits 1889 hat Francis Darwin festgestellt, dass Pflanzen schon allein beim Abfall der Luftfeuchtigkeit die Schotten dicht machen, und zwar noch bevor der Boden austrocknet“, so Hedrich. Folglich müssen die Blätter dazu in der Lage sein, Trockenheit wahrzunehmen und schnell darauf zu reagieren – ohne Beteiligung der Wurzel.

Schließzellen haben die nötigen Gene
Wie das funktioniert, haben die Würzburger Forscher nun herausgefunden. Zuerst analysierten sie mit Kollegen aus Braunschweig das Erbgut in den Schließzellen der Ackerschmalwand, einer genetisch gut verstandenen Modellpflanze. Dabei zeigte sich: Die Schließzellen verfügen über alle Gene, die für die Synthese des Stresshormons Abszisinsäure nötig sind. Zudem steigt bei trockener Luft die Aktivität einiger Schlüsselgene dieses Synthesewegs deutlich an.

Dann prüften die Forscher, ob die Hormonproduktion in den Schließzellen stark genug ist, um bei trockener Luft die Spaltöffnungen zu verschließen. Dazu verwendeten sie Pflanzen, die wegen eines genetischen Fehlers überhaupt keine Abszisinsäure herstellen können. „Die Blätter dieser Mutanten welken in trockener Luft in weniger als drei Stunden“, sagt Peter Ache. Die Wissenschaftler versetzten die Schließzellen der ansonsten völlig abszisinsäure-freien Mutante wieder in die Lage, das Hormon zu produzieren. Daraufhin blieb die Pflanze „standfest“; ihre Blätter wurden in trockener Luft nicht welk. Das zeigt: „Die Fähigkeit der Schließzellen, bei Bedarf selbst Abszisinsäure herzustellen, ist essentiell und ausreichend für die Pflanze, um einem Abfall der Luftfeuchtigkeit zu widerstehen“, erklärt Rainer Hedrich.

Die Suche nach Genen, die Pflanzen widerstandsfähiger gegen Stress machen, ist Gegenstand des Bayerischen Forschungsverbunds ForPlanta „Pflanzen fit für die Zukunft“, dem Hedrichs Team angehört. „Als nächstes wollen wir herausfinden, wie Pflanzen die Änderung der Luftfeuchtigkeit wahrnehmen und wie dieser potenzielle Sensor die Synthese von Abszisinsäure in Gang setzt“, sagt der Würzburger Biophysiker. Neben der Ackerschmalwand sollen dann auch Dattelpalmen untersucht werden, weil sie an extrem trockenen und heißen Standorten gedeihen und dabei sogar beachtliche Erträge bringen. (doi:10.1016/j.cub.2012.11.022)
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Pflanzen, Dürre, Trockenheit, Stress, Hormon, Phytohormon, Abszisinsäure, Spaltöffnungen, Schließzellen, Blätter
Weitere News zum Thema
Pestizide gefährden Artenvielfalt in Gewässern (18.06.2013)
Schon geringe Dosen von Pflanzenschutzmitteln senken Artenzahl um 42 Prozent
Neuer Speiseplan ebnete Weg zum Menschen (04.06.2013)
Erweiterung der Nahrung auf Gräser und Fleisch könnte Entwicklung unserer Vorfahren gefördert haben
Rätselhafte Ortstreue von Meeres-Schildkröten aufgeklärt (31.05.2013)
Tausende von Kilometern lange Reise der Unechten Karettschildkröte hat einen biologischen Sinn
Eingeschleppt: Zickzack-Blattwespe bedroht Ulmen (31.05.2013)
Forscher bitten um Mithilfe gegen invasive Insektenart
Auferstehung: Moos übelebt 400 Jahre im Eisgrab (28.05.2013)
Jahrhunderte unter einem arktischen Gletscher begrabene Moose schlagen wieder neu aus
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Pflanzen täuschen Insekten
Blüten
Chloroplasten
Klimafolge Artensterben
Dossiers zum Thema
Pflanzen unter Stress
Abwehrstrategien gegen Mensch, Mikrobe und Chemie
Phytohormone
Überlebenswichtige Botenstoffe im Pflanzenreich
Chemische Keule und betörender Duft
Verteidigungsstrategien von Pflanzen
Pflanzen mit Gefühl
Streit um die Neurobiologie von Sonnenblume, Salat und Co.
Das große Sterben
Wie reagiert die Natur auf den Klimawandel?
News des Tages
Alarmsystem warnt Fliegen vor Gift
Herkunft der Roma rekonstruiert
Lichterglanz wird teuer
Wein im Karton verliert Geschmack schneller
Durchsichtiger Fisch hilft Nervenforschern
Pflanzen: Auch Blätter senden Dürre-Alarm
Bücher zum Thema
Das geheime Bewusstsein der Pflanzen
Botschaften aus einer unbekannten Welt von Joseph Scheppach
Wie Zellen funktionieren
Wirtschaft und Produktion in der molekularen Welt von David S. Goodsell
Botanik
Die umfassende Biologie der Pflanzen von Ulrich Lüttge, Manfred Kluge und Gerhard Thiel
Wetter, Klima und Klimawandel
Wissen für eine Welt im Umbruch von Nadja Podbregar, Harald Frater und Karsten Schwanke
Top-Clicks der Woche
1. Obst und Gemüse mit Perchlorat kontaminiert
2. Egoismus macht nicht glücklich
3. Riesige Stadt um Angkor Wat entdeckt
4. Forscher erfinden ein Lichtrad
5. Mittelalterliches Lepra-Rätsel gelöst