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Ausschlafen hilft auch gegen Schmerzen
Abbau des Schlafdefizits senkt Schmerzempfindlichkeit stärker als Kodein
Sich mal so richtig auszuschlafen macht nicht nur wacher, es hilft auch gegen Schmerzen. Das zeigt ein Experiment US-amerikanischer Forscher. Holten darin chronisch übermüdete Probanden ihr Schlafdefizit wieder auf, sank ihre Schmerzempfindlichkeit um ein Viertel. Der Effekt sei sogar stärker als der eines Kodein-haltigen Schmerzmittels, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "SLEEP".
Schlafende Person
Schlafende Person
© Hermera
Schlafmangel gilt als eines der typischen Merkmale unserer modernen Gesellschaft. Zwischen 13 und 25 Prozent der Menschen gelten heute als chronisch übernächtigt. Ein Grund: Wir schlafen immer weniger und kürzer. "In den 1960er Jahren dauerte der durchschnittliche Nachtschlaf noch rund acht Stunden", erklären Timothy Roehrs von der Wayne State University in Detroit und seine Kollegen. Inzwischen sei diese Ruheperiode auf rund sieben Stunden gesunken. Eine Erhebung in den USA ergab zudem, dass 21 Prozent der Bevölkerung sogar nur noch sechs Stunden und weniger schlafen. Das sei für die meisten Menschen viel zu wenig, so die Forscher.

Übermüdung macht schmerzempfindlicher
Wenn jemand aber dauerhaft zu wenig Schlaf bekommt, bleibt dies nicht ohne körperliche und psychische Folgen. Schon seit längerem ist bekannt, dass Schlafmangel empfindlicher gegenüber Schmerzreizen macht. Schon eine einmalige Verkürzung der Nachtruhe um 50 Prozent erhöhte in einem Versuch die Schmerzempfindlichkeit von Probanden um 24 Prozent. Ob dieser Effekt sich aber genau so leicht auch wieder rückgängig machen lässt, sei bisher unklar gewesen, sagen die Forscher. Deshalb haben sie dies nun in einem Experiment untersucht.

Ihre Studie führten die Forscher mit 18 jungen Probanden durch, die allesamt chronisch übernächtigt waren. Die Schmerzempfindlichkeit prüften sie mit einem Hitzetest. Die Teilnehmer legten ihren Zeigefinger auf einen Metallkasten, der sich an einer Stelle stark erhitzte. Die Probanden sollten den Finger so lange liegen lassen, bis sie den ersten eindeutigen Schmerz verspürten. Die Zeit wurde gemessen. Anschließend durfte die Hälfte der Probanden lange ausschlafen und der Test wurde wiederholt. Die andere Hälfte schlief genauso kurz wie immer.

Schmerztoleranz stieg um 25 Prozent
"Wir waren überrascht, wie stark sich die Schmerzempfindlichkeit bei den ausgeschlafenen Probanden verringerte", sagt Roehrs. Sie hätten ihren Finger im Durchschnitt 25 Prozent länger auf der Hitzequelle gelassen als vor dem Ausgleichen ihres Schlafdefizits. Das sei länger als bei einer vorhergehenden Studie, bei der auf die gleiche Weise die Wirkung eines Kodein-haltigen Schmerzmittels getestet worden war. Damals hatte das Kodein die Schmerzschwelle nur um 14 Prozent verringert, wie die Forscher berichten.

"Unsere Ergebnisse zeigen, wie wichtig ausreichend Schlaf ist - vor allem für Patienten mit chronischen Schmerzen oder vor einer potenziell schmerzhaften Operation", erklärt Roehrs. Das gelte auch für Apnoe-Patienten, wie ein weiterer Test gezeigt habe: Trugen diese nachts eine Maske, die ihnen kontinuierlich zusätzlichen Sauerstoff zuführte, schliefen die Betroffenen ohne die charakteristischen Atemaussetzer durch. Wurde dann am nächsten Morgen ihre Schmerzempfindlichkeit getestet, sank sie sogar um 28 Prozent gegenüber den Ausgangswerten.
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