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Sonntag, 28.08.2016
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Meeresspiegel steigt 60 Prozent schneller als prognostiziert

Neue Messdaten liegen deutlich über Vorhersagen des Weltklimarats IPCC

Der Meeresspiegel steigt 60 Prozent schneller an als bisher vom Weltklimarat IPCC vorhergesagt: Zurzeit hebt sich der Pegel der Ozeane um 3,2 Millimeter pro Jahr, vorhergesagt waren nur rund zwei. Das hat ein internationales Forscherteam unter Leitung von Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) festgestellt und jetzt im Fachmagazin "Environmental Research Letters" veröffentlicht.
In den letzten fünf Jahren haben demnach die Temperaturen und die Kohlendioxid-Konzentration der Atmosphäre zwar den Prognosen entsprechend zugenommen. Der Meeresspiegel aber steige schneller als erwartet. Dies deutet darauf hin, dass die letzten zwei IPCC-Berichte diese Klimafolge deutlich unterschätzt haben. Viele Küstengebiete könnten zukünftig daher stärker und früher als bisher angenommen von Hochwasser und Überschwemmungen betroffen sein.

Klima und Meer

Klima und Meer

"Diese Studie belegt erneut, dass das IPCC weit davon entfernt ist, die Lage zu dramatisieren, sondern im Gegenteil den Klimawandel eher unterschätzt", sagt Rahmstorf. Das gelte sowohl für den Meeresspiegel-Anstieg als auch für Wetterextreme und den Verlust des arktischen Meereises. Weil die Prognosen des IPCC häufig Grundlagen von Entscheidungen seien - unter anderem beim Klimaschutz - sei es wichtig, regelmäßig nachzuprüfen, wie gut die Prognosen mit aktuellen Beobachtungsdaten übereinstimmten.

Den neuen Berechnungen nach könnte sich der Meeresspiegel-Anstieg noch in diesem Jahrhundert auf bis zu neun Millimeter pro Jahr erhöhen - und dies schon bei einem noch gemäßigten Klimawandel-Szenario. Nach Angaben der Forscher reicht dafür schon eine Erwärmung um 1,6 Grad bis 2100 aus.


Pegelstände und Satellitendaten ausgewertet


Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler Messdaten zu Temperaturen und Meeresspiegeln der letzten beiden Jahrzehnte ausgewertet und diese mit den Prognosen der IPCC-Berichte von 2001 und 2007 verglichen. Als Basis nutzten sie fünf verschiedene Messreihen zu Land- und Meerestemperaturen, sowie Daten von Pegelstationen und ab 1993 auch von Satellitenmessungen für die Meeresspiegel. Bei ihren Auswertungen berücksichtigten die Forscher auch Einflüsse wie kurzzeitige Klimaschwankungen durch das El Nino-Phänomen, Variationen der Sonnenaktivität oder Vulkanausbrüche. Die Wirkung dieser Ereignisse auf Temperaturen und Meeresspiegel rechneten sie aus den langfristigen Trends heraus, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen.

Den Ergebnissen nach liegt die globale Erwärmung zurzeit bei 0,16 Grad Celsius pro Dekade. Dies entspreche weitestgehend den IPCC-Prognosen, sagen die Wissenschaftler. Anders sehe dies aber beim Meeresspiegel aus. Sein Anstieg liege für die Zeit von 1993 bis 2011 bei 3,2 Millimeter pro Jahr - und damit 60 Prozent höher als von der IPCC für dieses Zeit prognostiziert. Der Weltklimarat hatte 2007 einen Anstieg von zwei Millimetern pro Jahr für das Szenario mit der stärksten Klimaerwärmung vorgesagt. Insgesamt entspräche dies 37 bis 60 Zentimetern bis Ende des 21. Jahrhunderts.
(Environmental Research Letters, 28.11.2012 - NPO)
 
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