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Klimawandel: Ärmste Länder am stärksten betroffen
Umwelt- und Entwicklungs-Organisation veröffentlicht globalen Klima-Risiko-Index in Doha
Im Jahr 2011 litten arme Entwicklungsländer deutlich stärker unter extremen Wetterereignissen, wie Überschwemmungen, Hitzewellen, Beben und ähnlichen Katastrophen als Industrieländer. Das zeigt der diesjährige Klima-Risiko-Index von Germanwatch. Auf der Liste der am stärksten von Klimafolgen betroffenen Länder, die heute auf dem Klimagipfel in Doha vorgestellt wurde, liegen Thailand, Kambodscha, Pakistan und El Salvador an der Spitze. In Thailand etwa verursachten 2011 starke Regenfälle einen Schaden von mehr als 75 Milliarden US-Dollar und forderten annähernd 900 Menschenleben. Deutschland hingegen steht mit 27 Todesopfern dieses Jahr auf Platz 46.
Das Hochwasser in Pakistan 2010 vertrieb elf Millionen Menschen
Das Hochwasser in Pakistan 2010 vertrieb elf Millionen Menschen
© US Air Force Das Hochwasser in Pakistan 2010 vertrieb elf Millionen Menschen
"Schäden und Verluste von Extremwetterereignissen sind bereits heute harte Realität in vielen Entwicklungsländern. Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass der Klimawandel ein zunehmender Faktor für die Häufigkeit von besonders heftigen Hitzewellen mit schweren Konsequenzen ist", sagt Sven Harmeling von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. Die meisten Extremwetterereignisse und ihre Folgen schaffen es nicht in die weltweiten Schlagzeilen. So werden sie im Gegensatz zu etwa Hurrikan Sandy in der Öffentlichkeit kaum oder gar nicht wahrgenommen. Der globale Klima-Risiko-Index (KRI) von Germanwatch zeichnet dagegen ein objektives Bild der tatsächlichen Auswirkungen von klimabedingten Wetterextremen.

Die Forscher von Germanwatch analysieren jedes Jahr die Auswirkungen der Klimafolgen für einzelne Länder und fassen die Ergebnisse in einem Bericht zusammen. Für ihren Klima-Risiko-Index beziehen sie sowohl die menschlichen als auch die ökonomischen Verluste mit ein. Die Zahlen setzten sich dabei zusammen aus Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF), demografischen Daten der Länder und der weltweiten Datenbank NatCatSERVICE (NatureCatastrophySERVICE) der Münchener Rück Versicherung. Der Index zieht zum einen seit acht Jahren die jährliche Bilanz, und wertet darüber hinaus die Entwicklung vom Jahr 1992 bis heute aus.

Klimawandel fordert schon Opfer
Auch auf der Langzeit Rangliste tummeln sich die Ärmsten: Unter den zehn meist betroffenen Ländern befindet sich kein einziges Industrieland, wie der Bericht zeigt. Pakistan ist zum zweiten Jahr infolge ganz vorn mit dabei. Grund hierfür, wie schon in Thailand: schwere Überschwemmungen.
In den letzten 20 Jahren starben hingegen besonders in Honduras, Myanmar und Nicaragua viele Menschen durch klimabedingte Extremereignisse. Bangladesch lag zum ersten Mal nicht mehr unter den ersten drei Ländern, sondern verbesserte sich im 20-Jahrestrend auf Rang vier. Harmeling: "Die Sturmkatastrophe von 1991 mit mehr als 140.000 Todesfällen ist nun nicht mehr in der Analyse der letzten 20 Jahre berücksichtigt." Außerdem habe Bangladesch als eines der wenigen armen Länder zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um sich besser auf den Klimawandel vorzubereiten. Dies sei zum Teil ohne externe Unterstützung erfolgt, was zeige, dass aktive Anpassung helfe, um Schäden und Verluste zu reduzieren.

Der Klimawandel ist schuld an zunehmenden Hitzewellen und Dürren
Der Klimawandel ist schuld an zunehmenden Hitzewellen und Dürren
© IMSI Masterclips
Zwar erlaubten die Auswertungen keine Aussage darüber, wie stark die jeweiligen Extremereignisse durch den Klimawandel beeinflusst seien, dennoch könne man daran die Verwundbarkeit der einzelnen Staaten gegenüber klimabedingten Katastrophen ablesen, so der Bericht weiter. Dies könne als Warnsignal verstanden werden, sich durch Katastrophenvorsorge und Anpassung an den Klimawandel besser auf in Zukunft vermehrte Extremereignisse vorzubereiten, so Germanwatch.

Denn Verluste und Schäden werden nach Einschätzung der Germanwatch-Forscher durch menschgemachten Klimawandel voraussichtlich weiter zunehmen. Der mangelnde Ehrgeiz zur Emissionsminderung führe hin zu einem Durchschnittstemperaturanstieg von 4 bis 5°C, mit der Gefahr eines sich verstärkenden Klimawandels und entsprechend drastischen Konsequenzen, so der Bericht der Aktivisten. In Doha müsse daher ein ambitioniertes Arbeitsprogramm zur kurzfristigen Erhöhung der Klimaschutzambition vereinbart werden.

"In Doha brauchen wir ernsthafte Fortschritte in den Verhandlungen zur Reduktion von Treibhausgasen, mehr Geld für die Anpassung an den Klimawandel und den Startschuss für den Aufbau eines internationalen Mechanismus als Reaktion auf trotzdem auftretende Schäden und Verluste", fordert Harmeling. Zudem hoffe er, dass die kürzliche Regen-Katastrophe auch in Thailand eine neue Nachdenklichkeit auslöse. "Thailand gehört zu den wenigen relevanten Ländern, die beim UN-Klimasekretariat noch keine konkreten Zusagen eingereicht haben, um zumindest ihren Emissionsanstieg zu mindern", fügt er hinzu.
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