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Freitag, 31.10.2014
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Luftverschmutzung führt zu erhöhtem Autismus-Risiko

Familien die einer hohen Feinstaubbelastung ausgesetzt sind haben häufiger autistischen Nachwuchs

In Gegenden mit viel Verkehr und schlechter Luft scheint das Autismus-Risiko für Kinder erhöht zu sein. Das legt die Studie eines amerikanischen Forscherteams nahe. Demnach entwickelten Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft einer stärkeren Luftverschmutzung ausgesetzt gewesen waren, mit einer bis zu dreimal so hohen Wahrscheinlichkeit Autismus wie Neugeborene, deren Mütter sauberere Luft eingeatmet hatten. Auch eine schlechte Luftqualität während des ersten Lebensjahrs der Kinder schien ihr Autismus-Risiko zu erhöhen. Ob es sich dabei allerdings tatsächlich um eine Ursache-Wirkungs-Beziehung handelt, könne man noch nicht abschließend sagen, räumt das Team um Heather Volk von der University of California in Los Angeles ein. Die Forscher hoffen jedoch, dass ihre Ergebnisse dabei helfen, zu verstehen, wie Autismus entsteht, schreiben sie im Fachblatt "Archives of General Psychiatry" .

Unbekannter Entstehungsmechanismus


Autoabgase

Autoabgase

Autismus ist eine Entwicklungsstörung, die vor allem durch drei Probleme gekennzeichnet ist: Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, mit anderen zu kommunizieren, sie bauen keine oder kaum soziale Beziehungen auf und sie neigen dazu, bestimmte Verhaltensweisen immer wieder zu wiederholen. Was genau die Krankheit auslöst, ist bisher noch unklar. Es scheint allerdings eine genetische Veranlagung zu geben, die durch bestimmte, noch größtenteils unbekannte Umweltfaktoren ausgelöst oder zumindest gefördert wird, wie die Forscher erklären.

Bereits in einer früheren Studie hatte das Team um Volk Hinweise darauf gefunden, dass einer der Umweltfaktoren die Luftqualität sein könnte. So wiesen sie beispielsweise ein leicht erhöhtes Autismus-Risiko in Familien nach, die sehr nah an vielbefahrenen Autobahnen lebten. Die neue Studie deutet nun in die gleiche Richtung. Darin hatten die Wissenschaftler zwei verschiedene Ansätze genutzt, um den Grad der Luftverschmutzung zu bestimmen: Zum einen hatten sie ein Modell entwickelt, mit dem sie aufgrund von Windrichtung und -stärke sowie der Verkehrsdichte im Umfeld die Belastung mit Schadstoffen an einem bestimmten Ort berechnen konnten. Und zum anderen nutzten sie Daten offizieller Luftqualitäts-Messstellen, insbesondere zur Feinstaubbelastung und zur Konzentration an Stickstoffdioxid in der Luft. Ersteres habe vor allem die Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr im Visier, während bei letzterem auch andere Quellen wie die Industrie erfasst seien, erläutern sie.

Beide Kriterien nutzten die Forscher anschließend für eine sogenannte Fall-Kontroll-Studie: Sie wählten 279 Familien mit autistischen Kindern und 245 gleichartige Familien ohne die Entwicklungsstörung aus und verglichen, wie viel Luftverschmutzung die Mütter während der Schwangerschaft und die Kinder im ersten Lebensjahr ausgesetzt gewesen waren. Basis waren die Adressen, die die Probanden zur Verfügung stellten.

Dreifach erhöhte Wahrscheinlichkeit


Im Vergleich zur Gruppe mit den geringsten Stickoxid- und Feinstaubbelastungen war die Wahrscheinlichkeit für ein autistisches Kind in der Gruppe mit den höchsten Werten um einen zwei bis Faktor drei erhöht, zeigte die Auswertung. Das galt sowohl für die modellierten Daten als auch für die gemessenen. Am wenigsten Einfluss scheint dabei eine hohe Belastung im ersten Drittel der Schwangerschaft zu haben, schlussfolgern die Forscher aus ihren Werten, auch wenn für eine genaue Aussage dazu die Daten nicht ausreichten.

Auch insgesamt räumen sie ein, dass sich mit einer Fall-Kontroll-Studie wie im vorliegenden Fall zwar Beziehungen aufdecken lassen, es aber unklar bleibe, ob der betrachtete Faktor - die Luftqualität - wirklich das erhöhte Risiko hervorruft. So könne es beispielsweise sein, dass das höhere Autismus-Risiko auf irgendeinen Faktor zurückgehe, der auch das Leben in einem Gebiet mit schlechterer Luft fördere, wie etwa der sozioökonomische Status. Die Forscher haben zwar verschiedene derartige Faktoren in ihre Berechnungen einbezogen und keinen Zusammenhang gefunden, sie können aber nicht ausschließen, dass sie etwas übersehen haben.

Dennoch erscheine ein Zusammenhang aus biologischer Sicht logisch, betont das Team. So hätten sowohl Feinstaubpartikel als auch Stickoxide in Tests im Labor bereits gezeigt, dass sie die Gehirnentwicklung beeinflussen können. Auch sind sie in der Lage, das Immunsystem zu aktivieren und verschiedene Entzündungsreaktionen zu fördern, die wiederum ebenfalls einen Einfluss auf die Entwicklung von Gehirnzellen haben können. Die Wissenschaftler wollen nun genauer untersuchen, welche Effekte der Beziehung zugrunde liegen. Denn wenn man verstehe, welche Risikofaktoren es gebe, könne man möglicherweise auch besser verstehen, wie Autismus entsteht - und wie man dem vorbeugen kann, sagen sie.
(Archives of General Psychiatry, 27.11.2012 - ILB)

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