Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Plattenbewegungen komplexer als bisher angenommen
Forscher untersuchen unterseeische Gebirge um Plattendynamiken zu verstehen
Internationale Forscher haben herausgefunden, dass Plattentektonik und Erdmanteldynamiken komplexer sind als bisher angenommen. Diese Erkenntnisse können zu einer Neuinterpretation bereits bestehender Theorie führen und hilfreich für das bessere Verständnis und die Voraussage von Naturkatastrophen sein. Die Forscher des Ozeanbohrprogramms IODP untersuchten dazu den Hotspot "Louisville" im Südpazifik und fanden heraus, dass dieser sich im Gegensatz zum Hawaii-Hotspot in den letzten 80 bis 50 Millionen Jahren kaum bewegt hat. Diese Erkenntnis spricht gegen eine zuvor postulierte große Erdmantelströmung namens "Mantelwind", die sich in diesem Zeitraum ereignet haben soll, so die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Geoscience".
Louisville Hotspot
Louisville Hotspot
© IODP Louisville Hotspot
Hawaii oder die kanarischen Inseln sind typische Beispiele für den sogenannten Hotspotvulkanismus. Dabei schieben sich die Platten der Erdkruste über eine heiße Stelle - den Hotspot - an welcher besonders heiße Magma aus dem Erdmantel aufsteigt. So entstehen vulkanische Gebirge, die sich im Ozean oft perlenschnurartig aneinanderreihen oder als Vulkaninsel über die Oberfläche ragen. Diese Gebirge und deren ursächliche Hotspots haben Geologen lange als Referenz für Plattenbewegungen gedient, da sie als ortsfest galten und sich so die erdgeschichtliche Bewegungsdynamik der Platten ablesen ließ.

Aus Untersuchungen am Hawaii-Hotspot war bereits bekannt, dass die Hotspots nicht stationär sein müssen, sondern durch Strömungen im Erdmantel versetzt werden können. Deshalb gingen die Forscher zunächst davon aus, dass der "Mantelwind" - eine Großströmung im Erdmantel - nicht nur den Hawaiianischen Spot, sondern auch sein südlich gelegenes Gegenstück, den Louisville-Spot, um 15 Grad südlich verschoben haben müsste. „Die Rekonstruktion von Plattenbewegungen wird einfacher und zuverlässiger, wenn man weiß, inwieweit sich auch die darunter liegende Konvektion im Erdmantel ändert“, erklärt Jörg Geldmacher vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum Kiel.

Auf Spurensuche im Pazifik
Die JOIDES Resolution im Hafen von Puntarenas.
Die JOIDES Resolution im Hafen von Puntarenas.
© S. Kutterolf, GEOMAR Die JOIDES Resolution im Hafen von Puntarenas.
Um den Zusammenhang zwischen Hawaii- und Louisville-Hotspot genauer zu untersuchen, nahm ein Team des internationalen Intregrated Ocean Drilling Programmes (IODP) von Mitte Dezember 2010 bis Mitte Februar 2011 Proben aus mehreren unterseeischen Bergen der Louisville-Region im Südpazifik, nordöstlich von Neuseeland. „Während der Expedition wurden Proben an fünf Unterwasserbergen im geologisch ältesten Teil der insgesamt 4.300 Kilometer langen Louisville Hotspotspur gewonnen“, so Geldmacher. Die Proben wurden mittels Isotopenbestimmung untersucht, wobei Isotope des Elements Argon Aufschluss über das geologische Alter der Proben geben sollen.

Das Ergebnis: Während eine Mantelwind-Strömung beide Hotspots im Pazifik verschoben haben müsste, wie eine Simulation zeigte, scheint sich der Louisville-Punkt nicht oder kaum bewegt zu haben. Dies spricht gegen ein solches Großereignis vor 80 bis 50 Millionen Jahren, da es zeigt, dass sich die Hotspots unabhängig voneinander bewegen - oder eben nicht. Noch allerdings sei unklar, wie genau Hotspot und Plattenbewegung in Beziehung zueinander stehen, sagen die Forscher. Möglicherweise könnten weitere, bisher nicht untersuchte Hotspots zu einem weiteren Einblick verhelfen.

Nach Ansicht der Geoforscher zeigt ihr Ergebnis, dass Geologen in Zukunft wahrscheinlich die Bewegungen solcher Hotspots jeweils lokal betrachten und ermitteln müssen. Erst wenn ihr Verhalten genau bekannt ist, können sie dann auch als Referenz für die Bewegung der tektonischen Platten herangezogen werden. Noch aber bleiben viele Unsicherheiten.

„Auch mit den besten Erkundungsmöglichkeiten, die uns Bohrschiffe wie die JOIDES RESOLUTION oder die CHIKYU heute bieten, können wir immer nur ein wenig an der Oberfläche kratzen“, meint Geldmacher. „Bis wir dem Planeten diese Geheimnisse entreißen, wird noch einige Zeit vergehen. Ein besseres Verständnis wäre auch für die Abschätzung zukünftiger Naturgefahren wie Vulkanausbrüche oder Erdbeben nützlich“, resümiert Geldmacher (doi: 10.1038/ngeo1638).
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Ermantel, Erdkruste, Plattenbewegung, Hotspot, Magma, Vulkan, Hawaii, Isotopenbestimmung
Weitere News zum Thema
Plagiatsfall zu Guttenberg: Einzelfall oder Spitze des Eisbergs? (24.02.2011)
Plagiate und Fehlverhalten in der Wissenschaft
Bildung: Deutschland hinkt hinterher (08.09.2010)
OECD-Studie fordert mehr Anstrengungen um dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken
Massenwanderung des Distelfalters nach Deutschland (25.05.2009)
Monitoring registiriert extremen Zuwachs nach einem schwachen 1008
Bildungsgipfel: Eher Flop als Top? (23.10.2008)
Bund und Länder wollen Bildungsausgaben bis zum Jahr 2015 auf zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigern
OECD-Bildungsbericht: Deutschland hinkt hinterher (10.09.2008)
Mangel an Studienanfängern, Hochschulabsolventen und zu wenig Geld für die Bildung
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Die Geburt der Erde
Reise über den Meeresgrund
Alfred Wegener
Lava und Magma
Das Innere der Erde
Erdbeben
Vulkanismus
Dossiers zum Thema
Tiefbohrungen im Ozean
Spurensuche auf dem Grund der Meere
Vorstoß in die Tiefe
Warum Wissenschaftler Löcher in die Erde bohren
Plattentektonik
Alfred Wegener und der Weg zu einem neuen Bild der Erde
Plattentektonik im Zeitraffer
Die Welt am Meeresboden im Wachsmodell
Kontinentalränder
Forschung in Europas Unterwasserreich
Chemische Keule und betörender Duft
Verteidigungsstrategien von Pflanzen
Asphaltvulkane
Bizarrer Lebensraum auf Salz und Bitumen
Böden
Die dünne Haut der Erde
Forschen am "System Erde"
Die Geowissenschaften im Wandel
News des Tages
Immunblockade lindert Alzheimer bei Mäusen
Ältere lesen anders
Plattenbewegungen komplexer als bisher angenommen
Klimagipfel ohne große Erwartungen
Bücher zum Thema
Die Entstehung der Kontinente und Ozeane
von Alfred Wegener
Plattentektonik
Kontinent- verschiebung und Gebirgsbildung von Wolfgang Frisch und Martin Meschede
Geologie für Neugierige
Was Sie schon immer über Gebirge, Kristalle und Erdbeben wissen wollten von Graham Park
Die unruhige Erde
von Erhard Keppler
Top-Clicks der Woche
1. Obst und Gemüse mit Perchlorat kontaminiert
2. Egoismus macht nicht glücklich
3. Frühe Steinzeitbauern bevorzugten Inzucht
4. Forscher erfinden ein Lichtrad
5. Mittelalterliches Lepra-Rätsel gelöst