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Immunblockade lindert Alzheimer bei Mäusen
Forscher finden in Botenstoff vielversprechenden neuen Therapie-Ansatz
Im Kampf gegen Alzheimer haben deutsche und Schweizer Forscher möglicherweise eine neue Waffe entdeckt: Antikörper, die bestimmte Botenstoffe des Immunsystems blockieren - und die bereits gegen Schuppenflechte und Multiple Sklerose eingesetzt werden. Sie fangen sogenannte Interleukine ab, Teile der Maschinerie, die der Körper bei einer Entzündungsreaktion benutzt. Bei Mäusen hat sich dieser Ansatz bereits als sehr vielversprechend entpuppt: Die Blockade verringert nicht nur die Menge der alzheimertypischen Ablagerungen im Gehirn, sie verbessert auch die kognitiven Fähigkeiten erkrankter Tiere. Die Chancen, dass sich der Erfolg auf den Menschen übertragen lässt, stünden sehr gut, berichtet das Team um Johannes vom Berg von der Universität Zürich und Stefan Prokop von der Berliner Charité im Fachblatt "Nature Medicine".
Entzündungen tragen zu Krankheitsgeschehen bei
Geschrumpftes Gehirn nach Alzheimer
Geschrumpftes Gehirn nach Alzheimer
© NIA/NIH Geschrumpftes Gehirn nach Alzheimer
Typisch für Alzheimer sind die sogenannten Amyloid-beta-Plaques, Ablagerungen aus Proteinfragmenten, die sich außerhalb der Nervenzellen zusammenklumpen und der gängigen Theorie nach dadurch deren Tod verursachen. Allerdings gibt es bereits seit längerem Hinweise darauf, dass auch Entzündungsreaktionen am Krankheitsverlauf beteiligt sind. Ob sie jedoch eher eine Ursache oder eine Folge der Ablagerungen sind, bleibt unklar.

Offenbar spielen sie beim Krankheitsgeschehen aber tatsächlich eine nicht unwesentliche Rolle, zeigen jetzt die Ergebnisse des deutsch-schweizerischen Teams. Die Forscher hatten sogenannte Interleukine ins Visier genommen - Botenstoffe des Immunsystems, die ein wichtiger Teil einer Entzündungsreaktion sind: Sie schalteten bei Mäusen, die aufgrund einer genetischen Veränderung zu einer alzheimerartigen Krankheit neigen, die Gene für bestimmte Varianten dieser Botenstoffe gezielt aus. Dann beobachteten sie, wie sich die Tiere im Vergleich zu ihren Artgenossen entwickelten. Das Ergebnis: Vor allem zwei Interleukin-Varianten mit den Bezeichnungen 12 und 23 entpuppten sich als entscheidend für die Plaques-Bildung im Gehirn der Mäuse. Fehlten sie, entstanden bis zu 63 Prozent weniger Ablagerungen.

Entscheidendes Proteinfragment auch an MS beteiligt
Die Wissenschaftler konnten den Verantwortlichen für diesen Effekt sogar noch enger eingrenzen: Es handelt sich um einen gemeinsamen Baustein der beiden Interleukine namens p40. Ihm wird auch eine Rolle bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen wie Morbus Crohn, Schuppenflechte und Multiple Sklerose zugeschrieben. Bei Alzheimer prägt er offenbar ebenfalls das Krankheitsbild: Als die Wissenschaftler jungen Mäusen vorsorglich einen Antikörper gegen p40 verabreichten, konnten sie die Plaquebildung deutlich verringern. Selbst bei älteren Tieren, bei denen die Krankheit bereits ausgebrochen war, hatte eine Blockade von p40 noch Erfolg: Zwar veränderte sich die Anzahl der vorhandenen Ablagerungen im Gehirn nicht, die kognitiven Fähigkeiten der Mäuse verbesserten sich jedoch messbar.

Doch so vielversprechend diese Ergebnisse auch sein mögen: Ob sie sich auf den Menschen übertragen lassen, bleibt unklar, denn die Krankheit verläuft bei den Tieren nicht exakt so wie bei menschlichen Alzheimer-Patienten. Prokop und vom Berg halten es in diesem Fall jedoch für sehr wahrscheinlich, dass beim Menschen ähnliche Prozesse ablaufen. Dafür spreche beispielsweise, dass die Menge an p40 in der Zerebrospinalflüssigkeit - dem Nervenwasser - bei Alzheimer
erhöht sei, und zwar umso mehr, je stärker die kognitiven Beeinträchtigungen bereits ausgeprägt seien, erläutern sie. Zum Glück könnten klinische Studien zu dieser Frage relativ schnell beginnen, da Antikörper gegen p40 bereits zur Behandlung anderer Krankheiten zugelassen seien (doi: 10.1038/nm.2965).
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