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Deutsche Armut wächst in Städten
Die Armut unter den 14 Millionen deutschen Großstädtern ist größer als auf dem Lande
Die Armut in Deutschlands Städten wächst - trotz sinkender Arbeitslosenzahlen wie Forscher der Hans-Böckler-Stiftung festgestellt haben. Den Trend zu mehr Armut gebe es im gesamten Bundesgebiet, wobei Hamburg sowie süddeutsche Metropolen jedoch weniger stark betroffen seien. Die Studie zeigt auch, dass immer mehr Kinder von Sozialleistungen abhängig sind. So lebt in Berlin gut jedes dritte Kind mit sozialen Zuschüssen.
Leipzig
Leipzig
© Martin Geisler / CC-by-sa 3.0 de Leipzig
Menschen die weniger als 848 Euro im Monat zur Verfügung haben, gelten in Deutschland als arm oder armutsgefährdet. 2011 lagen nach den Daten des Statistischen Bundesamtes 15,1 Prozent unterhalb dieser Schwelle. Im Jahr 2010 lag die Armutsquote noch bei 14,5 Prozent. Eine neue Studie von Forschern des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in Düsseldorf hat nun herausgefunden, dass die Armut besonders in Deutschlands Städten angestiegen ist.

15 Städte sind arm
Eric Seils und Daniel Meyer, Sozialexperten des WSI, haben für die 15 größten deutschen Städte die Armuts-Daten auf Basis des Mikrozensus ausgewertet und mit den Bezugsquoten von Arbeitslosengeld und Hartz IV abgeglichen. Für den Mikrozensus werden jährlich stichprobenartig etwa einer Million Haushalte bundesweit repräsentativ zu unterschiedlichen Lebensbedingungen befragt. Durch den Abgleich dieser Daten mit den Bezugsquoten lassen sich einerseits auch Menschen in verdeckter Armut erfassen, die aus Scham oder Unwissenheit auf Sozialtransfers verzichten. Zum anderen lässt sich zumindest grob abschätzen, wie tief die Armut der Betroffenen ist. Wobei die Wissenschaftler den Bezug von Leistungen als Indiz für "tiefe" Armut werteten, einer Armut, die etwa nicht zeitlich begrenzt ist.

Das Ergebnis: Zwar sinkt in den meisten Großstädten der Anteil der Langzeitarbeitslosen und der Menschen, die etwa aufgrund niedrigen Einkommens zusätzliche Sozialleistungen beziehen. Dennoch ist gerade hier der Armutsanstieg spürbar, wie die Daten zeigen: So wuchs ihr Anteil von 2005 bis 2011 um 2,1 Prozent. In manchen Städten lebt bis zu einem Fünftel der Bevölkerung unter der Armutsgrenze.

Arbeitslosigkeit und Armut entkoppelt
Statistik
Statistik
© Hans-Böckler Stiftung Statistik
Besonders überraschte die Wissenschaftler, dass die Armut stieg, obwohl die Arbeitslosigkeit zurückgegangen ist. „Möglicherweise hat sich der Zusammenhang zwischen Beschäftigungslosigkeit und Armut in letzter Zeit etwas gelockert“, vermutet Seils. Das könnte mit einer höheren Einkommensungleichheit und dem gewachsenen Niedriglohnsektor zusammenhängen. Denkbar sei, dass bei einer wachsenden Gruppe von Beschäftigten, das Einkommen gerade über der Hartz-IV-Grenze liegt.

Allerdings finden sich die höchsten Armutsquoten nach wie vor in Orten mit hoher Arbeitslosigkeit. Dies macht ein zweiter Blick auf die Städtedaten deutlich: Besonders hoch ist der Anteil armer Einwohner in den ostdeutschen Metropolen, im Ruhrgebiet und in den norddeutschen Städten Bremen und Hannover. Deutlich besser sieht es in den süddeutschen Großstädten aus, aber auch in Hamburg. Hier schwankt zwar die Arbeitslosenquote, dennoch liegt sie knapp unter dem Bundesmittel. Auch München liegt mit zwölf Prozent klar darunter, doch stieg auch hier die Quote an. Besonders sei die Situation beispielsweise in Duisburg und Dortmund, wo nicht die "sozialen Schere" auseinander gehe, sondern die gesamte Stadt zu verarmen scheine, so Seil. Auch die Situation der Kinder ist gravierend, denn in fast allen Städten sind mehr als 20 Prozent der unter 15-Jährigen von staatlichen Zuschüssen abhängig. Im Ruhrgebiet sind es bis zu 30 Prozent.
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