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Dienstag, 23.05.2017
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Waschmaschine fürs Blut

Neues Verfahren zur schnellen Blutwäsche bei Blutvergiftung entwickelt

Blutvergiftungen verlaufen in fast jedem zweiten Fall tödlich. Eine neue, wirkungsvollere Blutreinigung könnte den Patienten jedoch zukünftig bessere Überlebenschancen sichern. Stuttgarter Forscher haben nun ein Verfahren entwickelt, das Giftstoffe gezielt und schneller aus dem Blut isoliert, ohne das Blutbild zu verändern.
Kunststofffaser: Außendurchmesser 0,4 Millimeter

Kunststofffaser: Außendurchmesser 0,4 Millimeter

Unerbittlich kämpft der Körper gegen die Entzündung. Erobern und vergiften Bakterien das Blut dennoch, kommt es zur lebensbedrohlichen Sepsis. Ärzte müssen schnell reagieren und den roten Lebenssaft von den giftigen Stoffwechselprodukten, den Endotoxinen, reinigen. Das ist aufwändig: Über eine Kanüle entnimmt der Arzt dem Patienten Blut. Ein Plasmafilter trennt die Zellen vom Plasma. In einem zweiten Schritt wird das Plasma über Mikrobead-Säulen geleitet, in denen Absorber die Giftstoffe spezifisch herausfischen. Das gereinigte Plasma wird wieder mit den Blutzellen vereinigt und zurück in den Körper geleitet. Die Blutzellen dürfen nicht mit den Absorberoberflächen in Kontakt kommen, denn sonst kann das Blut gerinnen.

Kleiner Aufwand, große Wirkung


Forscher des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) arbeiten gemeinsam mit ihren Kollegen von der Universität Stuttgart und dem Unternehmen Gambro Dialysatoren an neuartigen Hohlfasermembranen für die Blutreinigung. "Die Besonderheit unseres Verfahrens ist, dass die Abtrennung der Blutzellen und die Reinigung des Plasmas in einem Verfahrensschritt erfolgen", erläutert IGB-Projektleiter Michael Müller. "Damit ist die Apherese, die Blutreinigung, leichter zu handhaben. Durch den geringeren apparativen Aufwand lassen sich die Kosten drastisch reduzieren." Doch nicht nur der Geldbeutel wird geschont, sondern auch der ohnehin geschwächte Patient: Durch das neue Verfahren kann die außerhalb des Körpers befindliche Blutmenge um mehr als die Hälfte reduziert werden. Zudem aktiviert das Material der Hohlfasern nicht die Blutzellen, es ruft also keine Blutgerinnung hervor. Behandlungsvor- und -nachbereitung sind bei diesem Therapiesystem kürzer und einfacher.

Hohlfasern fischen Giftstoffe heraus


So läuft das Verfahren ab: Das Blut strömt durch die porösen Hohlfasern. Dabei dringt jedoch nur das Plasma durch die feinen Poren. Die empfindlichen Blutzellen sind zu groß und bleiben deshalb im Inneren. So wird das Blut automatisch in Zellen und Plasma getrennt. Fängermoleküle, die lediglich an die Oberflächen der feinen Poren und der Außenwand der Faser angebunden sind, fischen die Giftstoffe aus dem Plasma. Am Ende der Faser wird das entgiftete Plasma wieder mit den Blutzellen aus dem für sie verträglichen Hauptkanal zusammengeführt.


Im Labor hat das neuartige Blutwäsche-System bereits alle Tests erfolgreich bestanden. Nun bereitet das Unternehmen Gambro erste klinische Prüfungen für den Einsatz in der Butreinigung vor. Werden auch diese erfolgreich abgeschlossen, wird das Verfahren in etwa drei bis fünf Jahren den Weg in den Klinikalltag finden.
(Fraunhofer-Gesellschaft, 10.09.2004 - ESC)
 
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