Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Kollektiver Zelltod schützt Blindmäuse vor Krebs
Unterirdisch lebende Nagetiere liefern Ansätze für neue Krebstherapien beim Menschen
Blindmäuse gehören zu den wenigen Tieren auf der Erde, die niemals an Krebs erkranken. Ein internationales Forscherteam hat jetzt herausgefunden, was diese unterirdisch lebenden Nagetiere so immun macht.
Blindmaus im Labor
Blindmaus im Labor
© Andrei Seluanov Blindmaus im Labor
Wurden Blindmaus-Zellen durch Chemikalien künstlich zum anormalen Wachstum angetrieben, zogen sie ab einem bestimmten Punkt die Notbremse: Sie setzten Interferon frei, einen Signalstoff des Immunsystems. Dieser löste einen kollektiven Zelltod aus. Dieser einzigartige Mechanismus habe in kürzester Zeit ganze Zellkulturen ausgelöscht und keine Überlebenden hinterlassen, berichten die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". Im lebenden Tier sorge dieser kollektive Zelltod dafür, dass entartete Zellen schon frühzeitig vollständig beseitigt würden und verhindere so, dass Krebs entstehe.

Die etwa rattengroßen Blindmäuse (Spalax) sind vollkommen an ihre Lebensweise in unterirdischen Gängen und Bauten angepasst: Sie sind blind, haben große, an das Graben angepasste Schneidezähne und überleben selbst in extrem schlechter, sauerstoffarmer Luft. Blindmäuse seien zudem sehr langlebig, erklären Vera Gorbunova von der University of Rochester und ihre Kollegen. Während die nah verwandten Mäuse und Ratten nur rund vier Jahre alt werden, können Blindmäuse bis zu 21 Jahre lang leben.

Am auffallendsten sei aber die erstaunliche Resistenz der Blindmäuse gegenüber Krebs: "Unter tausenden von bei uns im Labor gehaltenen Blindmäusen gab es im Laufe von 40 Jahren nicht einen einzigen Fall eines Tumors", schreiben die Forscher. Bei den nahe verwandten Mäusen stürben dagegen bis zu 90 Prozent an Krebs. Was den Blindmäusen ihre ungewöhnlich Immunität verleihe, habe man jetzt erstmals herausgefunden. "Die Kenntnis solcher natürlichen Anti-Krebs-Mechanismen könnte dazu beitragen, neue Therapien auch für Krebserkrankungen des Menschen zu entwickeln", schreiben Gorbunova und ihre Kollegen

Kollektiver Zelltod ohne Überlebende
Für ihre Studie entnahmen die Forscher mehreren Blindmäusen Bindegewebszellen aus Lunge und Haut. Diese sogenannten Fibroblasten züchteten sie auf Nährmedien weiter, die wachstumsfördernde Stoffe enthielten. Wie die Wissenschaftler berichten, vermehrten sich die Blindmaus-Zellen 7 bis 20 Tage lang schnell, dann stoppte ihr Wachstum und sie begannen abzusterben. Vier Tage später seien alle Fibroblasten in den Kulturen tot gewesen. "Wir kultivieren seit Jahren Bindegewebszellen von 20 verschiedenen Nagetierarten, aber einen solchen synchronen Tod von Zellkulturen haben wir noch niemals zuvor beobachtet", schreiben Gorbunova und ihre Kollegen.

Nähere Untersuchungen enthüllten, dass die Zellen kurz vor ihrem Absterben Interferon freisetzten, einen Signalstoff des Immunsystems. Gaben die Forscher das Interferon in junge, noch wachsende Kulturen der Blindmaus-Fibroblasten, starben auch diese innerhalb kürzester Zeit ab. Verantwortlich für diese Reaktion sei ein verändertes Gen in einem Schaltkreis, der bei Säugetieren die sogenannte Apoptose regelt, den programmierten Zelltod, erklären die Forscher. Bei den Blindmäusen sorge es dafür, dass Zellen und Zellverbände, die zu stark und ungehemmt wachsen, beseitigt würden (doi:10.1073/pnas.1217211109).
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Krebs, Zelltod, Apoptose, Blindmäuse, Interferon, Tumor, Bindegewebszellen, Fibroblasten, Immunsystem
Weitere News zum Thema
Nanopartikel: Ladung entscheidet über Schadwirkung (18.06.2013)
Je nach Ladung können Gold-Teilchen Zellwände zerstören oder sogar schützen
Bisphenol A könnte den Zahnschmelz schädigen (12.06.2013)
Bei jungen Ratten genügte schon eine geringe Dosis um typische Störungen auszulösen
Oralsex überträgt krebserregende Viren (07.06.2013)
Infektionen mit Humanen Papilloma-Viren im Halsbereich sind in Deutschland auf dem Vormarsch
Auch die Neandertaler litten schon an Knochentumoren (06.06.2013)
120.00 Jahre alter Rippenknochen zeigt bisher älteste Spuren einer krankhaften Knochenwucherung
Großstadt macht Amseln zu Frühaufstehern (06.06.2013)
Innere Uhr der Stadtvögel läuft schneller und ist störanfälliger
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Krebs bei Kindern
Krebsstammzellen
Rätsel Altern
Apoptose
Krebs
Dossiers zum Thema
Des Tumors Kern
Den Krebsstammzellen auf der Spur
Kampf gegen den Tumor
Neue Wege bei der Behandlung von Krebs bei Kindern
News des Tages
Seltenster Wal der Erde strandete in Neuseeland
Schmelzwasserflut löste Kältephase der Eiszeit aus
Kluger Kakadu bastelt sich Werkzeuge zum Futterangeln
Kollektiver Zelltod schützt Blindmäuse vor Krebs
Bücher zum Thema
Das Krebsbuch
Die Volkskrankheit verstehen, erkennen, behandeln, vermeiden von Sarah Majorczyk und Experten der Deutschen Krebsgesellschaft
Top-Clicks der Woche
1. Obst und Gemüse mit Perchlorat kontaminiert
2. Egoismus macht nicht glücklich
3. Frühe Steinzeitbauern bevorzugten Inzucht
4. Forscher erfinden ein Lichtrad
5. Mittelalterliches Lepra-Rätsel gelöst