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Neuartiges Heftpflaster löst sich ohne schmerzhaftes Ziepen
Innovative Klebetechnik soll vor allem Neugeborene vor Hautverletzungen schützen
US-Forscher haben ein neuartiges Heftpflaster entwickelt, das sich völlig schmerzfrei abziehen lässt. Der Trick: Während sich bei normalen Pflastern der Klebstoff oft nur schwer von der Haut löst, bleibt bei dem neuen Material dank einer clever entworfenen Zwischenschicht die Haftschicht zunächst auf der Haut kleben. Diese kann anschließend leicht mit den Fingern abgerieben werden. Gedacht ist das neue Pflaster vor allem für den Einsatz bei Neugeborenen und Frühchen. Denn deren Haut ist so zart und weich, dass beim Ablösen herkömmlicher Pflaster Hautstücke am Klebstoff haften bleiben können und so Verletzungen entstehen. Über das neuartige Material berichten Bryan Laulicht vom Brigham and Women's Hospital in Boston und seine Kollegen im Fachmagazin "PNAS".
Herkömmliches Heftpflaster
Herkömmliches Heftpflaster
© Nevit Dilmen / CC BY-SA 3.0 Herkömmliches Heftpflaster
Unterschiedlicher Widerstand in verschiedenen Richtungen
Die Wissenschaftler entschieden sich dafür, ihr Pflaster mit herkömmlichen Klebstoffen zu beschichten. Deren Verträglichkeit und Fixierungsvermögen auf der Haut seien gut untersucht und hätten sich im klinischen Einsatz bewährt, erläutern sie ihre Wahl. Auch das Trägergewebe veränderten sie nicht grundsätzlich. Neu bei ihrem Pflaster ist jedoch eine Zwischenschicht, die Klebstoff und Trägergewebe verbindet. Sie besitzt eine sehr ungewöhnliche Eigenschaft: Versucht man, das Gewebe zur Seite zu schieben, leistet sie starken Widerstand. Zieht man jedoch in einem 90-Grad-Winkel an dem Gewebe, braucht man kaum Kraft - die Verbindung löst sich sofort.

Diese sogenannte Anisotropie sei sehr wichtig für das neue Pflaster gewesen, erklärt das Team, denn bisherige Versuche, ein leicht ablösbares Heftpflaster zu entwickeln, scheiterten meist an einem Problem: Was sich schnell und ohne viel Kraft löst, kann auch nicht gut medizinische Geräte oder Zugänge am Körper fixieren. Gerade dafür werden Heftpflaster jedoch häufig eingesetzt. Das neue Material könne dagegen beide Ansprüche erfüllen. Trägt man es zudem nicht in einer durchgehenden Schicht auf, sondern schneidet mikroskopisch kleine Muster hinein, kann der fürs Abziehen nötige Widerstand nahezu stufenlos eingestellt werden.

Besser viel Klebstoff als wenig
Die Wissenschaftler testeten auch, bei welcher Dicke sich die verbliebene Klebstoffschicht am besten von der Haut ablösen lässt. Das überraschende Ergebnis: Eine dicke, durchgehende Schicht erwies sich als sehr viel günstiger als die typischen kleinen Klebstoffinseln, die bei herkömmlichen Pflastern häufig übrig bleiben - sie kann nämlich durch einfaches Reiben mit dem Finger entfernt werden.

Bisher existiert das neue Pflastermaterial zwar nur im Labor, die Forscher erläutern jedoch ausführlich, warum es möglichst schnell in die Klinik Einzug halten sollte. Ihr Fokus liegt dabei vor allem auf Neugeborenen und Frühchen, die beatmet werden müssen: Da es sehr wichtig sei, dass die verwendeten Schläuche auf den Zentimeter genau positioniert sind, würden sie häufig mit viel Heftpflaster im Gesicht der kleinen befestigt, berichten sie. In einem Notfall müssten diese Pflaster jedoch schnell abgelöst werden, wobei es zu Verletzungen der Haut kommen könne. Diese wiederum hinterließen nicht selten bleibende Narben im Gesicht. Eine andere Gruppe, die stark von dem neuen Heftpflaster profitieren könnte, seien ältere Menschen, bei denen die Haut sehr viel dünner sei und dehnbarer sei als bei jüngeren. (doi: 10.1073/pnas.1216071109)
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