Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Historischer Tsunami verwüstete Ufer des Genfer Sees
Heute noch gibt es Ablagerungen der Riesenwelle aus dem 6. Jahrhundert
Historischen Berichten zufolge fegte im sechsten Jahrhundert ein Tsunami durch den Genfer See, der an dessen Ufern schwere Zerstörung anrichtete. Schweizer Wissenschaftler haben nun auf dem Grund des Sees Spuren dieses Ereignisses entdeckt, die helfen, seinen Ablauf zu rekonstruieren. Verantwortlich für die verheerende Monsterwelle war demnach ein Steinschlag am Rhone-Ufer vor dem Ostende des Sees, der zum Kollaps des Fluss-Deltas führte. Das wiederum brachte die Wassermassen im See derart in Bewegung, dass knapp 70 Minuten später in Genf, am anderen Ende des Sees, eine acht Meter hohe Welle über die Stadtmauern schwappte. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass derartige Ereignisse auch in Zukunft auftreten, mahnen Katrina Kremer von der Universität Genf und ihre Kollegen im Fachblatt "Nature Geoscience".
Blick von Genf aus auf den Genfer See
Blick von Genf aus auf den Genfer See
© Anton Sorokoletov / Gemeinfrei Blick von Genf aus auf den Genfer See
Steinschlag mit anschließender Riesenwelle
Im Jahr 563 kam es laut den beiden historischen Quellen, die die Forscher zitieren, etwa an der Stelle, an der die Rhone in den Genfer See fließt, zu einem verheerenden Bergsturz, auch bekannt als Taurendunum-Ereignis. Der Steinschlag allein reichte den Berichten zufolge bereits aus, um mehrere Dörfer komplett zu zerstören, wobei viele Menschen ihr Leben verloren. Noch mehr Zerstörung richtete allerdings der nachfolgende Tsunami an: Er überschwemmte die bereits damals dicht bevölkerten Ufer des Genfer Sees und arbeitete sich in kurzer Zeit bis in die Stadt selbst vor. Dort zerstörte er eine Brücke sowie einige Mühlen und tötete in der Innenstadt mehrere Menschen.

Auf der Suche nach Spuren, die dieses verheerende Ereignis hinterlassen haben könnte, untersuchten Kremer und ihre Kollegen nun den Seeboden an seiner tiefsten Stelle mit künstlich erzeugten seismischen Wellen. Dabei fanden sie eine ausgedehnte, linsenförmige Ablagerung mit einer Länge von etwa zehn und einer Breite von fünf Kilometern. Im Durchschnitt hat sie eine Stärke von fünf Metern, wobei die dickste Stelle im Südosten, in Richtung des Rhone-Deltas, liegt. Die Untersuchung von Bohrkernen aus dem betreffenden Gebiet zeigte dann: Der Aufbau der Ablagerung ist typisch für sogenannte Turbidite, Gesteinsformen, die durch die plötzliche Bewegung großer Schlammströme entstehen. Mit der Radiokarbonmethode, mit der das Alter organischer Bestandteile solcher Sedimente bestimmt werden kann, gelang es den die Forschern auch, den Zeitpunkt der Ablagerung einzugrenzen: Sie muss sich zwischen 381 und 612 nach Christus gebildet haben.

Zufluss der Rhône in den Genfer See
Zufluss der Rhône in den Genfer See
© Sandstein / CC BY 3.0 Zufluss der Rhône in den Genfer See
Datierung passt zu historischen Berichten
Da es aus diesem Zeitraum keine anderen Berichte über Bergrutsche oder Tsunamis gebe, sei es wahrscheinlich, dass die Ablagerungen wirklich dem Taurendunum-Event zuzuordnen sind, schlussfolgert das Team. Mit Hilfe einer Computersimulation rekonstruierte es die wahrscheinliche Abfolge der Ereignisse. Demnach stürzte das Gestein am Rhone-Ufer auf ein Gebiet mit sehr weichem Erdreich, das sofort nachgab und in den Fluss rutschte. Dabei entstand ein Schlammstrom, der sich auf den See zubewegte und dabei dessen Wassermassen verschob. Nur 15 Minuten später erreichte dann eine Welle von 13 Metern Höhe die Stadt Lausanne, nach 70 Minuten war Genf erreicht.

Die Ergebnisse zeigten, dass nicht nur Städte an Meeresküsten, sondern auch dichtbesiedelte Seeufer durch Tsunamis gefährdet seien, betont das Team - ein Risiko, das chronisch unterschätzt werde. Da der Auslöser des damaligen Steinschlags ebenso gut ein leichtes Erdbeben wie ein starker Platzregen gewesen sein könnte, sei es nicht unwahrscheinlich, dass er sich wiederhole. Die Folgen wären heute allerdings ungleich schwerwiegender als im 6. Jahrhundert: Insgesamt leben an den Ufern des Sees mehr als eine Million Menschen. In Genf selbst würde durch eine Acht-Meter-Welle die komplette Innenstadt überschwemmt. (doi: 10.1038/ngeo1618)
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Tsunami, Genfer See, Steinschlag, Schweiz, Rhone, Taurendunum, Turbidite
Weitere News zum Thema
GPS macht Tsunamiwarnung schneller und präziser (21.05.2013)
Japan- Tsunami vom März 2011 hätte besser vorgesagt werden können
Hohes Tsunami-Risiko für Iran, Oman und Pakistan (14.05.2013)
Makran Subduktionszone vor der Küste erweist sich als gefährlicher als gedacht
Zwei Jahre nach Fukushima (11.03.2013)
Bis heute sind die Folgen für die Gesundheit der japanischen Bevölkerung schwer abzuschätzen
Hotspots der Erdbeben-Gefährdung identifiziert (06.12.2012)
Kreuzung von Plattengrenze mit Bruchzone erhöht Anfälligkeit für verheerende Erdstöße
Gashydrate vor der US-Ostküste beginnen zu zerfallen (25.10.2012)
Erwärmung des Meeres droht gewaltige Mengen Methangas aus den Sedimenten zu lösen
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Alpen
Seen
Tsunami
Hochgebirge
Dossiers zum Thema
Gebirge als Lebensraum
Bedeutung und Bedrohung
Erdrutsche
Gefahr am Berg
Tsunami
Das Geheimnis der Riesenwellen
Luftbildarchäologie
Wenn Archäologen zur Cessna statt zum Spaten greifen
Gletscherseen
Imposante Naturphänomene oder tickende Zeitbomben?
Killerseen
Gefahr aus der Tiefe
Riesenwellen
Aufruhr in Poseidons Reich
News des Tages
Historischer Tsunami verwüstete Ufer des Genfer Sees
Zigaretten bringen Frauen um mehr als zehn Lebensjahre
Forscher züchten kontrahierendes Herzgewebe
Gigantischer Schildkrötenfriedhof entdeckt
Bücher zum Thema
Allgemeine Geologie
Eine Einführung in das System Erde von Frank Press und Raymond Siever
Die unruhige Erde
von Erhard Keppler
Landschafts formen
Unsere Erde im Wandel von Harald Frater
Rätsel der Archäologie
Unerwartete Entdeckungen - Unerforschte Monumente von Luc Bürgin
Archäologie erleben
50 Ausflüge in die Vergangenheit von André Wais, Karoline Müller und Tina Steinhilber
Top-Clicks der Woche
1. Verblüffend naturgetreue Nanoblüten aus Kristallen
2. Eingeschleppter Käfer kämpft mit raffinierter Biowaffe
3. Neuer Weltrekord bei der Datenübertragung per Funk
4. Giftiges Mutterkorn breitet sich an der Nordsee aus
5. Ingenieur plant Stromspeicher am Meeresgrund